Karlsruher Kosmetiktag 2025 „Alles neu macht der Mai“ – Rückblick auf eine spannende und informative Veranstaltung
Isabell Akulsin, Anna Dragosa, Emily Friedmann, Anna Lemsch, David Riedel, Antonia Vogt, das Kosmetik-Team des CVUA Karlsruhe

Abb. 1: Emblem des KKT 2025.
Begrüßung
Am 26. Mai eröffnete die Staatssekretärin Sabine Kurtz vom Ministerium für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg die Veranstaltung. Sie betonte die große Bedeutung des KKTs als Plattform, bei der Industrie, Überwachung, Wissenschaft und Dienstleistung zusammenkommen. Anschließend begrüßte Dr. Stephan Walch, Amtsleiter des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Karlsruhe, die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zuletzt bedankte sich Dr. Maren Hegmanns, die Vorsitzende des Landesverbands der Lebensmittelchemiker/-innen im öffentlichen Dienst Baden-Württemberg (LBW) für das große Interesse am KKT 2025 und gab den Startschuss für die nachfolgenden Fachvorträge.

Abb. 2: Ein Teil der Referentinnen und Referenten des KKT 2025, v.l.n.r.: Dr. Klaus Rettinger (IKW), Oliver Schmidt (LAVES Lüneburg), Dr. Jürgen Blaak (Dr. Babor GmbH & Co. KG), Dr. Dietmar Obst (BASF), Cora Hannes (Kosmetik-Team CVUA Karlsruhe), Dr. Anne Fuchs (KAO), Dr. Andreas Beck (Mibelle Gropu), Dr. Ulrich Eicken (eicken safe cosmetics), Dr. Myriam Sohn (BASF)
Kosmetik im digitalen Zeitalter: Trends, Herausforderungen und (Social Media) – Kommunikation
Der erste fachliche Teil des KKT beschäftigte sich mit der Frage, wie sich die Kosmetikbranche im digitalen Zeitalter wandelt und welche Rolle Social Media dabei spielt. Prof. Dr. Tobias Kesting präsentierte einen mit Prof. Dr. Vera Lenz‑Kesekamp ausgearbeiteten Vortrag über virtuelle Influencerinnen und Influencer und deren Bedeutung für die Kosmetikbranche im Kontext der digitalen Transformation, wobei sowohl Chancen als auch Risiken behandelt wurden. Darauf folgte Influencerin Ying Hösl mit Einblicken in Kosmetikmythen, Trends und Sorgen auf Instagram, unterstützt durch Videobeiträge von Ann-Kathrin Ortmann, die auf die Verbreitung von Fehlinformationen aufmerksam machten. Dr. Hanna Wirtz zeigte, wie globale Unternehmen Social Media und Technologien wie KI nutzen, um Konsumenten innovative und personalisierte Beauty-Erlebnisse zu bieten. Sabine Holzäpfel stellte die Herausforderungen für Verbraucherinnen und Verbraucher im Online-Kosmetikmarkt dar und beleuchtete problematische Werbepraktiken kritisch. Den Abschluss des Blocks bildete ein lebhafter Panel Talk (Podiumsgespräch), moderiert von Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW), Abb. 3. Gemeinsam mit den Referierenden diskutierte das Publikum über die Chancen und Risiken von Social Media und digitalen Anwendungen im Kosmetikbereich.

