Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Pestizidrückstände in tierischen Lebensmitteln – Untersuchungsergebnisse 2025

A. Muzyka, A. Büttner, A. Schächtele (CVUA Freiburg)

 

Im Jahr 2025 wurden am CVUA Freiburg insgesamt 888 Lebensmittelproben tierischen Ursprungs auf Pestizidrückstände untersucht, davon 312 im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP). Eine umfangreiche Auswertung der Untersuchungsergebnisse dieser Proben liegt nun vor.

 

Lebensmittel-Piktogramme

 

Die Untersuchungsergebnisse von 2025 zeigen, dass Pestizidrückstände in Lebensmitteln tierischen Ursprungs in der Regel in sehr niedrigen und unbedenklichen Konzentrationen vorliegen. Im Jahr 2025 wurden lediglich in 5 Proben Überschreitungen der gesetzlich festgelegten Höchstmengen für Biozide festgestellt - die meisten bestimmten Rückstandsgehalte lagen jedoch deutlich darunter. Dennoch ist es von Bedeutung, dass Lebensmittelproduzenten auf eine sorgfältige Handhabung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln in der Produktion achten, um den Eintrag von Pestizidrückständen über diesen Weg weiter zu minimieren.

Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel sind Stoffe, die in der Landwirtschaft verwendet werden, um Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern zu schützen. Diese Substanzen können als Rückstände in Lebensmitteln verbleiben, insbesondere, wenn sie während der Produktion oder Lagerung von Nahrungsmitteln eingesetzt werden. Neben Pflanzenschutzmitteln können auch Biozide, die zur Desinfektion und Bekämpfung von Schädlingen verwendet werden, Rückstände in Lebensmitteln hinterlassen. Pflanzenschutzmittel und Biozide werden unter dem Begriff Pestizide zusammengefasst.

Wie gelangen Pestizide in tierische Lebensmittel?

Pestizidrückstände gelangen auf unterschiedliche Weise in tierische Lebensmittel. Sie können durch kontaminiertes Futtermittel, Trinkwasser, Desinfektionsmittelrückstände oder Umweltverunreinigungen, v.a. die sogenannten „Alt-Pestizide“, in die Lebensmittelkette gelangen. Manche Stoffe werden auch als Tierarzneimittel angewendet und können auf diesem Weg in tierische Lebensmittel gelangen.

 

Zur Begrenzung der Pestizid-Belastung sind EU-weit Rückstandshöchstgehalte festgesetzt. Das CVUA Freiburg überprüft durch die Untersuchungen unter anderem, ob die geltenden Höchstgehalte eingehalten werden.

Ergebnisse im Einzelnen

In 20 % der im Berichtsjahr 2025 untersuchten tierischen Lebensmittelproben wurden zwar Pestizidrückstände bestimmt (Abbildung 1), jedoch lediglich in 5 Fällen oberhalb der Höchstmengen. Bei diesen Proben handelte es sich um drei Milchshake-, eine Sahne- und eine Milchspeiseeis-Probe, in denen Biozidrückstände, insbesondere quartäre Ammoniumverbindungen (QAVs), bestimmt wurden.

 

Die Häufigkeit der Rückstände variierte je nach Lebensmittelmatrix. In Fisch- und Honigproben wurden in etwa der einem Drittel aller Proben Rückstände festgestellt, während bei Fleischproben in nur ca. 25 % der Proben Rückstände bestimmbar waren. In allen untersuchten Schweineschmalz- und Innereien-Proben waren hingegen keine Pestizidrückstände nachweisbar.

