Baden-Württemberg

Die Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit

Elementgehalte in Fruchtsaft

Birgitt Salzmann

 

Obst Früchte Fruchtmischung

 

Das Vorkommen von Schwermetallen in Fruchtsäften, insbesondere in Kernobstsäften, wurde in den letzten Jahren häufiger von der Presse aufgegriffen. Während fruchtsafteigene Elemente wie Kalium, Magnesium und Calcium als positive Nährstoffe in Fruchtsäften hervorzuheben sind, wurde auch über unerwünschte Elemente wie Aluminium, Blei oder Arsen berichtet.
                                                                                                                                                                   Quelle: Pixabay

 

Projekt: Der bundesweite Überwachungsplan (Büp) 2022 enthielt auch ein Programm zur Untersuchung von Fruchtsäften auf Aluminium, an dem sich das CVUA Sigmaringen beteiligte. Vor circa zehn Jahren hatten erhöhte Aluminiumgehalte in Apfelsäften zu Beanstandungen geführt

(Aluminium in Apfelsaft: Lagerung von Fruchtsäften nicht in Aluminiumtanks).

Zurückgeführt wurde dies damals auf eine veraltete technische Ausstattung, insbesondere bei kleineren Herstellerbetrieben, die sowohl Tanks also auch Anlagenteile aus Aluminium zur Herstellung und Lagerung der Fruchtsäfte im Einsatz hatten. Durch die im Obst enthaltenen Fruchtsäuren konnte Aluminium aus den Anlagenteilen mit Lebensmittelkontakt herausgelöst werden und in den Fruchtsaft übergehen. Im Jahr 2022 sollten nun nicht nur Fruchtsäfte aus heimischen Früchten hiesiger Keltereien geprüft werden, sondern auch Produkte, die aus Früchten anderer EU-Mitgliedstaaten und aus Drittländern gewonnen wurden, um festzustellen, ob möglicherweise noch heute ein Gesundheitsrisiko für den Verbraucher durch Aufnahme erhöhter Aluminiummengen aus Fruchtsaft besteht.
Das CVUA Sigmaringen untersuchte die für das BÜp-Programm entnommenen und weitere amtliche Proben nicht nur auf Aluminium, sondern auch auf weitere Elemente wie Blei, Cadmium, Arsen und Kupfer. Insgesamt wurden

40 Fruchtsäfte und 27 Fruchtnektare untersucht. Bei der Auswahl der Fruchtnektare lag der Fokus auf Johannisbeere

(24 von 27 Proben), da sich diese Frucht durch einen hohen Säuregehalt auszeichnet.

 

Aluminium:

Während für Blei, Cadmium, Arsen und Kupfer Höchstgehalte EU-weit für die Fruchtsäfte/-nektare bzw. für die Ausgangsfrüchte festgelegt sind (s.u.), haben Höchstgehalte für Aluminium in Lebensmitteln noch keinen Eingang in die EU- Gesetzgebung gefunden.

Nach Auffassung des Arbeitskreises lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (ALS) gilt ein Aluminiumgehalt von mehr als 8 mg/l Fruchtsaft als technisch vermeidbar und ist daher als inakzeptabel zu bewerten [1]. Bei sehr hohen Gehalten ist zudem eine toxikologische Bewertung vorzunehmen. Grundlage hierfür ist die von der EFSA

(European Food Safety Autority, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)

festgelegte tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) von 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht.

 

 

Diagramm Verteilung der Aluminiumgehalte

 

Die Ergebnisse der Untersuchungen auf Aluminium waren sehr erfreulich. Der höchste gemessene Wert lag bei

4,5 mg/kg in einem Apfelsaft, alle anderen Werte lagen unter 2,6 mg/kg. Knapp die Hälfte der Proben zeigten Gehalte unterhalb der Bestimmungsgrenze der Methode. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Dichte liegen die Aluminiumgehalte aller im Jahr 2022 untersuchten Proben somit deutlich unterhalb des Beurteilungswertes von

8 mg/l Fruchtsaft.

 

Blei, Cadmium und Kupfer

Die Verordnung (EG) Nr.1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln (seit 24.05.2023 ersetzt durch VO (EU) 2023/915) legte EU-weite Höchstgehalte für Blei in Fruchtsäften und Fruchtnektaren fest. Dagegen existieren keine spezifischen Höchstgehalte für Cadmium in Fruchtsäften bzw. Fruchtnektaren, so dass für die Beurteilung die Höchstgehalte der Ausgangserzeugnisse, also der entsprechenden Früchte, herangezogen werden.
In der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Pestizidrückstände in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs sind EU-weite Höchstgehalte für Kupfer und Kupferverbindungen in Obst festgelegt, die als Grundlage für die Bewertung von Kupfergehalten in Fruchtsäften bzw. Fruchtnektaren dienen.
Für Blei lagen bei 88 % der untersuchten Proben die Gehalte unterhalb der Bestimmungsgrenze. Bei Cadmium lagen bis auf zwei Proben, alle unter der Bestimmungsgrenze. Dabei wurden die Höchstgehalte für Blei und Cadmium von allen Proben eingehalten.
Für Kupfer waren die Gehalte in 76 % der Proben unterhalb der Bestimmungsgrenze. Die anderen Probengehalte lagen deutlich unter den Höchstgehalten der entsprechenden Fruchtarten.

 

Arsen:

Für Arsen lagen im Jahr 2022 noch keine gesetzlich geregelten Höchstmengen vor. Am 3. März 2023 wurde die Verordnung (EU) 2023/465 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte für Arsen in bestimmten Lebensmitteln erlassen. Hierin wird für Arsen in Fruchtsäften, rekonstituierten Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtnektaren eine Höchstmenge von 0,020 mg/kg festgelegt. Alle Proben wiesen einen Arsengehalt im Bereich der Bestimmungsgrenze oder darunter auf und unterschritten damit den im Bewertungszeitraum im Verordnungsentwurf vorliegenden Höchstgehalt deutlich.

 

 

Übersicht zu rechtlich festgelegten Höchstgehalten:

Tabelle Übersicht zu rechtlich festgelegten Höchstgehalten:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*1) Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln (gültig bis 24.05.2023)
*2) Verordnung (EU) 2023/915 der Kommission vom 25. April 2023 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006
*3) Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates

Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchungen von Fruchtsäften und -nektaren auf Aluminium und verschiedene Schwermetalle sind insgesamt sehr erfreulich. Die Gehalte an Aluminium lagen alle unter dem Beurteilungswert von

8 mg/L, die Gehalte an Blei, Cadmium und Kupfer sowie Arsen durchweg deutlich unterhalb der zulässigen Höchstgehalte.

 

 

Quelle:
[1] (Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 2007, 439-444) (Seite 11)

 

 

Artikel erstmals erschienen am 23.06.2023 11:52:11

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