Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Pharmakologisch wirksame Stoffe: Untersuchungsergebnisse 2019

Gudrun Kopf, CVUA Karlsruhe

 

Nationaler Rückstandskontrollplan (NRKP)

Im Jahr 2019 wurden am CVUA Karlsruhe für Baden-Württemberg im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) insgesamt 4297 Proben tierischer Lebensmittel bzw. Proben lebensmittelliefernder Tiere auf pharmakologisch wirksame Stoffe unter Einsatz von chemisch-physikalischen Methoden analysiert. Der überwiegende Anteil (82 %) stammte aus Schlachtbetrieben, die übrigen Proben wurden direkt in Erzeugerbetrieben erhoben. In Proben von 15 untersuchten Tieren wurden Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe nachgewiesen. Überschreitungen von Rückstandshöchstmengen wurden dabei nicht festgestellt. Bei den nachgewiesenen Stoffen handelte es sich weitestgehend um Stoffe aus der Gruppe der Antibiotika.

 

Weitere Informationen zur bundesweiten Auswertung der Ergebnisse des NRKP finden sich auch im Jahresbericht zum NRKP des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

 

Ergänzende Untersuchungen aufgrund der nationalen Regelung nach § 10 Tierische Lebensmittel-Überwachungsverordnung (Tier-LMÜV) für Schlachttiere

Die deutsche Tier-LMÜV verpflichtet die zuständigen Behörden 2 % aller Kälber und 0,5 % aller anderen gewerblich geschlachteten Huftiere auf Rückstände zu untersuchen. Die im Rahmen des NRKP untersuchten Proben werden auf dieses Kontingent angerechnet, die restlichen Proben werden in der Regel zunächst mittels des sogenannten allgemeinen Hemmstofftests (AHT) untersucht. Der AHT ist ein bakterieller Test, der auf der Wachstumshemmung des Testkeims Bacillus subtilis beruht. Mit dem AHT werden immer Niere und Muskulatur eines Tieres auf das Vorhandensein von Hemmstoffen überprüft. Fällt der AHT positiv aus, wird die Probe mit Hilfe chemisch-physikalischer Methoden weiter analysiert, um die Wirkstoffe, die eine Wachstumshemmung verursachen, zu identifizieren und zu quantifizieren.

 

In Baden-Württemberg wurden 2019 insgesamt rund 28.000 Tiere mittels AHT untersucht. 5.032 Tiere wurden davon am CVUA Karlsruhe getestet, die anderen Untersuchungen erfolgten zum größten Teil in den Laboren einiger Kreisbehörden mit großen Schlachtbetrieben. Ein kleiner Anteil wurde des Weiteren am STUA Aulendorf untersucht.
Werden positive Hemmstoffbefunde festgestellt, werden die Proben zur chemisch-physikalischen Nachuntersuchung an das CVUA Karlsruhe eingesandt. Im Berichtsjahr waren dies Proben von 46 Tieren. Insgesamt wurden in den Proben von 21 Tieren (0,08 %) Rückstände identifiziert. Bei 14 Tieren (0,05 %) überschritten die identifizierten Rückstände die zulässigen Höchstmengen und wurden aus diesem Grund beanstandet. Tabelle 1 enthält eine Aufstellung der positiven Rückstandsbefunde aller mittels AHT untersuchten Proben.

Tabelle 1: Hemmstoffproben von Schlachttieren mit Rückstandsbefunden
Wirkstoff Muskulatur Niere
gesamt > HM gesamt > HM
Benzylpenicillin 5 _ 12 7
Tetracyclin 4 1 3 1
Chlortetracyclin 3 2 3 1
Doxycyclin 2 1 3 2
Dexamethason 2 1 3 2
Amoxycillin 2 1 2 2
Spectinomycin _ _ 1 -
Dihydrostreptomycin _ _ 2 1

> HM: Rückstandshöchstmenge überschritten

 

Lebensmittel aus dem Handel

Neben den Proben nach dem NRKP und § 10 Tier-LMÜV werden in Baden-Württemberg auch Lebensmittel tierischer Herkunft aus Herstellerbetrieben und aus dem Handel stichprobenartig auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe überprüft (amtliche Proben nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch). Im Jahr 2019 waren dies am CVUA Karlsruhe insgesamt 954 Proben. Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe wurden in 48 Proben (5,0 %) nachgewiesen. 4 Proben (0,42 %) wurden beanstandet, da die gesetzlichen Anforderungen nicht eingehalten wurden. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Rückstandsbefunde in den Proben aus dem Lebensmittelhandel.

