EU-Referenzlabor für Pestizidrückstände in tierischen Lebensmitteln und Waren mit hohem Fettgehalt (EURL AO)
Sarah Fehrenbach (CVUA Freiburg)
Die Abteilung 3 des CVUA Freiburg untersucht tierische Lebensmittel auf Pestizid-Rückstände. Zusätzlich findet sich in dieser Abteilung das EU-Referenzlabor für Pestizidrückstände in tierischen Lebensmitteln und Waren mit hohem Fettgehalt (EURL AO), über welches im Folgenden informiert wird. Die Seite ist in folgende Unterpunkte gegliedert:
Struktur
Die staatliche Lebensmittelüberwachung ist in das Netzwerk der nationalen und europäischen Referenzlabore eingebunden. Dieses Netzwerk ist in Abbildung 1 stark vereinfacht dargestellt. Es dient dazu, EU-weit eine hohe Lebensmittelsicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu gewährleisten.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der organisatorischen Struktur der EURL für Pestizidrückstände und deren Schnittstellen zu GD SANTE, nationalen Referenzlaboren (NRL) und amtlichen Untersuchungsstellen (OFLs). Abkürzungen: EURL FV - EURL for fruits and vegetables; EURL CF - EURL for Cereals and Feeding Stuff; EURL AO - EURL for Food of Animal Origin; EURL SRM - EURL for Single Residue Methods; BVL - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; CVUA - Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt
Als Teil der europäischen Kommission ist die Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) für die Umsetzung und Novellierung der EU-Gesetze in diesem Bereich zuständig. Bei Bedarf wird sie dabei von EU-Referenzlaboratorien (EURLs) mit wissenschaftlichem oder technischem Wissen unterstützt. Jedes EURL ist außerdem eine EU-weite Referenzstelle für bestimmte Produktgruppen oder Analysemethoden. Detailliertere Informationen zu den Aufgaben eines EURL sind im Abschnitt Aufgaben zu finden. Der Benennung zum EURL geht ein Bewerbungsprozess mit mehrstufigem Auswahlverfahren voraus. Am CVUA Freiburg ist das EURL for food of animal origin, also für Pestizidrückstände in tierischen Lebensmitteln und Waren mit hohem Fettgehalt (EURL AO), seit Juli 2006 angesiedelt. Es ist eines von vier EURLs im Bereich der Pestizidrückstände.
Auf Bundesebene sind die nationalen Referenzlaboratorien (NRL) die Anlaufstelle für Fragen in der Lebensmittelanalytik. Auch sie sind jeweils für einen Fachbereich zuständig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist unter anderem das NRL im Bereich von Lebensmitteln tierischen Ursprungs und Waren mit hohem Fettgehalt. Für die Umsetzung der Lebensmittelüberwachung in Deutschland sind die Bundesländer zuständig. Die zuständigen Behörden, wie z.B. das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg, sind sogenannte OFLs (Official Food Laboratory). Sie analysieren Proben von Lebensmitteln, Futtermitteln, Bedarfsgegenstände, Kosmetika und Tabakwaren, um die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen zu überprüfen.
Aufgaben
Die Aufgaben der EURLs sind in der Verordnung (EU) Nr. 2017/625 in Artikel 94 beschrieben. Dazu zählen:
- Entwicklung und Validierung von Analysenverfahren (siehe Forschung)
- Beratung der Europäischen Kommission (Wissenschaftliche und Technische Unterstützung im eigenen Expertenbereich)
- Unterstützung der Nationalen Referenzlabore
o Analysemethoden
o Bereitstellung von Referenzmaterial
o Jährliche Workshops zum Austausch und zur Weitergabe von Informationen (siehe EURL-Netzwerk) - Sicherung und Dokumentation der Harmonisierung der Leistungsfähigkeit der Laboratorien
o Laboreignungsprüfungen, auch proficiency test (PT)
o Folgemaßnahmen
o Schulungen
Besonders relevant ist dabei die Organisation und Durchführung von Laboreignungsprüfungen.
Laboreignungsprüfung / Proficiency Test (PT)
Bei einer Laboreignungsprüfung, auch kurz PT (englisch: proficiency test) genannt, werden die Genauigkeit und Übereinstimmung der Analyseergebnisse der teilnehmenden Laboratorien bestimmt. Basierend auf den Ergebnissen werden Rückschlüsse auf die Qualität der einzelnen Labore gezogen. Erfüllt ein Labor nicht die Anforderungen können Folgemaßnahmen, wie beispielsweise Schulungen, eingeleitet werden. Alle Laboratorien, die Lebensmittel und Futtermittel im Rahmen der EU-Lebensmittelüberwachung untersuchen, sind zur Teilnahme an den PTs der EURLs verpflichtet. Dazu zählen alle NRLs und OFLs. Des Weiteren haben Laboratorien aus Staaten, die in die EU exportieren die Möglichkeit teilzunehmen. Die regelmäßige Durchführung von PTs stellt somit sicher, dass die teilnehmenden Laboratorien eine hohe, konsistente und vergleichbare Leistung erbringen und diese immer weiter harmonisiert wird. Basierend darauf wird die gleichwertige Einhaltung von Normen und Vorschriften innerhalb der EU gewährleistet. Der Ablauf eines PTs ist in Abbildung 2 zusammengefasst.

