Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Gentechnik Erntemonitoring 2021

Brigitte Speck (LTZ Karlsruhe), Hans-Ulrich Waiblinger (CVUA Freiburg)

 

Das Land Baden-Württemberg hat auch 2021 Ernteproben bestimmter Kulturpflanzen auf gentechnische Veränderungen untersucht. Schwerpunkte des Stichprobenprogramms mit insgesamt 109 Proben waren Mais, Raps und Soja, aber auch Lein und Zuckerrüben wurden untersucht. Das Untersuchungsprogramm wird auch in diesem Jahr fortgeführt.

 

Insgesamt wurden 28 Proben von Raps, 18 x Leinsaat, 21 x Soja, 38 x Mais sowie 4 Proben von Zuckerrüben durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg sowie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe untersucht.

 

Abbildung 1: Ernteproben 2021, Untersuchung auf GVO

Abbildung 1: Ernteproben 2021, Untersuchung auf GVO

 

Einen wichtigen Beitrag für diese positive Entwicklung leistet auch das in Baden-Württemberg sowie in anderen Bundesländern durchgeführte Saatgut-Monitoring, bei dem jährlich vor der Aussaat Saatgut stichprobenartig auf gentechnische Veränderungen geprüft wird. Im Jahr 2021 wurden in Baden-Württemberg in 4 Mais-Saatgutpartien GVO nachgewiesen.
Die Saatgutprobenahme und die Saatgutuntersuchungen beim LTZ Augustenberg waren so terminiert, dass die Ergebnisse vor der Aussaat vorlagen, damit ggf. eine Aussaat und somit ein Umbruch von bereits ausgesäten Flächen vermieden werden kann, falls festgestellt wird, dass sich im Saatgut gentechnisch veränderte Bestandteile befinden.

Erfreulicherweise bei Leinsaat kein positiver Befund mehr

LeinsamenAuch die Untersuchung bei Leinsaat wurde fortgeführt; gentechnische Veränderungen waren erfreulicherweise in keiner der 18 Proben nachweisbar. Die Nachweisgrenze betrug ca. 0,01 %.

 

Im Jahr 2020 waren erstmals seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2009 Spuren von gentechnisch veränderter Leinsaat in einer Probe eines landwirtschaftlichen Betriebes im Rahmen des Erntemonitorings nachgewiesen worden. Bei 4 weiteren im Umfeld des Betriebs erhobenen, damit zusammenhängenden Verfolgsproben waren ebenfalls Befunde im Spurenbereich aufgetreten. Leinsamen wird seit 2009 untersucht, da bei kanadischer Importware Verunreinigungen mit dem GVO Event FP 967 nachgewiesen worden waren. Seither wurden insgesamt 166 Leinsamenproben untersucht.

 

Abbildung 2: GVO-Monitoring Ernteproben Lein Baden-Württemberg seit 2009

Abbildung 2: GVO-Monitoring Ernteproben Lein Baden-Württemberg seit 2009

Bei Raps keine positiven Befunde

Wie auch in den Vorjahren war gentechnisch veränderter (gv) Raps in keiner der insgesamt 28 Rapsproben nachweisbar. Die Nachweisgrenze betrug jeweils ca. 0,02 %.

SojabohnenSojabohnen: keinerlei Spuren von gentechnisch veränderten Sojabohnen nachweisbar

In keiner der insgesamt 21 untersuchten Sojaproben waren Verunreinigungen mit gv Sojabohnen nachweisbar. Die Nachweisgrenze liegt bei ca. 0,03 %. In den Jahren bis 2014 waren noch vereinzelt sehr geringe Spuren von in der EU zur Verwendung als Lebensmittel oder Futtermittel zugelassenen gv Soja-Events nachweisbar gewesen. Damit ergaben sich in den letzten 7 Jahren keine positiven Befunde bei der Untersuchung auf gv Soja mehr.

 

Infokasten

In der EU dürfen Lebensmittel und Futtermittel mit Verunreinigungen durch für Lebensmittel- und Futtermittelzwecke zugelassene gv Events bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent ohne entsprechende Kennzeichnung vermarktet werden, sofern diese Verunreinigung zufällig oder technisch unvermeidbar ist. Verunreinigungen unter 0,1 Prozent werden als zufällig oder technisch unvermeidbar beurteilt und sind nicht zu kennzeichnen.

