Maligne (bösartige) Tumoren (Neoplasien) oder ungefährliche Knoten in der Haut bei einem Pferd? - Ein Fallbericht

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Birgit Blazey, Claudia Geiger

 

Ein ca. 13 Jahre alter Wallach zeigte bereits seit drei Jahren einen Knoten in der Haut. Da sich in diesem Jahr die Konsistenz von weich nach fest änderte und auch Druckschmerz hinzu kam, trat die Befürchtung auf, es liege ein maligner Tumor vor. Die feingewebliche (histologische) Untersuchung am CVUA Stuttgart konnte Klarheit bringen. In dem vorliegenden Fall ist die Prognose günstig, da ein sogenanntes Equines Eosinophiles Granulom (Collagenolytic granuloma, nodular necrobiosis) vorliegt.

Vorbericht

Der Orlow-Traber Wallach zeigte vor 3 Jahren im Sommer nach dem Koppelgang den ersten großen Knoten in der Haut im zeitlichen Zusammenhang mit mehreren über die Brust verteilten Insektenstichen. Die Weide befindet sich in der Nähe eines Flusses.

Die Stiche waren weich und verflüchtigten sich Ende des Sommers. Nur ein Knoten blieb an der Brust bestehen, aber auch dieser war zunächst weich und quaddelig. Seitdem scheuerte sich das Tier ständig an dieser Stelle oder wälzte sich mit Vorliebe im Schlamm.

Seit dem Sommer diesen Jahres hat sich dieser Knoten an der Brust verhärtet und wurde auch druckempfindlich. Zudem traten weitere kleinere Knoten an Brust und am Widerrist auf. Zur Diagnostik wurde diese Umfangsvermehrung entnommen und eingesandt.

 

Abbildung 2 und 3: Pferd zwei Wochen nach Laseroperation.

Abb. 2 +3: Zwei Wochen nach Laseroperation

 

Histologischer Befund

Die histologische Untersuchung ergab eine massive Dermatitis mit zahlreichen Herden von Kollagennekrosen in der Dermis. Es lagen massenhaft degranulierte eosinophile Granulozyten vor, welche wiederum von eosinophilen Granulozyten und epitheloiden Makrophagen umgeben waren. Die nekrotischen Areale wiesen bisweilen eine dystrophische Verkalkung auf. Die vorliegenden Befunde deuten auf ein allergisches oder parasitäres Geschehen hin. Alle histologischen Befunde ergaben zusammenfassend ein Equines Eosinophiles Granulom.

 

Abbildung 4: Dermatitis mit fokalen Nekrosen, Abbildung 5:  entzündliche Infiltration auch in der Epidermis.

Abb. 4: Dermatitis mit fokalen Nekrosen (Pfeil)

Abb. 5: entzündliche Infiltration auch in der Epidermis

 

Abbildung 6: eosinophile Dermatitis mit fokalen Kollagennekrosen, Abbildung 7: eosinophile Follikulitis mit Haarquerschnitt .

Abb. 6: eosinophile Dermatitis mit fokalen Kollagennekrosen (Pfeil)

Abb. 7: eosinophile Follikulitis mit Haarquerschnitt (Pfeil)

 

Abbildung 8: eosinophile Dermatitis, Abbildung 9: dystrophische Verkalkung der Nekrosezone.

Abb. 8: eosinophile Dermatitis

Abb. 9: dystrophische Verkalkung (blaugrau) der Nekrosezone

 

Das Eosinophile Granulom und Differentialdiagnosen

Beim Pferd treten in der Haut einzelne oder multiple Knoten mit eosinophiler Infiltration relativ häufig auf.
Das sog. eosinophile Granulom ist bei dieser Tierart hierbei die häufigste Diagnose. Die Knoten sind 0,5 bis zu 5 cm groß und zeigen eine Degeneration von Kollagenfasern. Als Ursache wird eine Überempfindlichkeitsreaktion, besonders gegen Insektenstiche, vermutet, was im vorliegenden Fall auch mit dem Vorbericht in Übereinklang zu bringen ist.
Differentialdiagnostisch muss an die kutane Habronematidose gedacht werden. Diese Veränderungen werden bei Pferden auch als Sommerwunden bezeichnet. Sie werden durch die Wanderung von Habronema-Larven III, einer Nematodenart (Rundwurmart), die im Sekret der Magenmukosa leben, verursacht. Die Knoten entwickeln sich meist plötzlich und wachsen schnell, das Granulationsgewebe ist schlaff, körnig und blaurot, häufig ragt es auch blumenkohlartig über die Oberfläche hinaus. Feingeweblich (histologisch) sind  in der Regel auch Larven und Larvenreste zu erkennen.
Eine weitere Differentialdiagnose stellt das Sarkoid des Pferdes dar. Dieses wird durch Rinderpapillomviren verursacht, zeigt histologisch das Bild eines Fibrosarkoms mit begleitender Proliferation der Epidermis. Ein derartiges histologisches Bild lag hier nicht vor, darüber hinaus waren mittels Tranmissionselektronenmikroskopie Viruspartikel nicht nachweisbar.
Auch kutane Mastzelltumoren können ausgeprägte eosinophile Granulozyteninfiltrate und auch herdförmige Nekrosen aufweisen. Dieser Tumor muss ebenfalls von einer solchen entzündlichen Läsion differenziert werden.
Mit Hilfe der feingeweblichen (histologischen) Untersuchung war eine eindeutige Abgrenzung des diagnostizierten eosinophilen Granuloms von den oben genannten Differentialdiagnosen möglich, so dass der Tierbesitzer in diesem Fall beruhigt werden konnte. Die Prognose des eosinophilen Granuloms ist als gut zu beurteilen.

 

Literatur:
 

  • E. Dahme, E. Weiss: Grundriss der speziellen pathologischen Anatomie der Haustiere.Enke Verlag Suttgart, 6. Auflage, 2007
  • Jubb, Kennedy, Palmer´s: Pathology of Domestic Animals; Elsevier Saunders, Volume 1, fifth edition, 2007

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart

 

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Bericht erschienen am 22.12.2010 13:06:26