Abbildung 2: Ablauf einer Laboreignungsprüfung, auch kurz PT (engl.: proficiency test). Icons von https://icons8.de/.
Zu Beginn wird eine Matrix ausgewählt, im Fall des EURL AO handelt es sich dabei um eine Matrix aus dem Bereich der tierischen Lebensmittel und Lebensmittel mit hohem Fettgehalt. Außerdem wird eine Liste mit den zu untersuchenden Analyten (Pesticide Target List) sowie ein Zeitplan aufgestellt. Diese Informationen sind Teil der Ausschreibung des PTs. Darauf folgt die Registrierung der teilnehmenden Labore. Sobald feststeht, wie viele Labore teilnehmen, werden das Testmaterial sowie Lösungen der verwendeten Analyten bestellt. Bei der Herstellung des PTs werden die ausgewählten Analyten in einer festgelegten Menge zu der Probenmatrix hinzugegeben, homogenisiert, für den Versand abgefüllt und verpackt (siehe Abbildung 3). Vor dem Versand wird ein Homogenitätstest durchgeführt: Es werden stichprobenartig mehrere Portionen aus unterschiedlichen Chargen entnommen und analysiert, um statistisch nachzuweisen, dass die Analyten gleichmäßig verteilt sind. Nur wenn die gemessene Variabilität die vorgegebenen Kriterien erfüllt, wird das Material freigegeben. Abschließend wird die Verpackung so gewählt und vorbereitet, dass Verderb und Qualitätseinbußen während des Transports ausgeschlossen sind.

Abbildung 3: Fotos aus dem Ablauf eines PTs. Von links: Herstellung des Testmaterials, Gefäße für die Abfüllung der Proben, versandbereite Proben
Die teilnehmenden Labore erhalten die Proben zusammen mit der Liste von Analyten, die potentiell enthalten sein können und analysieren die erhaltenen Proben auf diese. Dabei befinden sich mehr Analyten auf der Liste, als tatsächlich dotiert wurden. Die Teilnehmenden melden die Ergebnisse unter Einhaltung einer Frist an das EURL zurück. Dort werden alle Ergebnisse gesammelt und mit statistischen Verfahren verglichen. Es wird ein zusammenfassender Abschlussbericht erstellt. An die Teilnehmenden werden außerdem individuelle Berichte und Zertifikate versandt. Diese geben Aufschluss darüber, wie gut das jeweilige Labor im Vergleich zu den anderen Laboren abgeschnitten hat.
EURL-Netzwerk
Der Fachbereich für Pestizid-Rückstände besteht aus vier EURLs: dem EURL FV (englisch: for fruits and vegetables) für Obst und Gemüse in Almería, dem EURL CF (englisch: for cereals and feeding stuff) für Getreide und Futtermittel in Kopenhagen, dem EURL AO (englisch: for food of animal origin) für tierische Lebensmittel in Freiburg und dem EURL SRM (englisch: for single residue methods) für Einzelrückstandsmethoden in Stuttgart (siehe Abbildung 1). Über die Jahre hat sich aus den vier EURLs des Pestizid-Bereichs ein eingespieltes Netzwerk mit regelmäßigem Austausch entwickelt.
Jedes zweite Jahr finden gemeinsame Workshops der vier EURLs statt, zu denen alle Labore des Pestizid-Netzwerks eingeladen werden (siehe Abbildung 4). Diese Workshops werden abwechselnd von jeweils einem der EURLs organisiert und dienen dem bereichsübergreifenden fachlichen Austausch. Dabei werden aktuelle Themen, neue Analyten und Fragestellungen aus der Praxis diskutiert, um gemeinsame Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln. In den dazwischenliegenden Jahren organisieren die EURLs jeweils Workshops für die Labore ihres jeweiligen Zuständigkeitsbereichs. Dort werden Neuerungen in der Rückstandsanalytik und im europäischen Recht, sowie die Ergebnisse der PTs besprochen. Beide Workshops dienen also dazu, dass alle Teilnehmenden stets auf dem neuesten Stand sind.

Abbildung 4: Gruppenbild vom EURL/NRL-Workshop 2025 in Freiburg
Forschung
Ein weiterer wesentlicher Aufgabenbereich des EURL AO ist die Forschung. Dazu zählt die Entwicklung und Optimierung von Analysemethoden – etwa für Substanzen, die von der EFSA (engl. European Food Safety Authority) oder der Europäischen Kommission neu bewertet wurden und potenzielle Risiken bergen können. Im Fokus steht dabei die kontinuierliche Verbesserung bestehender Verfahren im Hinblick auf Umweltverträglichkeit, Arbeitssicherheit im Umgang mit Lösungsmitteln und Automatisierbarkeit. Die gewonnenen Erkenntnisse werden innerhalb des EURL-Netzwerks weitergegeben, um den fachlichen Austausch und die Harmonisierung analytischer Verfahren zu unterstützen.
Die Forschungsarbeit umfasst unter anderem:
- Studien zu Metaboliten und speziellen Analyten
- Monitoring-Studien zur Beobachtung von Rückständen
- Validierungen von Methoden
- Einführung neuer Verfahren und Optimierung bestehender Methoden
Bildnachweis
alle CVUA Freiburg
Bericht aktualisiert am 21.10.2025