Tierarzneimittelrückstände in tierischen Lebensmitteln -auffällige Proben aus den Schlachthöfen

C. Skiera

 

Ergebnisse des CVUA Karlsruhe aus der Prüfung auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe bei auffälligen Proben der Schlachttier- und Fleischuntersuchung im Jahr 2010

In der modernen landwirtschaftlichen Nutztierproduktion werden pharmakologisch wirksame Stoffe als Bestandteil von Tierarzneimittelpräparaten in großem Umfang eingesetzt. Gerade in der Massentierhaltung ist eine breite Anwendung von Arzneimitteln unverzichtbar, um die Ausbreitung von Krankheiten auf den gesamten Tierbestand zu verhindern oder um zu erwartenden Krankheiten vorzubeugen. Durch die Verabreichung von Tierarzneimitteln kann es zur Bildung von Rückständen in den essbaren Geweben kommen. Für die zugelassenen Tierarzneimittel sind deshalb sog. „Wartezeiten" (Zeit zwischen der letzten Verabreichung eines Tierarzneimittels und der Schlachtung) gesetzlich festgesetzt. Diese sollen sicherstellen, dass die festgelegten zulässigen Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände nicht überschritten werden. Bei der sachgerechten Anwendung von Tierarzneimitteln verbleiben in den von den behandelten Tieren gewonnenen Lebensmitteln nur Rückstände, die gesundheitlich als unbedenklich gelten.
Die am häufigsten eingesetzten Tierarzneimittel sind Antibiotika. Rückstände dieser Wirkstoffgruppe in tierischen Lebensmitteln sind aus technologischen Gründen bei der Herstellung von fermentierten Produkten unerwünscht. Zudem kann es, insbesondere bei wiederholter Exposition, zur Resistenzbildung bzw. zu einer Sensibilisierung kommen.
Am CVUA Karlsruhe werden auffällige Proben aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe untersucht.
Nach dem EU-Hygienerecht müssen im Schlachthof alle Schlachttiere einer Schlachttieruntersuchung und nach der Schlachtung einer Fleischbeschau durch den amtlichen Tierarzt unterzogen werden. Bei Verdachtsfällen wie Tieren mit physiologischen bzw. psychischen Veränderungen oder Injektionsstellen, die auf eine Behandlung mit pharmakologisch wirksamen Stoffen hinweisen, werden die Tierkörper beschlagnahmt und Probenmaterial zur Analyse eingesandt. Auffällige Tiere, beispielsweise mit krankhaft verändertem Gewebe, das eine Infektion vermuten lässt, werden einer bakteriologische Untersuchung (BU) unterzogen. Im Rahmen der BU wird auch immer ein allgemeiner Hemmstofftest, ein Screeningverfahren auf antibiotisch wirksame Stoffe, durchgeführt. Fällt dieser positiv aus, wird Probenmaterial aus den Regierungspräsidien Karlsruhe und Stuttgart zur Bestätigung dieses Befunds und zur weitergehenden Untersuchung an das CVUA Karlsruhe eingesandt. Das Untersuchungsspektrum umfasst alle gängigen Antibiotika.
Im Jahre 2010 wurden am CVUA Karlsruhe 137 auffällige Proben aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung untersucht. In 41 Proben konnten dabei Rückstände von Antibiotika nachgewiesen werden. Bei 30 Proben lagen die Gehalte oberhalb der zulässigen Rückstandshöchstmengen. Eine genaue Aufstellung der insgesamt gefundenen Tierarzneimittelrückstände ist in Tabelle 1 dargestellt.

 


Tabelle 1

BU-Proben, HT-Verdachtsproben
StoffGesamtzahl der Proben in denen der Stoff nachgewiesen wurdeBefunde in Muskulatur (in Klammern: Anzahl > MRL)Befunde in Niere (in Klammern: Anzahl > MRL)
Marbofloxacin42 (2)2 (1)
Cipro- & Enrofloxacin21 (1)1 (1)
Sulfadiazin21 (0)1 (1)
Tetracyclin1910 (7)10 (5)
Chlortetracyclin42 (0)2 (0)
Oxytetracyclin63 (1)3 (1)
Sulfadimidin21 (1)1 (1)
Gentamycin21 (1)1 (1)
Dihydrostreptomycin31 (1)2 (1)
Penicillin G40 (0)4 (3)
Ampicillin21 (0)1 (0)
Tylosin21 (0)1 (1)

MRL: Rückstandshöchstmenge (Maximum Residue Limit)

 

 

Artikel erstmals erschienen am 22.08.2011