Baden-Württemberg

Die Untersuchungsämter für
Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit

Mehr als nur Natriumchlorid? – Mikroplastik in Speisesalz

M. Becker (CVUA Freiburg), J. Kubatov (CVUA Karlsruhe)

 

Salz gilt als das Naturprodukt schlechthin, unverändert seit Jahrmillionen – doch ist es wirklich so rein wie man vermutet? Die CVUAs Freiburg und Karlsruhe haben elf handelsübliche Speisesalze, sowohl Meersalz als auch Steinsalz, auf Mikroplastik untersucht. Das Ergebnis: In jeder einzelnen Probe wurde Mikroplastik nachgewiesen – unabhängig davon, ob das Salz aus dem Meer oder aus dem Bergbau stammt. Produkte welcher Art besonders stark belastet waren und was das für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Auf dem Foto ist ein mit weißen Salzkörnern gehäufter Teelöffel zu sehen. Um den Löffel herum sind weitere weiße Salzkörner verteilt. (Bildquelle: CVUA Karlsruhe)

Abbildung 1: 6 g Salz sind laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung der Orientierungswert für die tägliche Speisesalzzufuhr. Das entspricht in etwa einem Teelöffel [1]. (Bildquelle: CVUA Karlsruhe)

 

Salz ist ein ursprüngliches Naturprodukt, das seit Millionen Jahren in unserem Gestein und den Meeren vorhanden ist. Es galt schon in der Antike als unverzichtbar und ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff. Doch die weltweite wachsende Umweltverschmutzung macht sich längst auch bei Salz bemerkbar - unsichtbar und geschmacksneutral als Mikroplastik.

In einem Gemeinschaftsprojekt haben die CVUAs Freiburg und Karlsruhe elf Speisesalze aus dem Handel auf Mikroplastik untersucht. Das Ergebnis: In jedem der Produkte konnte Mikroplastik nachgewiesen werden.

Woher kommt unser Salz?

Speisesalz wird überwiegend als Steinsalz oder Meersalz gewonnen. Beide Salzarten bestehen hauptsächlich aus Natriumchlorid (NaCl), unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Herkunft und Gewinnungsverfahren. Für unsere Untersuchungen standen handelsübliche Steinsalze und Meersalze im Mittelpunkt.

Steinsalz stammt aus Salzlagerstätten, die vor Millionen von Jahren durch das Austrocknen urzeitlicher Meere entstanden sind. Es wird heute in Bergwerken abgebaut (Trockenabbau) oder über den sogenannten Lösungsbergbau gewonnen (Nassabbau). Dabei wird Wasser in die Salzschichten gepumpt, die entstehende Sole an die Oberfläche gefördert und anschließend eingedampft, bis das Salz kristallisiert.

Meersalz dagegen wird aus Meerwasser gewonnen. In flachen Verdunstungsbecken verdunstet das Wasser durch Sonne und Wind, bis sich Salzkristalle bilden, die im Anschluss geerntet und weiterverarbeitet werden. Die Aufreinigung erfolgt durch Lösen und Wiederauskristallisieren.

 

Abbildung: Auf dem Bild sind flache ovale Becken mit Wasser zu sehen, neben denen jeweils ein weißer Berg aus Salz aufgetürmt ist.  (Bildquelle: Walter Zachariae)

Abbildung 2: Verdunstungsbecken, aus denen Meersalz gewonnen wird. (Bildquelle: Walter Zachariae)

Was ist Mikroplastik – und wie gelangt es ins Salz?

Winzige Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind, gelten als Mikroplastik. In der Umwelt entstehen sie durch den Zerfall von Plastik. Erzeugt werden können sie auch bei industriellen Prozessen oder Kunststoffabrieb, wie z. B. dem Abrieb von Autoreifen. Mikroplastik findet sich im Wasser, in der Luft und im Boden.

Das Vorkommen von Mikroplastik in den Weltmeeren ist hinreichend belegt und bekannt, doch wie gelangt Mikroplastik ins Lebensmittel Salz?

Da Steinsalz aus tiefen geologischen Schichten stammt und lange vor der Herstellung von Kunststoffen entstanden ist, könnte man zunächst vermuten, dass es frei von Mikroplastik ist.

Meersalz wird hingegen direkt aus Meerwasser gewonnen, das aufgrund der zunehmenden Umweltverschmutzung bereits mit Mikroplastik belastet sein kann. Daher liegt die Annahme nahe, dass Meersalz stärker mit Mikroplastik belastet ist als Steinsalz.

Unsere Untersuchungen

Im Jahr 2026 haben die CVUAs Freiburg und Karlsruhe 8 Meersalze und 3 Steinsalze aus dem Handel auf Mikroplastik untersucht. Neben den üblichen feinkörnigen Salzen in Karton- oder Kunststoffverpackungen waren unter den Proben auch ein Fleur de Sel in einer Kunststoffverpackung und ein Meersalz aus der Einwegmühle.

Untersuchungsmethode

Am CVUA Karlsruhe wurde eine spezielle Methode für die Untersuchung von Mikroplastik entwickelt. Für die Untersuchung von Speisesalz wurden 10 – 25 g Salz zunächst in Reinstwasser gelöst und anschließend durch spezielle Filter filtriert, die selbst kleinste Plastikpartikel auffangen können. Daraufhin wurden die Filter zunächst mikroskopisch untersucht und das Mikroplastik im Anschluss mittels Pyrolyse-GCMS analysiert. Hierdurch lässt sich genau messen, wie viel von welchem Kunststoff im Salz vorhanden war.

