Antibiotikarückstände in Garnelen aus Aquakultur – Untersuchungsergebnisse 2025 des CVUA Karlsruhe
Dr. Christina Skiera

Abb. 1: White Tiger Garnelen (Litopenaues vannamei) (Bildquelle: CVUA Karlsruhe)
Garnelen gehören zu den beliebtesten Meeresfrüchten weltweit. Auch in Europa gibt es eine hohe Nachfrage nach Garnelen. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 437.410 Tonnen Shrimps in die Europäische Union (EU) eingeführt. Innerhalb der EU sind Spanien, Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Italien die fünf größten Garnelen-Importeure. Die Mehrheit der importierten Garnelen stammt aus Aquakultur. Dabei ist die pazifische Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei) auch bekannt als White Tiger Garnele (siehe Abb.1) die wichtigste Zuchtgarnele in der globalen Aquakulturproduktion. Die in die EU importierten Garnelen kommen hauptsächlich aus Aquakulturbetrieben in Südamerika (Ecuador) und Asien (Indien, Vietnam). [1, 2]
Herausforderungen in der Garnelenzucht
Ein großer Teil der Zuchtgarnelen wird heute in Garnelenfarmen als Monokultur mit hohen Besatzdichten kultiviert. Die intensive Produktion von Garnelen in Aquakultur bringt jedoch auch Probleme mit sich: Hohe Besatzdichten führen nicht nur zu Stress der Tiere, sondern oft auch zu einer Abnahme der Wasserqualität in den Zuchtanlagen durch höheren Nährstoffeintrag. Die Kombination aus hoher Besatzdichte und schlechter Wasserqualität hat eine erhöhte Anfälligkeit der Tiere für Infektionen zur Folge. Um Verluste zu vermeiden und die Gesundheit der Bestände zu sichern, werden die Tiere therapeutisch und prophylaktisch mit Antibiotika behandelt. Bei der Garnelenzucht kommen mehrere Antibiotikaklassen zum Einsatz, z. B. Tetracycline, Fluorchinolone, Chinolone, Sulfonamide, Chloramphenicol und Nitrofurane. [3, 4]
Rückstandsuntersuchungen 2025 am CVUA Karlsruhe
Im Rahmen des fortlaufenden Aquakultur-Projekts wurden am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe im Jahr 2025 insgesamt 96 Garnelen-Proben aus Aquakultur auf Antibiotikarückstände getestet. Das Untersuchungsspektrum umfasste dabei:
- nicht zugelassene Wirkstoffe: Triphenylmethanfarbstoffe (z. B. Malachitgrün)
- verbotene Antibiotika (Chloramphenicol, Nitrofurane)
- zugelassene Antibiotika (Tetracycline, Sulfonamide, Makrolide, Chinolone u. a.)
Herkunft der Proben
Die untersuchten Proben stammten hauptsächlich aus Indien, Vietnam, Bangladesch und Ecuador. Einen Überblick gibt Abbildung 2.

Abb. 2: Herkunft der 2025 am CVUA Karlsruhe untersuchten Garnelen
Untersuchungsergebnisse
Von den 96 untersuchten Proben wiesen 6 Proben Antibiotikarückstände auf, davon wurden 3 Proben beanstandet. Alle drei beanstandeten Proben stammten aus Vietnam (siehe Tabelle).
Tabelle: Garnelen-Proben mit Rückstandsbefunden 2025
Erläuterung zur Bewertung:
„unter HM“ = Gehalt des Stoffes in der Probe liegt unterhalb der gesetzlich festgelegten Höchstmenge;
„über HM“ = die Rückstandshöchstmenge für diesen Stoff wurde in der Probe überschritten;
„über RWM“ = der Referenzwert für Maßnahmen dieses Stoffes wurde in der Probe überschritten
|
Proben |
Herkunft |
Rückstandsbefunde |
entspricht den rechtlichen Vorgaben |
||
|---|---|---|---|---|---|
|
Wirkstoff |
Wirkstoffgruppe |
Bewertung |
|||
| rohe Garnelenspieße |
Vietnam |
AOZ |
Antibiotika |
über RWM |
nein |
| Riesengarnelen |
Vietnam |
Doxycyclin, Sulfadiazin |
Antibiotika |
über HM |
nein |
|
Oxytetracyclin |
Antibiotika |
nicht gesichert über HM |
|||
| Riesengarnelen-schwänze |
Vietnam |
Oxytetracyclin |
Antibiotika |
über HM |
nein |
|
Vannamei Shrimps |
Vietnam |
Oxytretracyclin, Enrofloxacin |
Antibiotika |
unter HM |
ja |
|
Vannamei Shrimps |
Vietnam |
Enrofloxacin |
Antibiotika |
unter HM |
ja |
|
White Tiger Garnelen |
Ecuador |
Oxytetracyclin |
Antibiotika |
unter HM |
ja |
1. Probe mit verbotenem Stoff AOZ
Bei einer Probe wurde 3-Amino-2-oxazolidinon (AOZ) nachgewiesen. Hierbei handelt es sich um den Hauptmetaboliten, also das wichtigste Stoffwechselprodukt, von Furazolidon, einem Antibiotikum aus der Gruppe der Nitrofurane. Der AOZ-Gehalt lag deutlich über dem Referenzwert für Maßnahmen (RWM) (ausführliche Erläuterungen zum RWM siehe Infokasten im Artikel: „Aquakultur unter der Lupe“) und entsprach damit nicht den rechtlichen Vorgaben. Darüber hinaus wurde die Probe auch als gesundheitsschädlich beurteilt, da AOZ ein erbgutverändernder und potentiell krebserregender Stoff ist und eine gesundheitsschädliche Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann (siehe Infokasten Nitrofurane).
