5 Jahre Bekämpfung der Pseudotuberkulose in Ziegenzuchtbeständen – Eine Bilanz

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Reinhard Sting, Dr. Birgitta Polley und Dr. Lisa Schneider-Bühl (CVUA Stuttgart), Dr. Holger Axt und Dr. Daniela Bürstel (Schafherdengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg)

 

Vor 5 Jahren startete in Baden-Württemberg ein freiwilliges Programm zur Bekämpfung der Pseudotuberkulose in Ziegenzuchtbeständen. Zeit, Bilanz zu ziehen.

 

Bekämpfung der Pseudotuberkulose in Ziegenzuchtbetrieben

Die Pseudotuberkulose ist die bedeutendste chronische bakterielle Infektionskrankheit in Ziegenherden. Hervorgerufen wird sie durch das Bakterium Corynebacterium pseudotuberculosis. Wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten für eine Heilung stehen nicht zur Verfügung, sodass die Tilgung des Erregers in einem Bestand auf der Grundlage von Bekämpfungsprogrammen erfolgen sollte. In Baden-Württemberg wurde deshalb im Jahr 2015 die Bekämpfung der Pseudotuberkulose bei Ziegen mit einem Pilotprojekt in ausgewählten Zuchtbeständen eingeleitet [1]. Dieses Projekt wurde durch Mittel des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Baden-Württemberg und der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützt und resultierte in der Aufstellung einer Richtlinie zur Bekämpfung der Pseudotuberkulose in Ziegenbeständen in Baden-Württemberg. Der Schafherdengesundheitsdienst Baden-Württemberg erstellte diese auf Bitte des Ziegenzuchtverbandes Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart sowie der Universität Hohenheim und stimmte sie mit dem MLR ab. Die Richtlinie wurde im November 2015 von der Mitgliederversammlung des Ziegenzuchtverbandes Baden-Württemberg beschlossen und ist 2016 in Kraft getreten [2].

 

Bundesweite Mindestanforderungen an Pseudotuberkulose-Überwachungsprogramme zur gegenseitigen bundesweiten Anerkennung wurden in einem Workshop am 15.03.2017 im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) Kassel erarbeitet und am 18.02.2021 aktualisiert [3]. Diese Mindestanforderungen sollen die Ausbreitung der Pseudotuberkulose über teilnehmende Betriebe bundesweit verhindern und den Tieraustausch mit benachbarten Bundesländern und dem Ausland auch zukünftig ermöglichen. In diesen Mindestanforderungen werden Maßnahmen zur Sanierung und zum Schutz der Ziegenbestände vor der Pseudotuberkulose festgelegt. Die Teilnahme am Bekämpfungsprogramm ist freiwillig. Die wichtigsten Säulen des Bekämpfungsprogramms bilden regelmäßige klinische und serologische Untersuchungen von Ziegen, die älter als ein Jahr sind, und die Entfernung der infizierten Tiere mit dem Ziel, Pseudotuberkulose-unverdächtige Bestände zu schaffen.

 

Die Diagnostik der Pseudotuberkulose wird zentral für Baden-Württemberg im DVG-Konsiliarlabor für Pseudotuberkulose im CVUA Stuttgart durchgeführt [4].

 

Infokasten

Die Pseudotuberkulose

Die Pseudotuberkulose wird durch das Bakterium Corynebacterium pseudotuberculosis hervorgerufen. Infektionen mit C. pseudotuberculosis kommen bei unseren Haustieren vor allem bei Ziegen und Schafen, aber auch Kameliden (Dromedare, Trampeltiere, Lamas und Alpakas) vor.
Die Pseudotuberkulose verursacht Abszesse in Lymphknoten und inneren Organen. Behandlungen sind aussichtslos, sodass nur mehrjährige und konsequent durchgeführte Bekämpfungsprogramme zum Erfolg führen [5].

 

Was wurde in den letzten 5 Jahren erreicht

Im CVUA Stuttgart wurden in den letzten 5 Jahren insgesamt 18339 Proben von Ziegen > 1 Jahr serologisch auf das Vorliegen von Antikörpern gegen C. pseudotuberculosis untersucht. Der Anteil serologisch positiver Ziegen, ging dabei von 4 % auf 0,6 % im Jahr 2020 zurück (s. Tabelle).

