Rückstande des in der EU nicht zugelassenen Insektizides Isofenphos-methyl in Paprika

Foto: halbe orange Paprikaschote.Hintergrund und Zusammenfassung

Bei Untersuchungen von Paprika aus Spanien wurden Rückstände des in der EU nicht zugelassenen Insektizids Isofenphos-methyl festgestellt. Insgesamt wurden seit Mitte November 35 Proben Paprika unterschiedlicher Herkunft auf Rückstände dieses Wirkstoffs untersucht. 9 von 15 (60%) der spanischen Proben enthielten Rückstände des Insektizids Isofenphos-methyl, wobei die Rückstandsgehalte in 6 Proben (40%) über der allgemeinen Höchstmenge von 0,01 mg/kg lagen. In weiteren 3 Proben wurden Gehalte kleiner oder gleich 0,01 mg/kg festgestellt.
In Proben anderer Herkünfte (Türkei, Niederlande, Marokko) war Isofenphos-methyl nicht nachweisbar.

 

Rechtliche Situation, Zulassungsstand

Nach den vorliegenden Informationen sind weder in Spanien noch in einem anderen EU-Mitgliedsstaat Isofenphos-methyl enthaltende Pflanzenschutzmittel zugelassen. Der Wirkstoff Isofenphos-methyl ist daher weder in Anhang 1 der EU-Richtlinie 91/414 aufgenommen, noch zur Prüfung einer möglichen Aufnahme vorgesehen.

Alle uns vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass der Wirkstoff in China hergestellt wird und ohne Zulassung und damit ohne toxikologische Bewertung nach Spanien eingeführt und angewendet wird.

In der einschlägigen Fachliteratur liegen keine Angaben zur Toxizität des Wirkstoffs Isofenphos-methyl vor. Eine toxikologische Bewertung des Rückstandsgehalts ist infolgedessen derzeit nicht möglich. Da der Wirkstoff Isofenphos-methyl zur Gruppe der neurotoxischen Phosphorsäureester gehört und der chemisch sehr ähnliche Wirkstoff Isofenphos aufgrund eines sehr niedrigen ADI von 0,001 mg/kg KG (BfR 1992, WHO 1986) eine vergleichsweise hohe Toxizität aufweist, ist von einer entsprechenden toxikologischen Relevanz des Wirkstoffs Isofenphos-methyl auszugehen. Somit können bei den Proben mit höheren Gehalten gesundheitliche Risiken nicht mit erforderlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.

 

Analytik

Ein Analysenstandard für den Wirkstoff Isofenphos-methyl ist derzeit nicht erhältlich, das CVUA Stuttgart hat deshalb die Synthese eines zertifizierten Standards vereinbart (voraussichtliche Verfügbarkeit frühestens Mitte Januar). Die quantitative Bestimmung erfolgt in Bezug auf den chemisch sehr ähnlichen Wirkstoff Isofenphos mittels Gaschromatographie aufwändig sowohl in Verbindung mit massen­spektrometrischen Bestimmungsverfahren als auch in Verbindung mit selektiven Detektoren (NPD).

Genauere Hinweise zur Aufarbeitung der Proben (QuEChERS) werden für Laboratorien im Internet (www.quechers.de) zur Verfügung gestellt. Die Massenspektren sowie das GC/NDP-Chromatogramm für Isofenphos und Isofenphos-methyl sind über folgende Links aufrufbar:

Massenspektrum Isofenphos [PDF, 112 KB]

Massenspektrum Isofenphos-Methyl [PDF, 111 KB]

GC/NPD-Chromatogramm Isophenphos und Isofenphos-Methyl [PDF, 29 KB]

 

Ausführliche Darstellung der Ergebnisse

Am CVUA Stuttgart wurden insgesamt 35 Paprikaproben aus vier Herkunftsländern auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. 15 Proben waren spanischer Herkunft, 10 Proben türkischer Herkunft, und je 5 Proben stammten aus Marokko und den Niederlanden.

Abbildung 1: Kuchendiagramm Anzahl und Herkunft der Paprikaproben.

Abbildung 1: Anzahl und Herkunft der Paprikaproben.

Rückstände des Insektizids Isofenphos-methyl wurden ausschließlich in Proben aus Spanien nachgewiesen, hier wurden in 9 Proben Rückstände festgestellt (60% bezogen auf spanische Proben), wobei die Rückstandsgehalte in 6 Proben über der allgemeinen Höchstmenge von 0,01 mg/kg lagen (40% bezogen auf spanische Proben). In weiteren 3 Proben wurden Gehalte kleiner oder gleich 0,01 mg/kg festgestellt. Tabelle 1 listet die Einzelbefunde der spanischen Paprikaproben auf.

Tabelle 1: Isofenphos-methyl-Befunde in spanischen Paprika. Stand: November/Dezember 2006

Probenart Herkunftsland Isofenphos-methyl (mg/kg) Gutachten Beanstandung
Paprika Spanien 0,1 ja HMÜ
Paprika Spanien 0,01 ja Hinweis
Paprika Spanien nb    
Paprika Spanien 0,035 ja HMÜ
Paprika Spanien 0,046 ja HMÜ
Paprika Spanien nn    
Paprika Spanien nb    
Paprika Spanien 0,025 ja HMÜ
Paprika Spanien nn    
Paprika Spanien 0,067 ja HMÜ
Paprika Spanien 0,023 ja HMÜ
Paprika Spanien nn    
Paprika Spanien 0,008 ja Hinweis
Paprika Spanien nn    
Paprika Spanien 0,005 ja Hinweis

HMÜ = Höchstmengenüberschreitung
nn = nicht nachweisbar; Nachweisgrenze = 0,001 mg/kg
nb = nicht bestimmbar, Spur

 

 

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Bericht erschienen am 20.12.2006 09:41:46