Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Neue Analysenmethoden gegen Lebensmittelbetrug und Täuschung

Dr. Eva Annweiler, Vanessa Schilling, Hans-Ulrich Waiblinger (jeweils CVUA Freiburg), Dr. Sandra Weber, Prof. Dr. Thomas Kuballa (jeweils CVUA Karlsruhe)

 

Ein erstes Forschungsprojekt „Food Fraud - Analytik gegen Lebensmittelbetrug und Täuschung“ wurde jetzt an den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern Baden-Württembergs abgeschlossen. Besonders im Fokus standen Lebensmittel, die aufgrund spezieller Auslobungen, wie regionale Herkunft, Haltungsform oder Sortenangabe von Verbrauchern in Baden-Württemberg besonders geschätzt werden – wofür Verbraucher auch bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen. Darunter einige Lebensmittel, die unter den Top 10 mit dem größten Verfälschungsrisiko stehen, wie Bio-Lebensmittel (stellvertretend wurde hier die Differenzierung von bio/konventionellen Eiern untersucht), sowie Honig und Kaffee. Äpfel und Spargel regionaler Herkunft sind in Baden-Württemberg sehr beliebt und wurden ebenfalls untersucht. Die Authentizitätsprüfung von Säuglingsmilchpulver sowie der schnelle Nachweis von Dopingstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln waren noch Projektbestandteil.

 

  

 

Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt „Food Fraud - Analytik gegen Lebensmittelbetrug“ wurde vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR BW) gefördert. Projektbeginn war August 2018. Zur Unterstützung der Überwachungsbehörden bei der Aufdeckung von Lebensmittelbetrug sowie zum Schutze des Verbrauchers vor Täuschung durch Verfälschung und Fehldeklaration sollen Methoden entwickelt und in den Untersuchungseinrichtungen der Lebensmittelüberwachung Baden-Württembergs etabliert werden. Besonders die zentral für das Land tätigen Labore für Kernresonanzspektroskopie (NMR)-Analytik am CVUA Karlsruhe sowie Stabilisotopen-Massenspektrometrie am CVUA Freiburg sind beteiligt. Das MLR BW hat die Fortführung des Projekts bis Ende 2021 bewilligt.

 

Eier – Differenzierung bio/konventionell sowie Überprüfung der Herkunftsangabe

Hühnerhaltung (Foto: CVUA Stuttgart)Aufbauend auf Ergebnissen aus früheren Forschungsprojekten werden bei der Untersuchung von Eiern derzeit sowohl die Stabilisotopenmethode als auch die NMR-Analytik in der Praxis der Lebensmittelüberwachung etabliert.

Zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Bio-Angabe wird derzeit eine auf der NMR-Technik und multivariaten Datenanalyse beruhende Methode in die Routine der Lebensmittelüberwachung eingeführt. Dabei muss das bisherige Modell für die Auswertung auf weitere Proben aus ganz Deutschland, möglichst jedoch europaweit, ausgedehnt werden.

Zur Differenzierung zwischen ökologisch und konventionell erzeugten Eiern wird auch der Nachweis des synthetischen Farbstoffs Canthaxanthin im Eigelb herangezogen.

Die bereits in der Überwachung eingesetzte Methode zur Überprüfung der angegebenen Herkunft mittels Stabilisotopen-Analytik bei Eiern wurde weiter optimiert und die Datenbasis bei den für die Auswertung erforderlichen Referenzproben erweitert.

 

Kaffee – schnelle Echtheitsprüfung sowie erste Ansätze beim Screening der Herkunft

Der Nachweis einer Verfälschung von Arabica- mit Robusta-Bohnen mittels NMR-Spektroskopie wurde am CVUA Karlsruhe etabliert und die hohe analytische Qualität im Rahmen eines internationalen Projekts zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug (OPSON) auch für andere Staaten unter Beweis gestellt. Des Weiteren hat das CVUA Freiburg an einem vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordinierten Screening von Kaffee mittels Stabilisotopenanalytik zur Herkunftsdifferenzierung teilgenommen.