Nitrofurane
Nitrofurane sind eine Gruppe von bakteriostatisch wirksamen Breitspektrumantibiotika. Für ihre antimikrobielle Aktivität ist die Nitrogruppe am Furanring entscheidend. Da Nitrofurane im Organismus rasch verstoffwechselt werden, lassen sich bereits nach kurzer Zeit analytisch nur ihre Stoffwechselprodukte (Metabolite) nachweisen. Der Einsatz von Nitrofuranen bei Lebensmittel liefernden Tieren ist seit Langem in der EU und auch in vielen anderen Ländern weltweit verboten. Grund dafür ist deren Klassifizierung als erbgutverändernde und krebserregende Substanzen - und auch deren Metaboliten besitzen erbgutveränderndes Potential.
2. Probe mit Mehrfachrückständen
In einer weiteren Probe wurden gleich drei verschiedene Antibiotika nachgewiesen nämlich Doxycyclin und Oxytetracyclin aus der Wirkstoffgruppe der Tetracycline und Sulfadiazin aus der Gruppe der Sulfonamide. Deren Einsatz als Tierarzneimittel ist zulässig, allerdings müssen die rechtlich vorgeschriebenen Wartezeiten eingehalten werden. Die Wartezeit ist die Zeit nach der letzten Verabreichung eines Arzneimittels an ein Tier bis zum Zeitpunkt der Gewinnung von Lebensmitteln, die von diesem Tier stammen. Die Wartezeit soll sicherstellen, dass keine unzulässigen Rückstände der Arzneimittel in den aus den behandelten Tieren gewonnenen Lebensmitteln vorhanden sind.
Bei der untersuchten Garnelenprobe lagen die Gehalte von Doxycyclin und Sulfadiazin gesichert oberhalb der zulässigen Rückstandshöchstmenge. Der gemessene Gehalt an Oxytetracyclin überschritt die gesetzliche Höchstmenge nicht statistisch gesichert. Die Probe entsprach nicht den rechtlichen Vorgaben.
3. Probe mit Höchstmengenüberschreitung und irreführender Auslobung
Eine Probe mit Oxytetracyclin-Rückständen über der zulässigen Höchstmenge trug die Auslobung „Garantiert frei von Antibiotika!". Dies wurde nicht nur als Verstoß gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben aufgrund von Höchstmengenüberschreitung beurteilt, sondern auch als Irreführung des Verbrauchers.
Drei weitere Garnelenproben enthielten ebenfalls Rückstände von Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline und der Fluorchinolone (siehe Tabelle). Allerdings wurden bei diesen Proben die gesetzlichen Rückstandshöchstmengen eingehalten. Die Proben waren also rechtskonform.
Fazit
Die Untersuchungsergebnisse des CVUA Karlsruhe zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche Kontrolle von Garnelen aus Aquakultur ist. Auch im Jahr 2025 waren wieder in mehreren Garnelenproben Antibiotika nachweisbar: Von 96 untersuchten Garnelenproben aus Aquakultur wiesen 6 Proben Antibiotikarückstände auf. Drei der Proben wurden beanstandet. Eine der Proben wurde sogar als gesundheitsschädlich beurteilt, da sie einen verbotenen Stoff mit potentiell erbgutverändernden und krebserregenden Eigenschaften enthielt. Hervorzuheben ist darüber hinaus die irreführende Kennzeichnung einer Probe als "garantiert frei von Antibiotika" trotz nachgewiesener Rückstände.
Vergleicht man die Ergebnisse mit denen der Vorjahre ist kein rückläufiger Trend zu beobachten. Daher wird die Überwachung von Aquakulturprodukten auf Antibiotikarückstände auch 2026 am CVUA Karlsruhe weitergeführt.
Weitere Informationen zum Aquakultur-Projekt und aktuelle Untersuchungsergebnisse finden Sie auf der Website des CVUA Karlsruhe.
Literaturquellen
[1] FAO (2025) GLOBEFISH Quarterly Shrimp analysis, Rome, https://openknowledge.fao.org/handle/20.500.14283/cd7885en, abgerufen 17.02.2026
[2] FAO (2024) The State of World Fisheries and Aquaculture 2024 – Blue Transformation in action, Rome, https://doi.org/10.4060/cd0683en, abgerufen 17.02.2026
[3] Sharma et al. (2021) Sci Rep 11, 3356, Antibiotic-resistant bacteria and gut microbiome communities associated with wild-caught shrimp from the United States versus imported farm-raised retail shrimp, https://doi.org/10.1038/s41598-021-82823-y, abgerufen 17.02.2026
[4] Watts et al. (2017) Mar Drugs 15(6): 158, The Rising Tide of Antimicrobial Resistance in Aquaculture: Sources, Sinks and Solutions doi: 10.3390/md15060158, abgerufen 17.02.2026