Beerenstark: die heimische Erdbeersaison ist eröffnet

Silvia Zechmann und Natalie Eisenhardt

 

Endlich ist es wieder so weit. Egal ob im Laden gekauft oder beim Obststand an der Ecke, Groß und Klein freuen sich gleichermaßen über die ersten aromatischen Erdbeeren aus der Region. Aber wie kommt es eigentlich, dass wir sie bereits so früh im Jahr genießen können? Wie sieht es zudem mit der Pestizidbelastung der leckeren Beeren aus? Und sind sie das überhaupt, „Beeren“? Ist es darüber hinaus unbedenklich, sich seinen frischen Markteinkauf in Zeitungspapier einwickeln zu lassen? Kleine und große Fragen und ihre Antworten, rund um eine der beliebtesten Obstsorten Deutschlands.

 

Foto: frische Erdbeeren in Pappmaché-Schalen.

Abbildung 1: frische Erdbeeren; Foto: Couleur, Pixabay.

 

Dass Erdbeeren mehr mit Nüssen zu tun haben, als wir vielleicht zunächst vermuten, ist nicht ganz unbekannt. Tatsächlich handelt es sich bei der Erdbeere aus botanischer Sicht wider Erwarten nicht um eine Beere, sondern um eine sogenannte „Sammelnussfrucht“. Die kleinen, gelbgrünen „Kernchen“ auf dem roten Fruchtfleisch der Erdbeere (s. Abb. 2) stellen dabei die Nüsse dar. Das rote „Fruchtfleisch“ der Erdbeere bildet sich aus dem angeschwollenen Blütenboden der Erdbeerpflanze, der sich bei der Reife rot verfärbt, fleischig sowie saftig und süß wird.

 

Foto: halbierte und ganze frische, reife Erdbeere.

Abbildung 2: halbierte und ganze frische, reife Erdbeere; Foto: Robert Owen-Wahl, Pixabay.

 

Im Vergleich zu anderen Obstsorten stehen Erdbeeren mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 3,3 kg pro Person und Jahr in Deutschland an vierter Stelle der Beliebtheitsskala (s. Abb.3 ). Ganz vorne beim jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch liegen hingegen Äpfel (21 kg), mit einigem Abstand gefolgt von Bananen (12 kg) und Trauben (4,7 kg) . Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Trauben ist dabei nur geringfügig höher als der von Erdbeeren, was die große Beliebtheit der saftig, süßen Früchte unterstreicht. Denn im Gegensatz zu Äpfeln, Bananen und Trauben ist das Angebot für Beeren das Jahr über nicht gleichbleibend groß. Kurzum, die Zeit in der die leckeren Beeren Saison haben, wird von den Verbrauchern gut genutzt.

 

Balkendiagramm.

Abbildung 3: Die fünf beliebtesten Obstsorten in Deutschland gemäß den vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2024/2025 .

 

Deutsche Erdbeeren bereits ab Mitte April

Wann die ersten Erdbeeren bei uns reif genug für die Ernte sind, bestimmt nicht nur das Wetter oder unser Klima. Die Art des Anbaus aber auch die Wahl der Pflanzensorten sind entscheidend. Der traditionelle, strohunterlegte Feldanbau mit teilweise mehrjährigen Erdbeerpflanzen ist dabei nur eine mögliche Anbauweise.

 

Wer hierzulande bereits früh ernten will, aber nicht über (beheizbare) Gewächshäuser oder Folientunnel verfügt, nutzt Folien oder Vlies zum Abdecken der Pflanzen. Zusätzlich zu Folie oder Vlies werden zudem häufig sogenannten Frigopflanzen verwendet. Das sind Erdbeerpflanzenableger, die eingefroren gehandelt und kurz vor der gewünschten Pflanzzeit flexibel wieder aufgetaut werden . Etwa 8 Wochen nach der Pflanzung, und damit relativ zeitnah, kann bereits mit einer ersten Ernte gerechnet werden. Allerdings gibt es verschiedene Ansätze bei der Verwendung der Frigopflanzen. Wird etwa durchgängig bis Mai gepflanzt, kann durch den Einsatz von Frigopflanzen die reguläre Erdbeersaison z. T. sogar bis Ende September verlängert werden .

 

Auch die Wahl der Erdbeersorten beeinflusst die Erntezeit und -dauer. So sind gerade die besonders aromatischen Sorten „Clery“ oder „Lambada“ als frühe, einmaltragende Erdbeersorten beliebt, was sich an den regionale Erdbeerständen zeigt. Mittelfrühe Sorten wie z. B. „Sonata“ oder „Symphony“ und die späten Erdbeersorten „Malwina“ oder „Florence“ können folgen .