 

Abbildung 1: Relativer Anteil der Befunde an Pestizidrückständen oberhalb der Bestimmungsgrenze (BG) in  Abhängigkeit der Matrix. (n = Anzahl der untersuchten Proben pro Matrix)

Abbildung 1: Relativer Anteil der Befunde an Pestizidrückständen oberhalb der Bestimmungsgrenze (BG) in Abhängigkeit der Matrix. (n = Anzahl der untersuchten Proben pro Matrix)

 

Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der nachgewiesenen Rückstände und der Lebensweise bzw. Haltungsart sowie dem Schlachtalter der Tiere. So weisen Tiere, die in freier Wildbahn leben oder Tiere, die in Freilandhaltung gehalten werden vergleichsweise häufiger Pestizidrückstände auf als beispielsweise Schweine, die häufig in Stallhaltung leben und eine vergleichsweise kurze Lebensdauer haben. Diese Annahme würde auch dafür sprechen, dass sogenannte „Alt-Pestizide“ am häufigsten in den Proben von Wildtieren oder Tieren aus Freilandhaltung gefunden werden.

Bei Honig sind Rückstandsbefunde ebenfalls nicht unüblich. Diese können zum einen durch die Anwendung der Wirkstoffe als Tierarzneimittel oder durch einen so genannten „carry-over“ durch die Bienen beim Sammeln der Pollen von belasteten Pflanzen in den Bienenstock und damit in den Honig eingebracht werden.

Untersuchung von Verdachtsproben

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 12 Verdachtsproben auf Pestizidrückstände untersucht.

 

Icon: HonigAuf Grund von Befunden in anderen Bundesländern wurden 6 Kollagen-Proben auf Chlorat untersucht. In keiner der Proben waren Chlorat-Rückstände nachweisbar.

 

Icon: HonigBei einer Bio-Imkerei bestand bereits im Jahr 2024 der Verdacht, dass nicht zugelassene Pestizide eingesetzt wurden. In diesem Zusammenhang wurden auch in 2025 wieder drei Bierdeckel und ein Schwammtuch untersucht. Diese wurden in die Bienenstöcke eingebracht und standen im Verdacht mit Pestiziden versetzt worden zu sein. In den analysierten Material-Proben wurde lediglich in den Schwammtüchern Rückstände der Amitraz-Metaboliten gefunden. Bei Amitraz handelt es sich um einen in der EU mittlerweile nicht mehr zugelassenes Pestizid mit insektizider Wirkung. Amitraz findet allerdings auch in der Veterinärmedizin als Antiparasitikum Anwendung und wird in Bienenstöcken oft gegen die Varroamilbe eingesetzt. Die Anwendung in biologisch geführten Betrieben ist allerdings nicht zugelassen.

Zudem wurden dem CVUA Freiburg insgesamt 4 Honigproben mit dem Verdacht auf enthaltene Pestizidrückstände zur Untersuchung vorgelegt. In 2 dieser Honigproben waren geringe Konzentrationen verschiedener Wirkstoffe nachweisbar, jedoch alle unterhalb der Bestimmungsgrenze.

 

Icon: HonigWeiterhin wurde eine Probe Schweinefleisch mit dem Verdacht auf eine Verunreinigung mit Chlorat untersucht, da während der Probennahme im Betrieb chlorhaltige Reinigungs- bzw. Desinfektionsmittel verwendet wurden. In der Probe konnte kein Chlorat nachgewiesen werden.

 

Icon: HonigEine Eier-Probe wurde ebenfalls als Verdachtsprobe untersucht, bei der aber keine Pestizidrückstände nachweisbar waren.

Rückstände der verschiedenen Pestizidgruppen

Organochlorpestizide – „Alt-Pestizide“ als persistente Rückstände

80 % der festgestellten Pestizidrückstände entfielen auf Organochlorpestizide, wobei mehr als die Hälfte dieser Befunde Hexachlorbenzol (HCB) mit 58 % und Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) mit 25 % ausmachte – obwohl diese Substanzen in der EU seit Jahrzehnten verboten sind. Die Rückstände lagen in der Regel deutlich unter den festgelegten Höchstwerten und stellen somit keine gesundheitliche Gefahr dar. Aufgrund ihrer hohen Persistenz in der Umwelt und ihrer fettlöslichen Eigenschaften, werden sie auch Jahre nach der letzten Anwendung in tierischen Lebensmitteln gefunden.

