Kühlstoffe in Flüssigkeiten für E-Zigaretten: Untersuchungsergebnisse und toxikologische Risikobewertung

Sandra Tamosaite

 

Hintergrund

Die Zusammensetzung von Flüssigkeiten für elektronische Zigaretten (E-Zigaretten) ist komplex: Neben den Hauptbestandteilen wie Feuchthaltemitteln (u.a. Propylenglykol, Glycerin) und Aromastoffen enthalten sie häufig Nikotin sowie Süßstoffe und spezielle Kühlstoffe (sogenannte Cooling Agents). Die Funktionsweise von E-Zigaretten basiert auf dem Erhitzen dieser Flüssigkeiten durch ein elektrisches Heizelement. Dabei entsteht ein Aerosol (Dampf), welches vom Konsumenten direkt über die Lunge inhaliert wird. Diese Produkte erfreuen sich einer stetig wachsenden Beliebtheit, wobei insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Trend zu Produkten mit intensiver Kühlwirkung zu beobachten ist.

 

Die Rolle der Kühlstoffe bei der Nutzergewinnung

Der beobachtete Trend zu Produkten mit intensiver Kühlwirkung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist kein Zufall. Kühlstoffe erfüllen hier eine strategische Funktion: Sie maskieren das typische „Brennen“ des Nikotins im Rachen.

Durch diesen Effekt wird die natürliche Inhalationsbarriere massiv gesenkt. Das Aerosol lässt sich tiefer und beschwerdefreier einatmen, was den Einstieg in den Konsum erheblich erleichtert und die Hemmschwelle für Nichtraucher herabsetzt. Diese „milde“ Wahrnehmung täuscht jedoch über die tatsächliche toxikologische Belastung und das Suchtpotenzial hinweg.

 

Untersuchungsergebnisse 2025

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 91 E-Zigaretten und 53 Nachfüllbehälter für E-Zigaretten untersucht. Im Fokus dieser Auswertung standen die Stoffe Eucalyptol, Menthon und Menthol, da diese aufgrund ihrer kühlenden Wirkung und weiten Verbreitung Gegenstand einer aktuellen Risikobewertung (Stellungnahme 003/2026) des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind.

Um die weite Verbreitung und die massiven Konzentrationsunterschiede zu verdeutlichen, fasst die folgende Tabelle die Untersuchungsergebnisse zusammen. Besonders auffällig ist die extrem hohe Maximalkonzentration bei Menthol, die weit über den Gehalten anderer Kühlstoffe liegt.

 


Stoff

von 91 E-Zigaretten enthalten

von 53 Nachfüllbehältern enthalten

Min. Gehalt [mg/L]

Max. Gehalt [mg/L]
Menthol
53
31
7,89
57.000
Menthon
22
15
4,51
1.840
Eukalyptol
19
15
2,72
425

Der Spitzenwert bei Menthol ist besonders alarmierend: Mit 57.000 mg/l macht dieser Kühlstoff fast 6 % des gesamten Liquids aus – eine sehr hohe Konzentration, die weit über eine bloße Aromatisierung hinausgeht.

 

Toxikologische Bewertung durch das BfR

Das BfR kommt in seiner Stellungnahme zu dem Schluss, dass für bestimmte Kühlstoffe in E-Zigaretten bei mittlerem (ca. 5 ml/Tag) oder hohem Konsum (40 ml/Tag) ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden kann. Da kaum Daten zur Inhalationstoxizität vorliegen, nutzte das BfR für seine Bewertung den „Margin of Exposure“-Ansatz (MOE) auf Basis von oralen Studiendaten. Dieser Wert beschreibt den Sicherheitsabstand zwischen einer gesundheitsschädlichen Dosis (aus Tierstudien) und der tatsächlich aufgenommenen Menge beim Menschen. Dabei gilt: Je kleiner der MOE-Wert, desto geringer ist der Sicherheitsabstand und desto höher ist das potenzielle Gesundheitsrisiko. Bei den untersuchten Kühlstoffen wurden die erforderlichen Sicherheitsmargen bereits bei mittlerem Konsum unterschritten.

