Pflanzenschutzmittelrückstände in Frischgemüse 2012 – Zusammenfassung der Rückstandsbefunde in Erzeugnissen aus konventionellem Anbau

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Carmen Wauschkuhn, Ellen Scherbaum, Kathi Hacker, Marc Wieland, Anne Wolheim, Dr. Ingrid Kaufmann-Horlacher

 

Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart insgesamt 896 Proben Gemüse aus konventionellem Anbau auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln untersucht.

Schmuckelement.

 

Tabelle 1
Rückstände in Gemüseproben aus konventionellem Anbau differenziert nach Herkunft (CVUAS 2012)
Frischgemüse
Proben
Inland
Proben
anderer
EU-Länder
Proben
Drittländer
Proben unbekannter
Herkunft
Proben
Gesamt
Anzahl Proben
348 (%)
 322 (%)
 181 (%)
 45 (%)
896
davon mit Rückständen
252 (72,4%)
282 (87,6%)
158 (87,3)
42 (93,3%)
734 (81,9)
Proben über HM
14 (4,0%)
9 (2,8%)
31 (17,1%)
3 (6,7%)
57 (6,4)
mittlerer Pestizidgehalt
0,45
1,26
0,28
0,39
0,72
mittlerer Pestizidgehalt *
0,45
0,49
0,19
0,24
0,40
mittlerer Pestizidgehalt **
0,43
1,26
0,24
0,39
0,69
mittlerer Pestizidgehalt ***
0,43
0,49
0,15
0,24
0,38
Stoffe pro Probe*
2,65
4,00
3,69
4,56
3,44

HM = Höchstmenge; * ohne Bromid, ** ohne Phosphonsäure, *** ohne Bromid/Phosphonsäure.

 

Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart insgesamt 896 Proben Frischgemüse aus konventionellem Anbau auf Rückstände von über 600 Pestiziden untersucht. 734 dieser Proben (81,9 %) wiesen Rückstände von insgesamt 219 verschiedenen Wirkstoffen auf (2011: 191 Wirkstoffe, 2010: 187 Wirkstoffe, 2009: 171 Wirkstoffe). Insgesamt wurden 3093 Rückstandsbefunde quantitativ bestimmt. Bei 57 Gemüseproben (6,4 %) wurden Rückstandsgehalte über den gesetzlich festgelegten Höchstmengen festgestellt (siehe Tabelle 1), dies stellt gegenüber dem Vorjahr einen leichten Rückgang dar (2011: 53 Gemüseproben, insgesamt 7,0%).

 

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der prozentuale Anteil an Höchstmengenüberschreitungen bei den untersuchten Proben, wie bereits in den Vorjahren, sehr stark von der Herkunft der Proben abhängt: Bei Proben aus Deutschland lag der Anteil an Höchstmengenüberschreitungen bei 4,0 %, bei Proben aus anderen EU-Ländern bei 2,8 %, die Quote bei Proben aus Drittländern lag dagegen bei 17,1 %. Im Jahr 2012 wiesen  68 % der Gemüseproben Mehrfachrückstände auf. Im Schnitt wurden 3,44 verschiedene Wirkstoffe pro Probe nachgewiesen. Der mittlere Pestizidgehalt lag bei den untersuchten Gemüseproben bei 0,40 mg/kg (ohne Bromid). In den Tabellen 2 bis 7 sind die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen bei Gemüse differenziert nach Gemüsesorten aufgeführt. In Tabelle 3 sind zusätzlich die Rückstände an nicht zugelassenen Wirkstoffen in Gemüseproben aus Deutschland dargestellt. Tabelle 8 zeigt die Häufigkeitsverteilung der nachgewiesenen Wirkstoffe und Höchstmengenüberschreitungen in konventionell erzeugtem Frischgemüse.

 

Im Jahr 2012 wurde unter anderem die Substanz Phosphonsäure neu in das Untersuchungsspektrum aufgenommen. Rückstände an Phosphonsäure können als Folge der Anwendung des fungiziden Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Fosetyl (in Deutschland im Obst- und Gemüsebau (z.B. bei Salaten, Gurken, Tomaten etc. zugelassen)) sowie durch die Anwendung eines Pflanzenstärkungsmittels auftreten. Als gesetzliche Höchstmenge ist die Summe aus Fosetyl und Phosphonsäure sowie deren Salzen festgesetzt. In Gemüseproben wurde Phosphonsäure in 6 Proben mit Gehalten zwischen 0,48 mg/kg bis 8 mg/kg nachgewiesen, der mittlere Pestizidgehalt wurde daher kaum beeinflusst.

 

Bei Gemüse deutscher Herkunft handelte es sich bei der Hälfte der Wirkstoffe, deren Gehalte oberhalb der gesetzlich festgelegten Höchstmenge lagen (9 von 18 Befunden), um Wirkstoffe, die in Deutschland allgemein oder zur Anwendung für die jeweilige Gemüseart nach den Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes nicht zugelassen waren.

 

Besonders auffällig waren im Jahr 2012 unter anderem: grüne Bohnen aus Kenia und Marokko (44 % an Höchstmengenüberschreitungen), Zucchini aus der Türkei (53,8 %), Petersilienblätter aus Deutschland (26,7 % an Höchstmengenüberschreitungen, vor allem aufgrund von Rückständen an DDAC), Rucola aus Italien und Deutschland (21 %), Zuckerschoten aus Kenia (42,9 %) sowie Chilischoten aus Thailand und Basilikum aus Thailand/Kenia (zu geringe Probenzahl für eine prozentuale Auswertung).

 

Highlights aus 2012 (siehe folgender Internetbeitrag unter www.cvuas.de):
Rückstände von quaternären Ammoniumverbindungen (QAV) in frischem Obst und Gemüse – Herkunft und Befunde (03.07.2012)

 

Bildernachweis

bunte Gemüseplatte, BettinaF, Pixelio.de, Image-ID=516021.

 

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Bericht erschienen am 08.04.2013 11:34:52