Dr. Tanja Welsch

Um die Frage zu beantworten, ob die vielen Niederschläge insbesondere im ersten Halbjahr 2024 zu einer höheren Belastung von heimischem Getreide mit Mykotoxinen geführt haben, hat das CVUA Sigmaringen gezielt Proben von Dinkel-, Roggen- und Weizenmehl aus baden-württembergischen Mühlen untersucht. Dabei zeigte sich, dass Mehlproben aus Getreide des Erntejahres 2024 deutlich häufiger mit Mykotoxinen belastet waren als solche aus anderen Erntejahren. Allerdings überschritt keine der Proben des Erntejahres 2024 die EU-weiten Höchstgehalte.
Die Expertinnen und Experten des CVUA Sigmaringen untersuchen jedes Jahr zahlreiche Proben Mehle aus den heimischen Getreiden Dinkel, Roggen und Weizen auf Mykotoxine.
Mykotoxine sind von verschiedenen Schimmelpilzen gebildete Stoffe, die bereits in geringen Konzentrationen giftig auf Mensch und Tier wirken können. Schimmelpilze können entweder Pflanzen bereits beim Wachstum auf dem Feld oder Lebensmittel bei der Verarbeitung und Lagerung befallen. Unter bestimmten Bedingungen bilden sie dann Mykotoxine, wodurch eine Kontamination von Lebensmitteln erfolgen kann. Ob und wie stark ein Lebensmittel mit Mykotoxinen belastet ist, wird durch viele Faktoren beeinflusst, z. B. durch das Wetter.
Die Witterungsverhältnisse gerade im ersten Halbjahr 2024 waren durch häufigen und starken Regen geprägt. Dies hat nicht nur einen Einfluss auf Ernteertrag und Qualität des Getreides. Auch war eine verstärkte Belastung mit Mykotoxinen zu befürchten. Daher hat das Zentrallabor für Mykotoxine am CVUA Sigmaringen gezielt Proben von Dinkel-, Roggen- und Weizenmehl aus Getreide, das 2024 geerntet wurde, angefordert.
Die Lebensmittelkontrolleurinnen und Lebensmittelkontrolleure der unteren Lebensmittelüberwachungsbehörden entnehmen die Proben üblicherweise in den unterschiedlichsten Betrieben: von Mühlen über den Großhandel oder Supermärkte bis hin zu Herstellern, die Getreide verarbeiten, wie Nudelfabriken. Damit die Lebensmittelkontrolle vor Ort bei der Probenahme auch Informationen über das Erntejahr des Getreides einholen konnte, wurden die Mehlproben für dieses Sonderprogramm gezielt in Mühlenbetrieben aus Baden-Württemberg erhoben. Zudem beliefert eine Mühle mehrere andere Betriebe mit Mehl als Rohware zur Lebensmittelherstellung, so dass hier mit optimalem Einsatz der Ressourcen gezielt am „Flaschenhals“ untersucht werden kann.
Insgesamt analysierte das CVUA Sigmaringen 141 Proben Dinkel-, Roggen- und Weizenmehle aus Mühlen mit Erntejahren von 2020 bis 2024 (s. Abbildung 1).

Abbildung 1: Anzahl der Proben Dinkel-, Roggen- und Weizenmehl aus Mühlen mit den Erntejahren 2020 bis 2024
Die Untersuchungspalette umfasste verschiedene Mykotoxine wie beispielsweise Aflatoxine und Ochratoxin A, Alternariatoxine sowie die von Schimmelpilzen der Gattung Fusarium gebildeten Stoffe Deoxynivalenol (DON), Zearalenon, HT-2 Toxin und T-2 Toxin. Für alle genannten Mykotoxine außer den Alternariatoxinen sind in der Verordnung (EU) 2023/915 EU-weit Höchstgehalte festgelegt. Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Mykotoxinbelastung in Dinkel-, Roggen- und Weizenmehl aus Mühlen mit den Erntejahren des Getreides von 2020 bis 2024.

Abbildung 2: Vergleich der Anteile der Proben von Dinkel-, Roggen- und Weizenmehlen aus Mühlenbetrieben mit einer nicht bestimmbaren Mykotoxinbelastung (< Bestimmungsgrenze, grün), einer Mykotoxinkonzentration unterhalb der Höchstgehalte (orange) oder oberhalb der Höchstgehalte (rot) für das Erntejahr 2024 verglichen mit Proben aus vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre.
Lediglich eine Probe Roggenmehl aus dem Erntejahr 2022 musste wegen Überschreitung des Höchstgehaltes für Deoxynivalenol beanstandet werden. Allerdings waren Mehlproben aus Getreide des Erntejahres 2024 zu einem größeren Anteil (61 %) mit Mykotoxinen unterhalb der Höchstgehalte belastet als in anderen Jahren. Auch im Erntejahr 2021 war die Mykotoxinbelastung relativ hoch, auch dieses Jahr war durch viel Niederschlag geprägt (s. auch Mykotoxine in Getreide und Getreidemahlerzeugnissen – im Jahr 2021 ein Problem?)
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Belastung von Getreidemehlen aus dem Erntejahr 2024 auf einem höheren Niveau liegt als in vorherigen Zeiträumen, jedoch nicht so hoch wie ursprünglich befürchtet. Witterung und Klima haben einen deutlichen Einfluss auf die Mykotoxinbelastung in Lebensmitteln. Das CVUA Sigmaringen wird im Rahmen der risikoorientierten Probenplanung solche besonderen Situationen weiter beobachten und gezielt dort untersuchen, wo Probleme vermutet werden.
Bildquelle: CVUA Sigmaringen