Da Mikroplastik nahezu überall vorkommt – etwa in der Luft oder an Laborgeräten -, wurde bei der Entwicklung der Methode ganz besonders darauf geachtet, das Risiko von Kontamination mit Mikroplastik aus der Luft und Umgebung zu minimieren. Die Proben werden in einem separaten Laborbereich ausschließlich mit gereinigten Metall- und Glasgeräten bearbeitet. Um Fremdeinträge auszuschließen, wurden zusätzlich zu jeder Probenserie Blindwerte gemessen, also Kontrollmessungen von Arbeitsumgebung und dem verwendeten Reinstwasser durchgeführt. In keiner der Blindwert-Proben konnte dabei Mikroplastik nachgewiesen werden. Die Nachweisgrenze liegt je nach Kunststoffart zwischen 0,1 und 2,7 µg Mikroplastik.

Das Balkendiagramm zeigt grafisch die gemessenen Gehalte an Mikroplastik in den einzelnen Proben.

Abbildung 3: Gehalt an Mikroplastik in Mikrogramm pro Kilogramm in den untersuchten Salzproben. Untersuchte Einzelproben Meersalz (blau), Steinsalz (grau)

 

In allen Proben konnte Mikroplastik nachgewiesen werden. Der durchschnittliche Mikroplastikgehalt lag bei 1165 µg/kg. Auffällig hierbei: Sowohl unter den Steinsalzen als auch unter den Meersalzen gab es Proben, die stärker und Proben, die weniger stark belastet waren.

Zwei Meersalzproben stachen dabei besonders hervor: ein Salz aus einer Einwegmühle mit knapp 3000 µg/kg Mikroplastik und ein „Fleur de Sel“ mit ca. 3800 µg/kg Mikroplastik. Aber auch eine der Steinsalzproben enthielt mit ca. 1800 µg/kg deutlich mehr Mikroplastik als der Durchschnitt aller untersuchten Proben.

 

Auf dem Foto ist eine Mikroskopische Aufnahme eines Filters zu sehen, der braun gefärbt mit schwarzen Punkten ist. Zwei blaue Pfeile zeigen auf zwei bläulich-schwarze Fäden. (Bildquelle: CVUA Karlsruhe)

Abbildung 4: Mikroskopische Aufnahme des Filters nach der Filtration von „Fleur de Sel“ mit 20facher Vergrößerung. Es lassen sich mehrere dunkle Fäden erkennen (Bildquelle: CVUA Karlsruhe)

 

Bei den in Abbildung 4 erkennbaren dunklen Fäden könnte es sich um Mikroplastik oder auch um Naturfasern handeln. Die genaue Messung mittels Pyrolyse-GCMS ergab: Es handelt sich um Mikroplastik.

Ist Mikroplastik im Salz gesundheitsschädlich?

Bisher konnte durch die Aufnahme von Mikroplastik durch Lebensmittel keine Gefahr für die menschliche Gesundheit festgestellt werden. Es besteht bei diesem Thema jedoch noch eine große Wissenslücke. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde vom Europäischen Parlament daher mit der Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens über die potenziellen Gesundheitsrisiken von Mikroplastik in Lebensmitteln, Wasser und Luft beauftragt. Mit Ergebnissen ist voraussichtlich Ende 2027 zu rechnen. [2]

Fazit

Unsere Untersuchungen zeigen, dass Mikroplastik sowohl in Meersalz als auch in Steinsalz vorkommen kann. Das Ergebnis der Untersuchungen verdeutlicht, dass die Belastung nicht ausschließlich von der Art der Salzgewinnung abhängt. Auch während der Förderung, Verarbeitung und Verpackung können Kunststoffpartikel in das Salz gelangen. Auch im Haushalt kann Mikroplastik ins Lebensmittel gelangen; Genaueres hierzu können Sie in einem Artikel des CVUA Stuttgart nachlesen [3]. Darüber hinaus spielen die Herkunft des Salzes, die Umweltbedingungen am Gewinnungsort sowie die eingesetzten Aufbereitungs- und Reinigungsverfahren eine entscheidende Rolle.

Eine pauschale Empfehlung für Stein- oder Meersalz, jeweils feinkörnig oder aus der Mühle, lässt sich daraus für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ableiten. Die Untersuchung macht vielmehr deutlich, wie viel Mikroplastik bereits in der Umwelt verbreitet ist und dass seine Eintragswege in Lebensmittel vielfältig sein können. Um die Belastung mit Mikroplastik langfristig zu verringern, ist es ratsam möglichst wenige Produkte in Plastikverpackungen zu kaufen, Küchenutensilien möglichst aus Glas, Keramik, Edelstahl oder Holz zu verwenden und Plastikmüll korrekt zu entsorgen bzw. zu recyclen. [3,4]

Literaturquellen

[1] https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/speisesalz/#c3351, abgerufen am 20.07.2026

[2] https://www.efsa.europa.eu/de/news/microplastics-european-parliament-requests-scientific-advice-efsa, abgerufen         am 20.07.2026

[3] https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=3&ID=3931, abgerufen am 20.08.2026

[4] https://klimalaend.de/zero-waste-so-vermeidest-du-plastikm%C3%BCll-im-alltag, aufgerufen am 07.09.2026

 

Artikel erstmals erschienen am 11.09.2026 16:58:44

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