Mandarinen – Schälen, waschen, genießen

Hanna Dias, Kathi Hacker

 

Zahlreiche Artikel empfehlen, nach dem Schälen von Mandarinen die Hände zu waschen oder die Zitrusfrüchte vor dem Verzehr abzuspülen. Doch gelingt das auch im Alltag? Und warum ist diese Maßnahme gerade bei diesen Früchten besonders sinnvoll? Dass sich der Gang zum Waschbecken vor dem Genuss der süßen Früchte für die Gesundheit lohnt, belegt das CVUA Stuttgart nun mit Fakten. Wir haben 12 Mandarinen aus konventionellem Anbau mit und ohne Schale auf Pestizidrückstände untersucht. Die Ergebnisse geben den zahlreichen Ratgebern recht – Das Hände waschen nach dem Schälen lohnt sich!

 

Mandarinen mit und ohne Schale.

Abbildung 1: Mandarinen – mit und ohne Schale

 

Was auf und in der Frucht landet

Pestizide unterscheiden sich in ihrer Anwendung und Wirkungsweise. Sogenannte systemischen Wirkstoffe werden über die Wurzel oder Blätter der Pflanze aufgenommen und in der gesamten Pflanze bzw. in der Frucht verteilt. Diese Wirkstoffe dringen in das Gewebe ein und lassen sich daher durch Waschen nicht entfernen. Nicht-systemische Pestizide wirken hingegen an der Oberfläche. Dabei handelt es sich z. B. um Kontaktgifte, die äußerlich auf die Pflanze aufgebracht werden. Sie verbleiben überwiegend auf der Schale.

 

Neben den während des Anbaus eingesetzten Pflanzenschutzmitteln werden Mandarinen häufig zusätzlich nach der Ernte behandelt. Diese sogenannten Nacherntebehandlungsmittel dienen dazu, die Früchte während Transport und Lagerung vor Verderb zu schützen. Nicht-systemische Pestizide und Nacherntebehandlungsmittel können durch gründliches Waschen mit lauwarmem Wasser zumindest teilweise entfernt werden.

 

Zum Schutz vor Schimmelbildung und Feuchtigkeitsverlust werden Zitrusfrüchte außerdem häufig gewachst, meist in Kombination mit Nacherntebehandlungsmitteln. Typische Nacherntebehandlungsmittel sind die Fungizide Imazalil, Thiabendazol, Orthophenylphenol und Pyrimethanil.

 

Nach der Ernte behandelt – wie erkenne ich das?

Bei verpackten Mandarinen müssen eine Nacherntebehandlung sowie eine eventuelle Wachsbeschichtung gekennzeichnet werden, zum Beispiel durch Hinweise wie „konserviert mit …“ und „gewachst“. Bei losen Mandarinen befinden sich diese Angaben gegebenenfalls auf der Transportkiste im Supermarktregal (z. B. auf dem Pappkarton), sofern die Früchte noch in ihrer ursprünglichen Verpackung angeboten werden. Auf dem Schild direkt an der Ware muss bei losen Mandarinen lediglich angegeben werden, ob eine Konservierung mit dem Stoff Thiabendazol erfolgt ist und ob die Früchte gewachst wurden. Andere Nacherntebehandlungsmittel müssen auf dem Warenschild auf Grund einer anderen Rechtsgrundlage hingegen nicht gesondert kenntlich gemacht werden.

 

Infokasten

Was gilt bei Bio?

Im ökologischem Anbau ist weder der Einsatz von chemisch-synthetischen Pesitziden noch eine Nacherntebehandlung erlaubt.

Zum Wachsen der Zitrusfrüchte darf im ökologischem Anbau Bienenwachs und Carnaubawachs verwendet warden. Dies muss durch die Angabe “gewachst” gekennzeichnet werden.

 

Untersuchungsergebnisse

Im Herbst 2025 hat das CVUA Stuttgart 12 Mandarinenproben aus konventionellem Anbau auf Pestizidrückstände und Kontaminanten untersucht. Dabei wurden die Proben geteilt und einmal als Gesamt-Frucht (Schale und Fruchtfleisch) und einmal als geschälte Mandarine (Fruchtfleisch) untersucht.

