Organophosphate und Carbamate

Julia Polley

 

Was sind Organophosphate und Carbamate, wie wirken sie und wozu werden sie eingesetzt?

Organophosphat- und Carbamatverbindungen werden hauptsächlich als Insektizide eingesetzt. Eine Exposition tritt hauptsächlich bei der Anwendung der Pestizide in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Schädlingsbekämpfung sowie im Gartenbau auf [1].

 

Organophosphat- und Carbamat-Insektizide bringen Nerven dazu, in Dauererregung zu stehen. Dies hat zur Folge, dass viele Organe permanent aktiviert werden und schließlich ihre Funktion einstellen. Dabei können folgende Symptome auftreten: Augentränen, verschwommenes Sehen, erhöhter Speichelfluss, Schwitzen, Husten, Erbrechen sowie häufige Darmbewegungen und häufiges Wasserlassen. Zudem kann der Blutdruck fallen und der Puls kann sich verlangsamen und unregelmäßig werden. Weiterhin können Krämpfe auftreten. das Atmen kann schwerer werden. Schließlich können Muskeln zucken und schwach werden [2]. Bekannte Vertreter dieser Stoffklasse welche auch am CVUA Freiburg untersucht werden sind zum Beispiel: Malathion, Parathion, Fenthion, Diazinon, Chlorpyrifos und Carbamate: Aldicarb, Carbaryl und Carbofuran.

Untersuchungsergebnisse am Beispiel der Organophosphate Chlorpyrifos und Carbamat in Lebensmitteln

Am CVUA Freiburg wurden seit dem Jahr 2011 mehr als 80 Schlankwels-Proben auf Chlorpyrifos untersucht, wobei in ca. 77 % der Proben Rückstände nachgewiesen werden konnten. Bei keiner der Proben wurde die allgemeine Höchstmenge von 0,01 mg/kg gemäß der Rückstandshöchstmengenverordnung (RHmV) überschritten.

 

Auch bei Carbamaten waren in Lebensmitteln nur vereinzelt Rückstände in vernachlässigbar geringen Mengen feststellbar. Die festgestellten Konzentrationen an Chlorpyrifos und Carbamaten wurden hierbei jedoch jeweils als gesundheitlich unbedenklich bewertet.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es für Organophosphate und Carbamate in Lebensmitteln?

Die Genehmigung für die Verwendung von Chlorpyrifos in Deutschland ist Ende Januar 2020 ausgelaufen [3]. Darüber hinaus wurden auf europäischer Ebene Rückstandshöchstgehalte für OCV Verbindungen in unverarbeiteten Lebensmitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft im Anhang I der Verordnung VO (EG) Nr. 396/2005 geregelt [4]. Auf nationaler Ebene sind ergänzende Rückstandshöchstmengen für OCV in Anlage 1 der für Deutschland gültigen Rückstandshöchstmengenverordnung (RHmV) festgelegt [5].

 

Literatur

[1]Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2016 des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Dienststelle Berlin Mauerstraße 39–42, D-10117 Berlin; ISSN: 1662-131X

[2] Gerald F. O’Malley, Rika O’Malley: Insektizid-Vergiftung. Feb 2019, MSD Manual.

[3] Das Insektizid Chlorpyrifos erfüllt nicht die Kriterien für die Erneuerung seiner Genehmigung: BfR teilt wissenschaftliche Bewertung der EFSA Mitteilung Nr. 031/2019 des BfR vom 8. August 2019.)

[4] Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates. (ABl. L 70 S. 1); Celex-Nr. 3 2005 R 0396; Zuletzt geändert durch Art. 1 VO (EU) 2020/1085 vom 23.7.2020 (ABl. L 239 S. 7, ber. ABl. L 245 S. 32)

[5] Verordnung über Höchstmengen an Rückständen von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln in oder auf Lebensmitteln (Rückstandshöchstmengen-Verordnung – RHmV) In der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Oktober 1999 (BGBl. I S. BGBL Jahr 1999 I Seite 2082, ber. 2002 S. 1004); FNA 2125-40-55; Zuletzt geändert durch Art. 1 23. ÄndVO vom 16.7.2020 ( BGBl. I S. BGBL Jahr 2020 I Seite 1699)

 

 

Artikel erstmals erschienen am 23.03.2021