 

Bei importierten Erdbeeren z. B. aus Spanien oder Italien werden in der Regel andere Erdbeersorten bevorzugt. Neben Reifezeit, Ertrag, Aroma und Aussehen ist hier insbesondere auch die Transportfähigkeit ein entscheidender Faktor bei der Sortenwahl. Die Früchte sollen schließlich möglichst unbeschadet von den Feldern bis in die Supermärkte in Deutschland gelangen. Da Erdbeeren klimakterische Früchte sind und nach der Ernte nicht mehr nachreifen, werden entsprechend Pflanzensorten gewählt, die festere und weniger empfindliche Früchte bilden. In den vergangenen Jahren wurden etwa 40 % der in Deutschland verkauften Erdbeeren auch in Deutschland angebaut, die restlichen 60 % wurden importiert . Im Übrigen werden Erdbeeren für die Weiterverarbeitung z. B. in Joghurt oder für die Herstellung von Konfitüren meist nicht frisch sondern beispielsweise tiefgekühlt gehandelt. Dies vereinfacht den Transport der mitunter aus dem weit entfernten Ausland stammenden Erdbeeren.

 

Pestizidrückstandsbelastung in frischen Erdbeeren

Im Jahr 2025 wurden am CVUA Stuttgart 65 frische Erdbeerproben aus konventionellem Anbau auf Pestizidrückstände untersucht. Zwei Drittel der Proben (66 %) stammten dabei aus Deutschland, ein Drittel (34 %) aus dem europäischen Ausland, größtenteils aus Spanien (22 %).

 

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zu Pestizidrückstände in den 65 frischen Erdbeerproben sind positiv zu bewerten. Einzig in einer der untersuchten Proben wurden die gesetzlichen Höchstmengen für zwei Pestizidwirkstoffe überschritten.

 

Damit wurden die Höchstmengen für Pestizidrückstandsgehalte in Erdbeeren in 98,5 % aller Proben eingehalten und nur in 1,5 % der untersuchten Proben überschritten. In beiden Fällen der Höchstmengenüberschreitungen handelt es sich bei den Pestizidwirkstoffen um gegen Pilze wirksame Fungizide (hier: Captan und Dodin).

 

Tatsächlich sind Fungizide die häufigste Art von Pestiziden, die in Pflanzenschutz­formulierungen bei Erdbeerpflanzen angewendet werden (s. Abb. 4 und 5). Sie sollen etwa Blätter oder Wurzeln, aber auch Früchte vor Pilzbefall schützen (z. B. vor Erdbeermehltau oder verschiedenen Arten von Fruchtfäule). Gerade bei feuchten Witterungsbedingungen sind Erdbeerpflanzen und -früchte anfällig für Pilzbefall. Da Deutschland im Vergleich zu beispielsweise Spanien ein deutlich feuchteres Klima aufweist, kommen Fungizide hierzulande entsprechend auch in größerem Ausmaß zum Einsatz. Dadurch ergibt sich für Erdbeeren aus Deutschland ein leicht höherer mittlerer Pestizidgehalt als für Erdbeeren aus dem EU-Ausland (s. Tab. 1). Erdbeeren gelten insgesamt als empfindliche Früchte, die unter anderem leicht Druckstellen bekommen. Fungizide können auch bewirken, dass Früchte mit Druckstellen weniger schnell verderben.

 

Die Anzahl verschiedener Pestizide in den untersuchten Erdbeerproben lag für die deutschen Proben mit durchschnittlich etwa sechs enthaltenen Pestiziden etwas niedriger als bei den Proben aus dem EU-Ausland. Diese wiesen durchschnittlich etwa sieben verschiedene Pestizide auf (s. Tab. 1). Nur zwei der 65 untersuchten Proben aus konventionellem Anbau wiesen keine Pestizidrückstände auf (3 % der Proben).

 

Erdbeeren aus ökologischem Anbau, bei dem der Einsatz von Pestiziden nicht erlaubt ist, machen in Deutschland nur einen geringen Marktanteil aus. Daher ist die Anzahl der am CVUA Stuttgart untersuchten Erdbeerproben aus ökologischem Anbau ebenfalls geringer. Auf Grund der niedrigen Probenanzahl von vier Erdbeerproben aus ökologischem Landbau im Jahr 2025 und der damit verbundenen mangelnder Aussagekraft wurde in diesem Fall von einer detaillierteren Auswertung abgesehen. Es kann jedoch berichtet werden, dass in keiner der untersuchten Erdbeerproben aus ökologischem Landbau nennenswerte Pestizidrückstände festgestellt wurden.

 

Balkendiagramm.

Abbildung 4: Häufigkeit von Pestiziden der im Jahr 2025 untersuchten Erdbeerproben aus Deutschland, angegeben in % Proben mit positivem Nachweis.
F = Fungizid; I = Insektizid; A = Akarizid

 

Balkendiagramm.