Abb. 3: Panel Talk 1, v.l.n.r.: Birgit Huber (IKW), Ying Hösl (@die_skingenieurin), Dr. Hanna Wirtz (L’Oréal), Franziska Alex (L’Oréal), Sabine Holzäpfel (Verbraucherzentrale Baden-Württemberg), Prof. Dr. Tobias Kesting (APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft Bremen)
Kosmetik im Wandel: Von Mythen und Innovationen
Dr. Jürgen Blaak stellte aktuelle Trends wie „Holistic Beauty“, „Medicalization“ und „Ingredients 2.0“ sowie zentrale Schritte der Produktentwicklung vor. Anschließend präsentierte Dr. Myriam Sohn verschiedene Methoden zur SPF-Bestimmung und zeigte, dass die in‑silico-Methode eine vielversprechende Alternative zu bestehenden ISO-Methoden ist. Im Nachgang zur KKT rundete Dr. Nicole Braun (Eurofins Consumer Product Testing GmbH) mit ihrem Online-Vortrag über Hauthydratation und die Problematik der Überpflege den Block ab.
Der erste Tag fand einen stimmungsvollen Ausklang in der Höpfner Brauerei, wo die Teilnehmenden bei einem geselligen Bierempfang und einem reichhaltigen Buffet den Abend genießen konnten.
Rohstoffe meistern: Von der Auswahl zur erfolgreichen Anwendung
Der zweite Tag begann mit der Diskussion zur Frage, wie umfangreich Rohstoffdokumente sein müssen, beleuchtet aus Sicht eines Herstellers und eines externen Sicherheitsbewerters. Dr. Andreas Beck zeigte die Herausforderungen der Kosmetikunternehmen im Umgang mit komplexen Dokumentationsanforderungen, während Dr. Ullrich Eicken anhand von Praxisbeispielen die Bedeutung detaillierter Angaben, insbesondere zu Verunreinigungen, hervorhob. Nach einer Fragerunde folgte Dr. Klaus Rettinger, der über die EU-Regelung zu synthetischen Polymermikropartikeln (SPM) sprach, die bisherigen Reduktionsmaßnahmen der Industrie darstellte und Alternativen zu SPM aufzeigte. Anschließend erläuterte Dr. Dietmar Obst die Definition und Übergangsfristen zu SPM und betonte, dass die Einordnung stark vom Einzelfall abhängt. An einem praktischen Beispiel verdeutlichte er schließlich, wie sich der SPM-Charakter eines Stoffes im Verlauf der Wertschöpfungskette verändern kann.
Verpackung neu denken: Zwischen Nachhaltigkeit, Sicherheit und Regulierung
Im zweiten Themenblock „Verpackung neu denken“ standen die Anforderungen und Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, Sicherheit und Regulierung im Mittelpunkt. Oliver Schmidt zeigte, dass auch nachhaltigere Materialien wie Karton oder Rezyklate potenziell problematische Stoffe enthalten können und die neue Verpackungsverordnung (PPWR) trotz ökologischer Vorteile zusätzliche Risiken für Produktsicherheit und Kosten verursacht. Dr. Anne Fuchs betonte, dass Verpackungen stets Teil der Sicherheitsbewertung kosmetischer Mittel sind und Migrationsstudien entscheidend für die Risikobewertung sind. Besonders problematisch sei die unterschiedliche Zusammensetzung von recycelten Kunststoffen, welche z. B. als Haushaltsabfall anfallen (sogenannte Post-Consumer-Rezyklate). Dadurch muss ihre Qualität ständig überprüft werden.
Mit Blick auf die PPWR wurden Leitlinien des „Cosmetic Packaging Toxicology Consortium“ vorgestellt, um einheitliche Standards für die Sicherheitsbewertung von recycelten Verpackungsmaterialien zu schaffen.
E-Commerce ohne Grenzen
Cora Hannes machte in ihrem Vortrag über Drittlandsprodukte und Onlinehandel deutlich, dass diese rechtlich denselben Anforderungen wie inländische Produkte unterliegen, diese Vorgaben jedoch oft umgangen werden. Stefan Czarnecki zeigte anschließend die Herausforderungen für die Marktüberwachung auf, die aufgrund hoher Mängelquoten einen besonderen Schwerpunkt bildet. In der anschließenden Paneldiskussion wurden gemeinsam mit dem Publikum weitere Probleme sowie mögliche Lösungsansätze für eine effektivere Kontrolle des E-Commerce diskutiert.

Abb. 4: Panel Talk 2, v.l.n.r.: Dr. Katharina Marquardt (Procter & Gamble), Sabine Holzäpfel (Verbraucherzentrale Baden-Württemberg), Dr. Urs Hauri (Moderator des Panel Talks, Kantonales Labor Basel Stadt), Andrea Keck-Wilhelm (Kosmetik-Team CVUA-Karlsruhe), Stefan Czarnecki (Abteilungsleiter der Marktüberwachung, Regierungspräsidium Tübingen)
Fazit
Der Karlsruher Kosmetiktag 2025 war aus unserer Sicht ein voller Erfolg und zeichnete sich besonders durch sein offenes Diskussionsforum aus. Vor allem die vielen Gespräche auch zwischen den Vorträgen konnten erneut zu einem besseren gemeinsamen Verständnis und regen Austausch beitragen.
Das Kosmetik-Team des CVUA Karlsruhe bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die gelungene Veranstaltung und den lebhaften Dialog. Einen großen Dank möchten wir vor Allem den Referentinnen und Referenten für die inspirierenden und hochklassigen Vorträge aussprechen.
Wir blicken mit Freude auf den erfolgreichen Austausch zurück und freuen uns Sie beim nächsten Mal, zum 11. KKT, begrüßen zu dürfen!