Sojabohnen sind weltweit weiterhin die wichtigsten Kulturpflanzen mit gentechnischen Veränderungen: knapp die Hälfte aller 2019 ausgebrachten gv Pflanzen waren Sojabohnen. So betrug 2019 der Anteil von gv Sorten an der Soja-Anbaufläche 74 Prozent; in den USA wurden 2021 sogar auf 95 % der Anbauflächen gv Sojabohnen ausgesät.
Überwiegend handelt es sich dabei um gegen das Herbizid Roundup resistente Roundup Ready Sojalinien.

Bei Mais weiterhin keine positiven Befunde

Mais hat im Anbau in Baden-Württemberg unter den Pflanzen mit GVO-Relevanz die größte Bedeutung. Entsprechend nahm Mais weiterhin den größten Umfang des Erntemonitorings ein. In keiner der insgesamt 38 Stichproben war gv Mais nachweisbar, die Nachweisgrenze lag bei 0,03 %. Seit nunmehr 11 Jahren wurden in den Ernteproben von Mais keinerlei positive Befunde festgestellt.

Seit 2004 – mittlerweile 18 Jahre GVO-Erntemonitoring in Baden-Württemberg

Bereits seit 2004 wird das in Deutschland bislang einzigartige Stichprobenprogramm der amtlichen Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung Baden-Württemberg jährlich durchgeführt. Mehr als 1600 Ernteproben wurden seitdem auf GVO-Verunreinigungen untersucht.

 

Zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Lebensmittel- und Futtermittelkette sollen in heimischen Ernteprodukten mögliche Verunreinigungen durch gentechnisch veränderte Organismen erkannt und die Entwicklungen über die Jahre aufgezeigt werden. Daher sind landwirtschaftliche Erfassungsstellen sowie Mühlen Schwerpunkte der Beprobung. Mais, Raps, Soja, Lein sowie Zuckerrüben wurden ausgewählt, da sich von diesen Nutzpflanzen bereits weltweit gv Sorten im Anbau befinden. In Deutschland gibt es keine Zulassung für den Anbau gentechnisch veränderter Varianten dieser Nutzpflanzen. Bei Saatgut gibt es eine Nulltoleranz gegenüber GVO-Verunreinigungen.

 

Produkte aus den untersuchten Erntepflanzen sind wichtige Rohstoffe der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. So werden aus Mais Stärken für Suppen und Soßen oder Zuckersirupe für Süßwaren und Getränke hergestellt; Raps dient als Rohstoff für Speiseöle. Leinsaat wird als Zutat in vielen Backwaren und Müslis eingesetzt. Nebenprodukte dieser Verarbeitung zu Lebensmitteln werden zur Herstellung von Futtermitteln verwendet.

 

Soja wird vermehrt auch hierzulande angebaut, um etwa für die Herstellung von Tofu und ähnlichen Sojaprodukten eine Alternative zu häufig gentechnisch veränderter Importsoja verfügbar zu haben. Für die Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft, welche den Anforderungen für eine Bewerbung „ohne Gentechnik“ oder des ökologischen Landbaus genügen sollen, werden Extraktionsschrot aus nicht gv Soja und der heimische Sojaanbau für Futterzwecke immer wichtiger.

Ergebnisse des GVO-Erntemonitorings seit 2004

Seit Beginn des Monitorings 2004 wurden insgesamt 1664 Ernteproben untersucht, davon waren in 30 Proben (= 1,8 %) gentechnische Veränderungen nachweisbar.

 

Positive Befunde gab es bei Mais mit 18 von insgesamt 742 Proben (= 2,4 %), bei Soja mit 11 von 213 Proben (= 5,1 %), sowie bei einer von 166 Proben Lein (= 0,6 %). Seit 2007 wurden keine Verunreinigungen mehr über der Bestimmungsgrenze von 0,1 % festgestellt. In den Jahren 2004 und 2006 wurden allerdings noch bei jeweils einer Maisprobe Anteile knapp über diesem Wert gemessen.

 

Abbildung 3: GVO-Erntemonitoringprogramm Baden-Württemberg (seit 2004)

Abbildung 3: GVO-Erntemonitoringprogramm Baden-Württemberg (seit 2004)

 

 

 

Bildnachweis

alle CVUA Freiburg

 

Artikel erstmals erschienen am 28.01.2022 07:49:50

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