Biozide – Chlorat/Perchlorat und Quartäre Ammoniumverbindungen (QAVs)

Icon: SprühdoseChlorat ist ein in der EU seit dem Jahr 2008 nicht mehr zugelassenes Pflanzenschutzmittel. Neben der Anwendung als Pflanzenschutzmittel kann Chlorat z.B. auch als Rückstand durch den Einsatz als Reinigungsmittel (Biozid) in das Lebensmittel gelangen. Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln können dem Prozesswasser chlorhaltige Mittel zugesetzt worden sein, die durch chemischen Abbau zu Chlorat-Rückständen im Wasser und damit auch in den prozessierten Lebensmitteln führen können. In den im Berichtszeitraum untersuchten (verarbeiteten) Fleischproben wurden in jeweils einer Probe Putenbrust, Leberkäse, Schwartenmagen und gemischtem Hackfleisch Chlorat-Gehalte oberhalb der Bestimmungsgrenze von 0,01 mg/kg festgestellt. Diese lagen dennoch unterhalb des Rückstandshöchstgehaltes für Fleisch. In allen anderen Fleischproben (n = 371) wurden keine Chlorat-Rückstände (< 0,01 mg/kg) nachgewiesen. Anders als einige Chlorate, wurden Perchlorate nie als Pflanzenschutzmittel- oder Biozidwirkstoff zugelassen. Sie können jedoch – ebenso wie Chlorat – bei der Verwendung chlorhaltiger Reinigungs- und Desinfektionsmittel als Nebenprodukte entstehen. Der Haupteintragsweg von Perchlorat ist, ebenso wie bei Chlorat, die Verwendung von Wasser, das zuvor mit chlorhaltigen Mitteln desinfiziert wurde oder die Verwendung chlorhaltiger Reinigungs- bzw. Desinfektionsmittel auf Arbeitsflächen oder in Maschinen. In 2 Feta-Proben und einer Schinken-Probe wurden vergleichsweise hohe Perchlorat-Gehalte festgestellt. In den übrigen Proben wurden kein Perchlorat oder nur sehr niedrige Gehalte festgestellt.

 

Icon: SprühdoseQuartäre Ammoniumverbindungen (QAVs) wie Dialkyldimethylammoniumchlorid (DDAC) und Benzalkoniumchlorid (BAC) werden in Desinfektionsmitteln eingesetzt und können in tierischen Lebensmitteln Rückstände hinterlassen. Diese Substanzen sind in der EU in Desinfektionsmitteln zugelassen, jedoch nicht als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln sind eine korrekte Handhabung und ein Nachspülen nach der Desinfektion entscheidend, um Rückstände im Lebensmittel zu minimieren [1]. In 4 Milchshake-Proben, 2 Milchspeiseeis-Proben sowie 2 Sahne-Proben wurden vergleichsweise hohe QAV-Gehalte festgestellt. In 3 der Milchshake-Proben, einer Milchspeiseeis- und einer der Sahne-Proben lagen die Gehalte an DDAC bzw. BAC über dem für Milch geltenden Rückstandshöchstgehalt von 0,1 mg/kg.

Fazit:

Die Daten des Jahres 2025 zeigen, dass tierische Lebensmittel wenig mit Pestiziden belastet sind. Lediglich Biozide (hier insbesondere QAV) lassen sich in einigen Proben in höheren Mengen finden. Um zukünftig erhöhten Gehalten an QAV entgegenzuwirken, wird ein gründliches Nachspülen der zuvor desinfizierten Geräte und Oberflächen mit warmem Wasser empfohlen. Nichtsdestotrotz werden wir auch in den kommenden Jahren Speiseeis und Co. auf diese Wirkstoffgruppe prüfen. Ebenso werden wir vermehrt verarbeitete Produkte mit dem Fokus auf Rückständen von Chlorat untersuchen.

 

Lesen Sie den ausführlichen Bericht
 

 

 

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Literatur

[1] Desinfektionsmittelrückstände in Speiseeis 2010 bis 2013, 20.04.2026

 

Bildnachweis

Icons: https://icons8.de/,  https://pixabay.com/de/, 20.04.2026

 

Artikel erstmals erschienen am 18.05.2026 16:23:49

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