Zu den untersuchten Stoffen hält das Bundesinstitut fest:

  • Menthol: In In-vitro-Studien wurden Schädigungen des Bronchialepithels sowie oxidativer Stress beobachtet. Ein langfristiges Gesundheitsrisiko (u. a. Leberveränderungen, zentralnervöse Effekte und Reizwirkungen der Atemwege) kann bei einem mittleren und hohen Konsumniveau nicht ausgeschlossen werden.
  • Menthon: Dieser Stoff ist Menthol strukturell sehr ähnlich. Die Risikocharakterisierung zeigt, dass bei einem mittleren und hohen Konsum von potentiellen Gefahren für Leber, Nieren, Milz und Gehirn nicht ausgeschlossen werden können.
  • Eukalyptol: Der MOE-Ansatz deutet ab einer täglichen Aufnahmemenge von 5 mL Liquid darauf hin, dass ein mögliches Risiko für Leber- und Nierenschäden nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Das Risiko der Stoffmischungen ("Cocktail-Effekt")

Die Untersuchung der Proben hat gezeigt, dass viele Flüssigkeiten für E-Zigaretten Menthol, Menthon, Eukalyptol und andere synthetische Cooling Agents gleichzeitig enthalten. Diese Kombination verschiedener Stoffe wird kritisch angesehen, da sich die toxischen Wirkungen möglicherweise addieren könnten. Das BfR rät daher aufgrund der unklaren Inhalationstoxizität und der oft extrem hohen Gehalte vom Gebrauch von Flüssigkeiten für E-Zigaretten mit Kühlstoffen ab.

 

Fazit

Aufgrund der Tatsache, dass die erforderlichen Sicherheitsmargen (MOE) bei mittlerem und hohem Konsum meistens unterschritten werden, rät das BfR von der Verwendung dieser Kühlstoffe in E-Liquids ab. Insbesondere bei hochkonzentrierten Produkten können die toxikologisch bedenklichen Schwellenwerte schnell erreicht werden.

 

Trotz dieser gesundheitlichen Bedenken gibt es aktuell keine gesetzlichen Höchstmengen oder Verbote für Kühlstoffe in E-Zigaretten. Angesichts der neuen BfR-Bewertung und der teils hohen Konzentrationen wird auf EU-Ebene sowie national bereits über eine Anpassung der Tabakerzeugnisverordnung diskutiert.

 

Verbraucher können das Vorhandensein dieser Kühlstoffe oft bereits an der Produktbezeichnung erkennen. Begriffe wie „Ice“, „Frozen“, „Cool“, „Polar“ oder „Frost“ weisen direkt auf eine intensive Kühlwirkung hin. Auch Bezeichnungen wie „Fresh“, „Arctic“ oder der Zusatz „on Ice“ bei Fruchtaromen (z. B. „Mango on Ice“) sind klare Indikatoren für den Einsatz von Cooling Agents. Problematisch bleibt jedoch, dass diese werblichen Begriffe keinerlei Rückschluss auf die tatsächliche Konzentration zulassen: Hinter einem „Ice“-Label kann sich sowohl eine harmlose Aromatisierung als eine bedenkliche Konzentration verbergen.

 

Die Überwachung dieser Stoffgruppe wird im Jahr 2026 fortgeführt, da die Markttrends einer Reduzierung der gesundheitlichen Belastung durch Kühlstoffe in Flüssigkeiten für E-Zigaretten entgegenstehen. Um dieser Entwicklung wirksam zu begegnen, wird derzeit eine neue analytische Methode entwickelt. Diese wird es zukünftig ermöglichen, das gesamte Spektrum der in der BfR-Stellungnahme aufgeführten Kühlstoffe in E-Zigaretten-Flüssigkeiten präzise zu bestimmen und so eine umfassendere Kontrolle zu gewährleisten.

 

Nachfüllbehälter für elektronische Zigaretten

Abbildung 1: Übersicht verschiedener Nachfüllbehälter für elektronische Zigaretten.

 

 

verschiedene elektronische Zigaretten

Abbildung 2: Übersicht verschiedener Einweg-E-Zigaretten, Nachfüllbehälter und Kartuschen für elektronische Zigaretten.

 

 

verschiedene Einweg-E-Zigaretten

Abbildung 3: Übersicht verschiedene Einweg-E-Zigaretten.

 

Bilder:

CVUA Sigmaringen

 

 

Artikel erstmals erschienen am 20.05.2026