Kritische Farbstoffe in Speiseeis - Kennzeichnung in Eisdielen häufig mangelhaft

C. Sproll, C. Andlauer

 

Messkolben mit verschiedenen FarbstofflösungenSpeiseeisproben

Einige rote und gelbe künstliche Lebensmittelfarbstoffe stehen im Verdacht, an der Entstehung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bei Kindern beteiligt zu sein. Seit 20. Juli 2010 gilt bei Verwendung dieser Farbstoffe in Lebensmitteln eine besondere Hinweispflicht. Aktuelle Untersuchungen am CVUA Karlsruhe zeigen, dass der geforderte Hinweis gerade bei Speiseeis aus Eisdielen noch häufig fehlt.

 

Knallig bunte Farben sind vor allem bei Kindern beliebt. Gerade künstliche Lebensmittelfarbstoffe zeichnen sich durch ihre kräftige, leuchtende Farbe aus. Daher werden sie gerne zur Herstellung auffallend gefärbter Speiseeissorten eingesetzt. Häufig werden dabei auch Mischungen von Farbstoffen verwendet. Eine grüne Farbe bei Eissorten wie „Waldmeister" kann zum Beispiel durch Mischung eines gelben Farbstoffes mit einem blauem Farbstoff erzielt werden.

Die Verwendung von Farbstoffen in Lebensmitteln muss bei der Abgabe an den Verbraucher gekennzeichnet werden. Bei offener Abgabe von Speiseeis in Eisdielen ist die Angabe „mit Farbstoff" auf einem Schild an der Ware erforderlich. Alternativ kann die Verwendung von Farbstoffen zusammen mit anderen Zusatzstoffen in einem Aushang oder zum Beispiel einem Thekenordner kenntlich gemacht sein - was die weniger verbraucherfreundliche Variante wäre. Wird in der Eisdiele eine Speisekarte ausgelegt, so ist die Angabe „mit Farbstoff" auch in der Speisekarte erforderlich, zulässig ist auch die Kennzeichnung in Form einer Fußnote.

Seit 20. Juli 2010 ist bei den in der Tabelle aufgelisteten Lebensmittelfarbstoffen ein zusätzlicher Hinweis notwendig.

 

Tabelle zu Farbstoffen in Speiseeis

 

Neben Name oder E-Nummer des Farbstoffs ist folgender vorgeschriebener Wortlaut anzugeben:

„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen"

 

Der genannte Hinweis ist an gut sichtbarer Stelle, deutlich lesbar und unverwischbar anzubringen. Zu beachten ist dabei, dass für den Verbraucher immer eine Zuordnung des Hinweises zu der jeweils damit gefärbten Speiseeissorte möglich sein muss.

 


Beispiel für die korrekte Kennzeichnung einem Schild bei der Ware


Beispiel für die korrekte Kennzeichnung einem Schild bei der Ware

 

 

Ergebnisse aus unseren aktuellen Untersuchungen 2011

Am CVUA Karlsruhe wurden 2011 bislang 98 Eisproben aus Eisdielen auf Farbstoffe untersucht. In 19 Eisproben waren einer oder mehrere der oben genannten hinweispflichtigen Farbstoffe nachweisbar. Nur bei 6 Proben war jedoch der geforderte Hinweis vorhanden.

 

Diagramm zu Speiseeisproben

Damit kommt bisher die überwiegende Mehrheit der Eisdielen der neuen Deklarationspflicht offensichtlich noch nicht nach.

 

Zu bemerken bleibt noch, dass es durchaus auch Alternativen zu den genannten Farbstoffen gibt, wie zum Beispiel färbende Frucht- und Pflanzenkonzentrate. Die Entscheidung liegt letztlich beim Verbraucher: Bunt ist nicht immer beautiful.


 

 

Bericht erschienen am 16.08.2011 11:24:41