Abbildung 5: Häufigkeit von Pestiziden der im Jahr 2025 untersuchten Erdbeerproben aus dem EU-Ausland, angegeben in % Proben mit positivem Nachweis.
F = Fungizid; I = Insektizid; A = Akarizid

 

Tabelle 1: Pestizidrückstände der in 2025 untersuchten Erdbeeren aus konventionellem Anbau
Erdbeerproben aus konventionellem Anbau
Anzahl verschiedener Pestizide*
Anzahl der Proben
Anzahl der Pestizide pro Probe*
Mittlerer Pestizidgehalt der Proben**
Proben aus Deutschland
37
43 (66 %)
6,2
0,62 mg/kg
Proben aus dem 
31
22 (34 %)
6,8
0,31 mg/kg
EU-Ausland 
Proben insgesamt
49
65 (100 %)
6,4
0,52 mg/kg

* inkl. Phosphonsäure
** ohne Phosphonsäure

 

Transportverpackung: Zeitungspapier

Wie ist es nun zu bewerten, wenn auf dem Markt Erdbeerschalen für den Transport in Zeitungspapier eingewickelt werden? Könnten dabei bedenkliche Stoffe aus dem Papier oder den Druckfarben auf die Erdbeeren übergehen?

 

Grundsätzlich ist so ein Übergang (Migration) tatsächlich denkbar. In Zeitungen können – vor allem durch den Einsatz von Recyclingpapier und Druckfarben – verschiedene Stoffe enthalten sein, z. B. Bisphenol A (BPA), Mineralölbestandteile (MOSH/MOAH), Weichmacher (z. B. Phthalate) oder Lösungsmittel für Farbstoffe (z. B. Diisopropylnaphthalin (DIPN)).

 

Viele dieser Stoffe sind fettliebend (lipophil) und lösen sich eher schlecht in Wasser. Da Erdbeeren größtenteils aus Wasser bestehen, ist ein starker Übergang ins Fruchtinnere nicht zwingend zu erwarten. Allerdings können solche Stoffe an der Oberfläche haften und unter bestimmten Bedingungen dennoch ins Lebensmittel übergehen.

 

Für eine erste Einschätzung wurde eine kleine Versuchsreihe mit einer begrenzten Anzahl an Proben durchgeführt: Drei Schalen frischer Erdbeeren wurden jeweils in unterschiedliche Zeitungen (einmal eine Tageszeitung, zweimal je ein Werbeprospekt) eingewickelt und für vier Stunden bei Raumtemperatur gelagert. Eine weitere Schale diente als Vergleich und wurde ohne Zeitungspapier aufbewahrt. Bei der anschließenden Untersuchung konnte trotz unseres vielseitigen Stoffspektrums, das die oben angeführten Bereiche umfasst, kein Übergang von Stoffen auf die Erdbeeren festgestellt werden. Der Versuch lieferte somit keine Hinweise darauf, dass unter den genannten Bedingungen Stoffe aus dem Papier auf die Erdbeeren übergehen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Versuch nur in sehr kleinem Umfang durchgeführt wurde und das Ergebnis daher nicht als repräsentativ anzusehen ist. Bei anderen Lebensmitteln, insbesondere bei fettreicheren Produkten, bei denen ein Übergang lipophiler Stoffe eher möglich ist, oder aber mit anderen Zeitschriften kann das Ergebnis anders ausfallen. Auch die Dauer des Kontakts spielt eine Rolle: Je länger Lebensmittel eingewickelt sind, desto eher kann es zu einem Stoffübergang kommen.

 

Daher ist es sinnvoll, die Erdbeeren zu Hause möglichst bald wieder aus dem Zeitungspapier auszuwickeln. Unabhängig davon gilt: Obst sollte vor dem Verzehr immer gründlich mit Wasser gewaschen werden. So lassen sich nicht nur manche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, sondern auch andere möglicherweise anhaftende Verunreinigungen zumindest teilweise entfernen.

 

Quellen

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Tabelle über die Versorgung mit Obst nach Arten, abgerufen am 09.04.2026.

 

Neri Davide, Baruzzi Gianluca, Massetani Francesca, and Faedi Walther. 2012. Strawberry production in forced and protected culture in Europe as a response to climate change. Canadian Journal of Plant Science. 92(6): 1021–1036, abgerufen am 09.04.2026.

 

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dr. Gabriele Krieghoff, Erhalt und Ausbau der wirtschaftlichen Effizienz im regionalen Erdbeeranbau, Regionaler Erdbeeranbau, Schriftenreihe, Heft 20/2021; abgerufen am 09.04.2026.

 

Bundessortenamt, Sortenliste Erdbeeren von 2015, abgerufen am 09.04.2026.

 

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Statistischen Bundesamte, Tabelle über die Versorgung mit Obst nach Arten, abgerufen am 09.04.2026.

 

 

Artikel erstmals erschienen am 04.05.2026