 

Entscheidend für den Erfolg des Pseudotuberkulose-Sanierungsprogramms ist die Anzahl der Ziegenbestände, denen der Status „Pseudotuberkulose unverdächtiger Bestand“ zuerkannt werden kann. Nur Tierbestände, in denen sämtliche Untersuchungsergebnisse (klinische und serologische Untersuchungen) gemäß Richtlinie mit negativem Ergebnissen ausfallen, erhalten den Status „Pseudotuberkulose unverdächtiger Bestand“. Die Anzahl der teilnehmenden Ziegenzuchtbestände, denen der Status "Pseudo-Tb unverdächtig" zuerkannt wurde, ist erfreulicherweise deutlich von ca. 25 % zu Beginn des Sanierungsprogramms 2016 auf über 96 % fünf Jahre später im Jahr 2020 angestiegen.

 

Untersuchungen von Ziegen auf Pseudotuberkulose
   
2016
2017
2018
2019
2020
Summe
Anzahl serologischer Untersuchungen mittels ELISA (1) positiv
52
(2,2 %)
143
(4,0 %)
48
(1,1 %)
75
(2,0 %)
24
(0,6 %)
342
negativ und fraglich
2304
(97,8 %)
3431
(96,0 %)
4341
(98,9 %)
3660
(98,0 %)
4261
(99,4 %)
17997
Gesamtanzahl serologischer Untersuchungen mittels ELISA(1)
2356
3574
4389
3735
4285
18339
Anzahl Bestände, mit dem Status (2) Pseudo-Tb unverdächtig
17
(25,8 %)
56
(70,0 %)
66
(83,5 %)
66
(94,3 %)
54
(96,4 %)
 
Nicht Pseudo-Tb unverdächtig
49
(74,2 %)
24
(30,0 %)
13
(16,5 %)
4
(5,7 %)
2
(3,6 %)
 
Anzahl auf Pseudo-Tb untersuchter Bestände (3)
66
66
79
70
56
 
Anzahl Herdbuchbetriebe im ZZV Baden-Württemberg e.V. (3)
157
157
144
138
127
 

Quellen:
(1) CVUA Stuttgart
(2) Ziegenzuchtverband (ZZV) Baden-Württemberg e.V.
(3) 2016–2020 Mitgliederliste von Bernd Haug

 

Dieser Erfolg ist durch regelmäßige klinische und serologische Untersuchungen ermöglicht worden, welche durch die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg finanziell unterstützt wurden.

 

Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass die Pseudotuberkulose-Sanierung von Ziegenbeständen innerhalb von 5 Jahren deutliche Erfolge aufweist. Wichtig ist es deshalb, dass die Untersuchungsintervalle für klinische und serologische Untersuchungen weiterhin konsequent und nachhaltig gemäß der Richtlinie eingehalten und Vorsorgemaßnahmen, sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen, die gegen eine Einschleppung der Pseudotuberkulose gerichtet sind, beachtet und umgesetzt werden [2,3,5].

 

Die Anzahl der Betriebe, die zu Beginn des Sanierungsprogramms teilgenommen hatten, hat leider um 30 % von 80 auf 56 abgenommen. Wichtig ist es, dass sich noch mehr Ziegenzuchtbetriebe dem Pseudotuberkulose-Sanierungsprogramm anschließen, um die Pseudotuberkulose in Ziegenbeständen noch weiter zurückdrängen zu können.

 

Quellen

[1] Sting R, Schneider-Bühl L, Wagner H, Maget J, Polley B, Bürstel D, Axt H, 2017. Clinical and serological investigations on caseous lymphadenitis in goat breeding herds in Baden-Wuerttemberg. Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 130, 136–143. DOI-Nummer: 10.2373/0005-9333-13024

 

[2] Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg, 2016. Richtlinie des Ziegenzuchtverbandes Baden-Württemberg zur Bekämpfung der Pseudotuberkulose in Ziegenbeständen.

 

[3] DVG, 2021. Mindestanforderungen an Pseudotuberkulose-Überwachungsprogramme (zur gegenseitigen bundesweiten Anerkennung). Erarbeitet in einem Workshop am 15.03.2017 im LHL Kassel, ergänzt am 18.02.2021 nach Konsultationen innerhalb der DVG-Fachgruppe „Krankheiten kleiner Wiederkäuer“.

 

[4] Sting R, Polley B, Schneider-Bühl L., Rau J (2020). Konsiliarlabor für Corynebacterium pseudotuberculosis ‒ Aufgaben und Herausforderungen. Deutsches Tierärzteblatt, Ausgabe (7) 68.

 

[5] Infoblatt: Pseudotuberkulose (PseudoTb) bei der Ziege des Tiergesundheitsdienstes der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg. Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg.

 

 

Artikel erstmals erschienen am 09.11.2021