Potenzhonige: Versteckte Arzneistoffe statt natürlicher Hilfe

Das Arzneimittelteam des CVUA Karlsruhe

 

Als natürlich beworbene Honigprodukte versprechen mehr Potenz und sexuelle Leistungsfähigkeit. Unsere Untersuchungen zeigen jedoch: Die meisten dieser Produkte sind nicht natürlich, sondern enthalten nicht angegebene, verschreibungspflichtige Arzneistoffe wie Sildenafil oder Tadalafil – mit schwer kalkulierbaren Gesundheitsrisiken.

Was sind Potenzhonige?

Potenzhonige sind als „natürlich“ beworbene Honigprodukte, die vor allem im Internet angeboten werden. Sie sollen bei Potenzproblemen helfen oder die sexuelle Leistung steigern. Tatsächlich enthalten sie jedoch fast immer einen oder mehrere Arzneistoffe. Am häufigsten wird Sildenafil gefunden, der Wirkstoff aus Viagra. Auch Tadalafil, bekannt aus Cialis, wird immer wieder nachgewiesen.

 

Das Bild zeigt ein geöffnetes Honigglas mit dunkelbrauner, zäher Paste und danebenliegend ein Glas mit Schraubdeckel.

Abb. 1: Honigglas (Bildquelle CVUA Karlsruhe)

Das Problem: Wirkung und Dosis sind unbekannt

Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt dieser Produkte sind nicht verlässlich. Verbraucherinnen und Verbraucher können nicht erkennen, ob ein potenter Arzneistoff enthalten ist. Auch die Wirkstoffmengen sind unbekannt und Dosierungen können stark schwanken. Möglich sind Überdosierungen oder Wirkungsverstärkung durch die Kombination mehrerer Stoffe. Dadurch werden die gesundheitlichen Folgen unkalkulierbar.

Mögliche Gesundheitsgefahren

Zu den häufigsten Risiken zählen:

  • Blutdruckabfall, besonders gefährlich bei gleichzeitiger Einnahme von Nitraten
  • beschleunigter Herzschlag, Herzstolpern, Herzinfarkt
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Sehstörungen, z. B. Farbstörungen oder verschwommenes Sehen
  • Gesichtsrötung (Flush)
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Sind viele Produkte betroffen?

Im Jahr 2025 und in der ersten Jahreshälfte 2026 lagen der Arzneimitteluntersuchungsstelle insgesamt 24 Proben „Potenzhonig“ mit den unterschiedlichsten Produktbezeichnungen zur Untersuchung auf nicht deklarierte Arzneistoffe vor. Lediglich eine Probe war unauffällig, in den restlichen 23 Proben wurde der Wirkstoff Sildenafil in nennenswerter Menge nachgewiesen.

Gibt es noch weitere Produkte?

Potenzhonig ist nur eine von vielen Erscheinungsformen von Lebensmitteln mit „versteckten“ Arzneistoffen. Angeblich natürliche Produkte mit synthetischen Arzneistoffen werden auch in vielen anderen Erscheinungsformen angeboten, zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Pasten, Instantpulver, Schokolade, Bonbons und Shots/ Energy Drinks.

Rechtliche Lage

Der Verkauf solcher Produkte ist illegal. Sie sind nicht verkehrsfähig, da ihnen die erforderliche arzneimittelrechtliche Zulassung fehlt. Potenzhonige, die Arzneistoffe wie Sildenafil oder Tadalafil enthalten, unterliegen der ärztlichen Verschreibungspflicht. Sie dürfen nur in Apotheken abgegeben werden, da eine fachkundige Beratung nötig ist. Wegen der versteckten Wirkstoffe und der nicht kontrollierten Dosierung sind Potenzhonige gesundheitlich bedenklich.

Wie werden die versteckten Stoffe nachgewiesen?

Im Labor werden die Proben zunächst homogenisiert und mit Methanol extrahiert. Anschließend können die enthaltenen Arzneistoffe mit verschiedenen chromatografischen Verfahren nachgewiesen werden. Mit der Hochleistungsflüssigkeitschromatografie (HPLC) können die Stoffe identifiziert und mengenmäßig bestimmt werden. Eine Absicherung der Identität erfolgt in der Regel mit Hochleistungs-Dünnschichtchromatografie.

Fazit

Potenzhonige sind keine harmlosen Naturprodukte. Sie enthalten meistens versteckte Wirkstoffe wie Sildenafil oder Tadalafil. Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. „Natürlich“ heißt nicht sicher! Nur zugelassene Arzneimittel aus legalen Apotheken bieten verlässliche Qualität und Sicherheit. Wer Gesundheitsprobleme hat, sollte sich ärztlich oder in einer Apotheke beraten lassen und keine Produkte aus unklaren Internetquellen oder sozialen Netzwerken verwenden.

Woran lassen sich verdächtige Produkte erkennen?

Hinweise auf ein möglicherweise illegales Produkt können sein:

„100 % natürlich“ und „starke Wirkung“

Trotz versprochener starker Wirkung wird das Produkt als rein natürlich und mit reißerischen Wirkversprechungen beworben, z. B.:

  • „Mehr Ausdauer im Bett“
  • „Natürliche Power für lange Nächte“
  • Symbole wie flammende Herzen oder kräftige Tiere

Keine Zulassungsnummer

Es ist keine Zulassungsnummer vorhanden. Ein Arzneimittel ohne Zulassung ist nicht verkehrsfähig.

Exotischer oder reißerischer Name

Auffällige Produktnamen sollen besondere Stärke, Natürlichkeit oder Seriosität vermitteln.

Verkauf über dubiose Websites oder soziale Medien

Anbieter und Vertriebswege sind häufig schwer oder gar nicht überprüfbar.

Keine Herstellerangaben oder unklare Herkunft

Der verantwortliche Hersteller und die Herkunft des Produkts sind nicht eindeutig erkennbar.

 

Das Bild zeigt ein rotes Verbotssymbol mit Honigglas und Honiglöffel.

Abb. 2: Illegaler Honig (Bildquelle: CVUA KA, mit Hilfe von Kl (ChatGPT) erstellt)

 

 

 

Artikel erstmals erschienen am 17.08.2026