Lungenwürmer beim Hund – eine tödliche Gefahr auch in Baden-Württemberg

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Christine Süß-Dombrowski, Fachtierärztin für Pathologie

 

Lungenentzündungen durch Lungenwürmer beim Hund sind in Baden-Württemberg selten. Bis jetzt! Doch nun tauchte ein Fall bei uns auf, der befürchten lässt, dass noch viele andere Hunde von dieser schweren Erkrankung betroffen sein können. Ein junger Hund ist an einer schweren Entzündung der Lunge durch Angiostrongylus vasorum verendet.

 

Im Januar dieses Jahres erhielten wir einen jungen Belgischen Schäferhund zur Feststellung der Todesursache. Der Besitzer berichtete, dass der Hund müde war sowie leichten Durchfall und Erbrechen hatte. Beim Tierarzt wurde der Hund zunächst wegen des Verdachts auf einen Infekt des Magendarmkanals behandelt. Die geplante Wiedervorstellung am nächsten Tag war nicht mehr möglich. Das Tier war in der folgenden Nacht überraschend verendet.

 

Sektionsbefund

Bei der Sektion des Tieres stellten wir fest, dass der Hund sehr gut genährt und gepflegt war. In beiden Lungen waren die Zwerchfelllappen zu etwa einem Drittel dunkelrot verfärbt sowie gegenüber dem gesunden Lungengewebe verdichtet und deutlich erhaben. Das kranke Lungengewebe war im Anschnitt durchsetzt von zahlreichen derben braungrünen Knoten. Das Brustfell der Lunge war lokal herdförmig milchig getrübt. In den Atemwegen fanden wir keine Beläge oder Würmer. Sowohl im Dünndarm als auch im Enddarm waren nur Spuren von braunrotem Schleim.

 

Weitere Befunde konnten auf Grund von Gefrierartefakten nicht sicher erhoben werden, insbesondere nicht am Herzen. Die Untersuchung auf das Canine Parvo-Virus ist negativ verlaufen.

 

Abbildung 1: Lunge, Entzündung.

Abbildung 1: Lunge, Entzündung

 

Abbildung 2: Lunge, Entzündung und knotige Verdichtung.

Abbildung 2: Lunge, Entzündung und knotige Verdichtung

 

Histologischer Befund

In der Lunge konnte eine hochgradige Entzündung festgestellt werden. Zahlreiche Lungenwurmlarven waren in vielen Lokalisationen zu finden. Örtlich war das Lungengewebe tumorartig solide verdichtet und enthielt keine luftgefüllten Lungenbläschen mehr. In anderen Lokalisationen konnte zwischen den Lungenbläschen ein charakteristisches Verteilungsbild der Entzündung mit hochgradiger Manschettenbildung um die Blutgefäße festgestellt werden. Eosinophile Granulozyten waren zwar zu finden, doch insgesamt überwogen lymphohistiozytäre Infiltrate und die Verdickung kleiner Lungenarterien. Viele Lungenarterien waren thrombosiert und entzündet.

 

Abbildung 3: Lunge, thrombosierte Blutgefäße mit Entzündung des Lungegewebes.

Abbildung 3: Lunge, thrombosierte Blutgefäße mit Entzündung des Lungegewebes

 

Abbildung 4: Lunge, larvenhaltige Knötchen.

Abbildung 4: Lunge, larvenhaltige Knötchen

 

Abbildung 5: Lunge, Larvenanschnitte.

