Ein Wolf im Neckar-Odenwald Kreis

Dr. Kerstin Rigbers, Dr. Birte Strobel (CVUA Karlsruhe)

 

Nachdem Wildtierkameras einen Wolf im Neckar-Odenwald fotografiert haben, bestand bei zwei verstorbenen Schafen der Verdacht auf einen Wolfsriss. Dass es sich um einen solchen handelte, wurde mittels Genanalyse (Institut Senckenberg) und die Sektion der Schafe (CVUA Karlsruhe) bestätigt.

Der Wolf ist seit einigen Jahren wieder heimisch in Deutschland. Die Tiere leben in Rudeln oder auch als Einzelgänger und legen weite Strecken innerhalb von Deutschland und Europa zurück. Diesen Herbst fotografierten Wildtierkameras einen Wolf im Neckar-Odenwald Kreis.


Mitte September 2020 fand ein Schafhalter drei Schafe verletzt oder verendet auf der Weide. Der hinzugezogene Wildtierbeauftragte befand die Verletzungen und die Auffindesituation als hinweisend für einen Wolfsriss. Entsprechend wurde vor Ort eine Tupferprobe aus dem Wundbereich der Schafe für eine Genomanalyse genommen.


Neben einem Genomnachweis kann eine Sektion, bei der das verstorbene Tier auf seine Verletzungen hin untersucht wird, zeitnah einen Hinweis auf einen möglichen Wolfsriss bringen. Daher überbrachte das Veterinäramt Neckar-Odenwald-Kreis am 24.09.2020 zwei der Schafe zur Abklärung der Todesursache an das CVUA Karlsruhe.


Die beiden weiblichen Schafe hatten einen sehr guten Ernährungszustand und wogen ca. 80 kg. Die in der Sektion erhobenen Befunde waren bei beiden Schafen sehr ähnlich:
Im Bereich der Kehle war die Haut und Unterhaut durchtrennt und unter der Haut fanden sich an der Unterseite der Kehle Einbisse, akute Blutungen und Zerreißungen der angrenzenden Skelettmuskulatur. Auch war die Haut im Bereich der Hintergliedmaßen durchtrennt und Blut befand sich in der Wolle. Unter der Haut fanden sich flächenhafte Blutungen in der Unterhaut und Zerreißungen der Skelettmuskulatur. Einbisse in den Hintergliedmaßen mit einem Zahnabstand von 4 – 6 cm und einem Durchmesser von 1,5 cm waren vorhanden. Auch im Bereich der Vordergliedmaßen gab es unter der Haut hochgradige akute Blutungen und Zerreißungen der Skelettmuskulatur.


Eine vorhergehende Erkrankung als Todesursache lag bei den Schafen nicht vor. Somit untermauerten die Befunde des CVUA Karlsruhe bereits am Tag der Sektion den Verdacht auf einen Wolfsriss. Diese Einschätzung wurde wenige Tage später durch die Ergebnisse der molekularbiologischen Untersuchungen der Senckenberg-Gesellschaft bestätigt. Das Senckenberg Institut gilt als offizielles nationales Referenzlabor für Wolfsgenetik.


Weitere Informationen können auch der Pressemitteilung des Neckar-Odenwald Kreises entnommen werden, deren Inhalte wir an dieser Stelle kurz zusammenfassen:

  • Das Nationale Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf bestätigte mittels einer Genanalyse den Verdacht des Wildtierbeauftragten, der von einem Wolfsriss ausging.
  • Dieser Wolf ist bisher noch nicht am Institut Senckenberg erfasst.
  • Der männliche Wolf erhielt die Kennung GW 1832m, Haplotyp HW22. Dieser Haplotyp ist in der Alpenpopulation weit verbreitet.
  • Derzeit wird im wissenschaftlichen Austausch mit den Nachbarländern die Herkunft von GW 1832m bzw. seine mögliche Wanderroute ermittelt (Mitteilung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Baden-Württemberg (FVA).


FAZIT:
Der Verdacht auf einen Wolfsriss kann zeitnah durch eine Beurteilung der verstorbenen Tiere vor Ort durch den Wildtierbeauftragten, eine weiterführende Sektion am CVUA Karlsruhe und die Genomanalyse am Senckenberg Institut bestätigt oder ausgeschlossen werden.

  • Informationen zum Thema Herdenschutz stellt die FVA zur Verfügung.
  • Bei Beobachtungen im Zusammenhang mit Wölfen sollte eine Nachricht an die Wildtierbeauftragten erfolgen.

 

 

Artikel erstmals erschienen am 04.12.2020