 

In der gesamten Frucht liegt der mittlere Rückstandsgehalt bei 3,0 mg/kg, im Fruchtfleisch dagegen bei 0,31 mg/kg (jeweils ohne das Fungizid Phosphonsäure). Rund 90 % der Pestizide befinden sich also auf der Schale, im Fruchtfleisch sind es dagegen nur ca. 10 %. Insgesamt ist die mittlere Anzahl der gefunden Stoffe im Fruchtfleisch (7 Stoffe) im Vergleich zu der gesamten Frucht (12,5 Stück) ebenfalls geringer.

 

Balkendiagram: Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen (Summe aller Rückstände ohne Phosphonsäure) in der gesamten Frucht und im Fruchtfleisch.

Abbildung 2: Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen (Summe aller Rückstände ohne Phosphonsäure) in der gesamten Frucht und im Fruchtfleisch. Durch z. T. vergleichsweise hohe Gehalte an Phosphonsäure wird der mittlere Pestizidgehalt pro Probe stark beeinflusst. Deswegen wird hier der mittlere Pestizidgehalt ohne Phosphonsäure angegeben. In Anlage 1 sind die Gehalte jedoch aufgeführt.

 

Die Gehaltsverteilung von systemischen Wirkstoffen und Nacherntebehandlungsmitteln in der Frucht wird beispielhaft anhand von Spirotetramat einem systemischen Wirkstoff und dem Nacherntebehandlungsmittel Imazalil deutlich. Bei dem Wirkstoff Spirotetramat sind die Gehalte in der gesamten Frucht und im Fruchtfleisch gleich. Bei dem Nacherntebehandlungsmittel Imazalil ist verglichen mit der ganzen Frucht nur ein Fünftel des Rückstandsgehaltes im Fruchtfleisch zu finden.

 

Balkendiagram: Gehalte an Spirotetramat und Imazalil in der gesamten Frucht und im Fruchtfleisch.

Abbildung 3: Gehalte an Spirotetramat (systemischer Wirkstoff) und Imazalil (Nacherntebehandlungsmittel) in der gesamten Frucht und im Fruchtfleisch.

 

Zusätzlich zu den 12 konventionellen Mandarinenproben wurde eine Mandarine aus ökologischem Anbau untersucht. In der Bio-Probe konnten wir weder in der Schale noch im Fruchtfleisch bestimmbare Rückstände nachweisen.

 

Fazit

Bei Mandarinen werden häufig Nacherntebehandlungsmittel eingesetzt, die sich auf der Schale befinden. Die Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen sind in der gesamten Frucht (Schale und Fruchtfleisch) etwa zehnmal höher als im reinen Fruchtfleisch.

 

Damit der Genuss von Mandarinen ungetrübt bleibt, empfiehlt auch das CVUA Stuttgart, sich nach dem Schälen die Hände zu waschen. So lässt sich vermeiden, dass an der Schale haftende Pestizidrückstände auf das Fruchtfleisch übertragen und somit mitverzehrt werden. Außerdem ist es sinnvoll, die Früchte vor dem Verzehr mit lauwarmem Wasser abzuwaschen. Auf diese Weise können zumindest Teile der Rückstände bereits vor dem Schälen entfernt werden.

 

Im ökologischen Anbau ist der Einsatz von Pestiziden weder während des Anbaus noch bei der Nacherntebehandlung erlaubt. Wer den Verzehr von Pestizidrückständen möglichst vermeiden möchte, sollte daher beim Einkauf zu Bio-Mandarinen greifen.

 

Anlage

Anlage 1: Übersicht der Befunde an Pflanzenschutzmittelrückständen in 12 Proben konventionell erzeugter Mandarinen/Clementinen/Satsumas (CVUAS 2025)

 

Bildernachweis

Anne Benkenstein

 

 

Artikel erstmals erschienen am 05.03.2026