Abbildung 5: Lunge, Larvenanschnitte

 

Infokasten

Die Angiostrongylose des Hundes

Angiostrongylus vasorum (A. vasorum) ist ein Fadenwurm, der vorwiegend Füchse und Hunde befällt. Der erwachsene Wurm ist zwischen 14 mm und 25 mm groß, lebt im Gefäßstamm der Lungenarterien oder in der rechten Herzkammer. Dort setzt das Weibchen Eier ab, die in großer Zahl mit dem Blut in die Kapillaren der Lungen gelangen. Dort bleiben die Eier in den kleinen Arterien stecken und entwickeln sich weiter zur Larve. Sie verursachen eine Gefäßwandentzündung mit Thromben sowie eine schwere charakteristische Entzündung aller Lungengewebsstrukturen. Knoten bilden sich aus, die bis zu walnussgroß werden können. Die Larve wird hochgehustet, ab geschluckt und verlässt mit dem Kot den Hund. In Landschnecken entwickelt sie sich weiter zu einer infektiösen Larve. Diese wird vom Hund entweder mit der Schnecke gefressen oder wird als freie Larve aufgeleckt, wenn sie die tote Schnecke verlassen hat.

 

Krankheitsbild: Nach einer Inkubationszeit von einigen Monaten bis Jahren fallen die Hunde durch ein gestörtes Allgemeinbefinden mit Fieber, schneller Ermüdbarkeit, Appetitmangel, Erbrechen, Husten, Atembeschwerden oder Nasenausfluss auf. Beim Tierarzt können sie Kreislaufstörungen mit erhöhtem Puls, Herzbeutelerguss, Herzdilatation und Blutveränderungen (Eosinophilie, Leukozytose, Erytropenie, Hypalbuminaemie) zeigen. Akute sehr schnelle Verlaufsformen sind nach massiven Infektionen möglich. Als Folge der hochgradigen Lungenentzündung kann eine schwere Blutgerinnungsstörung (Verbrauchskoagulopathie) eintreten. Diese Hunde verenden schnell und plötzlich an einer Herzdilatation.

 

Prognose: Ohne Behandlung kann die Angiostrongylose des Hundes tödlich enden. Eine Behandlung ist im frühen Stadium möglich. Milde Verlaufsformen werden ebenfalls berichtet.

 

Diagnose: Röntgenuntersuchung der Lunge und parasitologischer Larvennachweis im Kot, möglichst aus einer Sammelkotprobe von drei Tagen.

 

Verbreitung: In Europa kommt A. vasorum endemisch beim Rotfuchs vor. In diesen Gebieten sind Hunde einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Bekannte Endemiegebiete sind Südfrankreich, England (Cornwall, Wales), Dänemark (nördlich von Kopenhagen), Italien, Ungarn, Schweiz, aber auch Süddeutschland.

 

Der Besitzer des Belgischen Schäferhundes versicherte uns, dass er den Welpen in Baden-Württemberg gekauft habe und mit ihm nie im Ausland war. Der Hund hatte Auslauf im eigenen Garten, wurde ins Gelände ausgeführt und schlief im Haus des Besitzers. Wir gehen daher davon aus, dass sich der erst ein Jahr alte Hund am Wohnort seiner Besitzer, im Raum Pforzheim, angesteckt hat.

 

Schlussfolgerung

Unser Fall hat gezeigt, dass die Angiostrogylose beim Hund dramatisch schnell und tödlich verlaufen kann. Bei geschwächten Hunden mit und ohne Atembeschwerden sollte daher auch dann, wenn der Hund Baden-Württemberg nie verlassen hat, an eine Herzgefäß- und Lungenwurminfektion gedacht werden und eine entsprechende Diagnostik durchgeführt werden (s. Info-Kasten). Für alle gesunden Hunde empfehlen wir mindestens einmal jährlich eine parasitologische Kontrolluntersuchung einschließlich einer Untersuchung auf Lungenwurmlarven.

 

Links

[1] Angiostrongylose bei Füchsen in Oberschwaben

 

Quellen

[1] Schnieder Thomas: Veterinärmedizinische Parasitologie

[2] Jubb, Kennedy, Palmer: Pathology of Domestic Animals

[3] McGavin Zachari: Pathologie der Haustiere

 

 

Bericht erschienen am 29.02.2016 09:18:22