 

 

 

Honig – neue Möglichkeiten zum Nachweis von Verfälschungen

In dem Projekt wurde ein NMR-Verfahren erarbeitet, bei dem gleichzeitig die Qualität des Honigs beurteilt und die Sortenangabe (sog. Trachten) überprüft werden kann. Mit einem „Fingerprint des Honigs“ werden alle enthaltenen Inhaltstoffe wie unterschiedliche Zucker, Aminosäuren, freie Säuren usw. erfasst und damit auch eine Überprüfung der Sortenreinheit ermöglicht, da die Zusammensetzung eines Honigs trachtspezifisch ist. Das abgebildete schwarze NMR Spektrum zeigt eine Fälschung im Vergleich zu 30 authentischen Waldhonigen. Die Fälschung zeigt in mehreren Signalbereichen einen für Waldhonig atypischen Signalverlauf (zur Verdeutlichung durch rote Pfeile gekennzeichnet).

 

 

 

Spargel und Äpfel – bessere Möglichkeiten der Herkunftsüberprüfung

Im Rahmen des Projekts sollte für Spargel durch die Einbeziehung weiterer Parameter die Beurteilungsgrundlage erweitert werden. Durch die Erweiterung der Untersuchungsparameter wurde eine verbesserte Differenzierung für bestimmte Ursprungsländer erreicht. Die neuen Parameter müssen durch die langfristige Aufnahme in das Untersuchungsspektrum erprobt werden.

 

 

 

Hohe Ernteausfälle durch Frostschäden während der Apfelblüte im Jahr 2017 gaben Anlass, die regionale Herkunftsangabe bei Äpfeln zu prüfen. Die alleinige Differenzierung von Äpfeln nach ihrer Herkunft mittels Stabilisotopenanalytik ist nicht zufriedenstellend. Im Zuge des Projekts wurden erste Untersuchungen mittels NMR- und Elementanalytik erprobt. Durch Kombination der experimentellen Ergebnisse unterschiedlicher Analyseverfahren (IRMS, NMR, Elementaranalyse) konnte nach anschließender multivariater Auswertung eine verbesserte Unterscheidung der Herkunft bei Äpfeln erreicht werden. Für ein robustes Modell besteht allerdings noch weiterer Forschungsbedarf.

 

In der Entwicklung: Schnellnachweis verbotener Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie Verfälschungen in Säuglingsnahrung

Anhand eines NMR-Verfahrens ist es nach derzeitigem Entwicklungsstand möglich, Hinweise auf gefährliche Stoffe wie DMAA, DMBA, DMHA, PEA, MPEA, EPH, SYN und YOH zu erhalten. Eine Quantifizierung der genannten Stoffe, die teilweise auch auf der WADA-Liste für verbotene Dopingstoffe stehen, wurde im Rahmen des Projektes entwickelt. Eine weitere vielversprechende Methode zur Unterstützung im Kampf gegen Lebensmittelbetrug befindet sich noch in der Entwicklungsphase: Im Jahr 2008 wurde ein Betrugsfall bei Babymilchpulver aus China bekannt, bei dem durch Zusatz des Kunststoffs Melamin ein erhöhter Proteingehalt des Produkts vorgetäuscht werden sollte. Mit der derzeit etablierten Methode werden bei der Bestimmung des Proteingehalts organische Stickstoffverbindungen wie Melamin fälschlicherweise miterfasst. In dem Projekt wurde an der Entwicklung einer NMR-Methode weitergearbeitet, um Verfälschungen durch organische Stickstoffverbindungen wie Melamin, Harnstoff, und ähnliche Substanzen zu identifizieren und quantifizieren.

 

 

 

Lesen Sie den ausführlichen Bericht unter: Forschungsprojekt Food Fraud Langfassung

 

Bildnachweis

CVUA Freiburg

 

Artikel erstmals erschienen am 10.07.2020 12:40:50

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