 

Tabelle 2: Proben aus Lebensmittelhandel mit Rückstandsbefunden
Probenart Gesamt-
probenzahl
Proben mit
Rückständen
Herkunft nachgewiesener
Wirkstoff
Beanstandung
Corned Beef 45 17 Brasilien Ivermectin* ja 1 > Höchstmenge
Brasilien
Argentinien
Ivermectin
Doramectin
Moxidectin
nein 16 < Höchstmenge
Kaninchenfleisch 19 2 China Monensin* nein 1 < Höchstmenge
Frankreich Sulfadimethoxim nein 1 < Höchstmenge
Krebstiere 98 11 Vietnam Oxytetracyclin ja 1 > Höchstmenge
Doxycyclin ja 1 > Höchstmenge
Vietnam
Bangladesch
Oxytetracyclin
Doxycyclin
Enrofloxacin
Leukomalachitgrün
nein 9 < Höchstmenge
Därme 20 1 Deutschland Chloramphenicol* ja 1 verbotener Stoff
Eier 110 2 Deutschland Oxfendazol
Flubendazol
nein 2 < Höchstmenge
Kalbfleisch 57 3 Belgien,
Deutschland
Chlortetracyclin
Doxycyclin
Tetracyclin
nein 3 < Höchstmenge
Geflügel 137 8 Polen,
Deutschland
Doxycyclin
Enrofloxacin
nein 8 < Höchstmenge
Fisch 104 1 Vietnam Enrofloxacin nein 1 < Höchstmenge

 

 

Infokasten

Monensin:

Monensin, ein Ionophor, ist ein antibakterieller und antiparasitärer Wirkstoff aus der Gruppe der Antibiotika. Er wird aufgrund seiner guten Wirksamkeit therapeutisch gegen Kokzidien und Kryptosporidien eingesetzt. Die Zulassungsbedingungen für ein entsprechendes Tierarzneimittel sehen jedoch eine Verabreichung an Kaninchen, die der Lebensmittelgewinnung dienen, nicht vor. Auch die Verwendung von Monensin als Futtermittel-Zusatzstoff ist aktuell für Kaninchen nicht zugelassen – wohl aber für andere Tierarten. Rückstände von Monensin können deshalb über den Weg einer Futtermittelverschleppung in Kaninchenfleisch gelangen.

Ivermectin:

Ivermectin gehört zur Gruppe der Avermectine und wird zur Behandlung von durch Ektoparasiten und Würmer verursachte Infektionskrankheiten eingesetzt. Vor allem Tiere in Weidehaltung sind einem höheren Befallsdruck und damit verbunden einem höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt. Bereits in der Vergangenheit hatte das CVUA Karlsruhe immer wieder Rückstände von Avermectinen in Rindfleischprodukten aus Südamerika festgestellt - insbesondere in Corned Beef (» Artikel vom 06.07.2016). 2019 wurde ein bundesweites Untersuchungsprogramm angestoßen, an dem auch das CVUA Karlsruhe teilnahm und in dem speziell Corned Beef aus Südamerika verstärkt in den Fokus der Überwachung rückt (» Ergebnisse).

Chloramphenicol:

Chloramphenicol ist ein bakteriostatisch wirkendes Antibiotikum mit relativ breitem Wirkungsspektrum. Es steht im Verdacht genotoxisch zu wirken und kann beim Menschen in seltenen Fällen zu einer aplastischen Anämie führen, einer speziellen Form der Blutarmut. Daher darf Chloramphenicol nicht zur Behandlung von lebensmittelliefernden Tieren verabreicht werden.

 

Weitere Informationen:

 

Artikel erstmals erschienen am 16.03.2021 15:40:05

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