Melonen – ein Genuss (nicht nur) im Sommer

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Leonie Moser

 

Melonen sind besonders im Sommer bei Jung und Alt eine beliebte Erfrischung. Zwischen Wassermelonen und den verschiedenen Sorten der Zuckermelonen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Unsere Untersuchungen von 135 Proben der Jahre 2016 bis 2020 zeigen, dass man Melonen ohne Sorge vor der Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen genießen kann.

 

Rund um die Melone

Bei heißem Wetter im Sommer sind Melonen eine beliebte Erfrischung. So werden 87 % der Melonen in den warmen Monaten Juni bis September verzehrt [1]. In jedem Jahr werden in Deutschland pro Haushalt gut 6 kg Melonen verzehrt, wobei knapp 60 % aller Haushalte in Deutschland mindestens 1 mal pro Jahr eine Melone kaufen [1].

Melonen werden meist als Obst bezeichnet, sie zählen jedoch zum Fruchtgemüse und gehören wie Kürbis und Gurke zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitacuae). Es wird unterschieden zwischen Wassermelonen (Citrullus lanatus) und Zuckermelonen (Curcumis melo) [2].

 

Wassermelone (Citrullus lanatus)

Abbildung1 : Fotos einer ganzen Wassermelone sowie Melonensegmenten mit gelbem und rotem Fruchtfleisch.

Abbildung 1: Wassermelone mit gelbem und rotem Fruchtfleisch

 

Wassermelonen mögen einen sonnigen und feuchten, aber nicht nassen Standort. Die Pflanze ist nicht frosthart, der Anbau gestaltet sich in gemäßigtem Klima daher aufgrund der langen Reifezeit der Früchte schwierig [3]. Allerdings experimentieren einige Bauern in Deutschland seit kurzem mit dem Anbau [4].

Wassermelonen machen mit 104 Mio. Tonnen (2018) den größten Teil der weltweiten Produktion an Melonen aus. Nach Deutschland werden jährlich 410.000 Tonnen importiert, wobei der größte Teil aus Spanien stammt (280.000 Tonnen) gefolgt von Italien (81.000 Tonnen). Geringere Mengen stammen aus der Türkei und Südamerika (Brasilien und Costa Rica) [1, 5].

Wassermelonen sollten nicht bei Temperaturen unter 10 °C gelagert werden. Außerdem reagieren sie empfindlich auf Ethylen, eine Lagerung mit reifem Obst wie Äpfeln oder Bananen ist daher nicht empfehlenswert, das Fruchtfleisch der Melone wird dann weich und mehlig [6].

Wassermelonen enthalten 90 % Wasser und 8 % Kohlenhydrate sowie geringe Mengen an Fett und Proteinen. Aufgrund des hohen Wassergehalts und mit nur 37 kcal pro 100 g sind Wassermelonen kalorienarm und daher im Sommer zur Erfrischung und als Durstlöscher geeignet [6,7].

 

Zuckermelonen (Curcumis melo)

Abbildung 2: Fotos einer ganzen Cantaloupe-Melone (C.melo cantalupensis) sowie eines Melonensegments.

Abbildung 2: Cantaloupe-Melone (C.melo cantalupensis)

 

Zu den Zuckermelonen gehören eine Vielzahl an Sorten, unter anderem die Cantaloupe-, Netz- und Honigmelone, aber auch unbekanntere Sorten wie die Charentais- und die Futoro-Melone.

 

Abbildung 3: Fotos einer ganzen Charantais Melone sowie eines Melonensegments.

Abbildung 3: Charantais Melone: die kleine europäische Form der Cantaloupe-Melone

 

Abbildung 4: Fotos einer ganzen Netzmelone sowie eines Melonensegments.

Abbildung 4: Netzmelone

 

Im Jahr 2018 wurden weltweit 27 Mio. Tonnen Zuckermelonen produziert. Nach Deutschland importiert wurden 130.000 Tonnen, auch hier stammt wie bei der Wassermelone der größte Anteil aus Spanien (73.000 Tonnen), allerdings folgt Brasilien mit 20.000 Tonnen auf Platz 2 gefolgt von Italien an dritter Stelle [1,5].

Zuckermelonen sollten nicht bei oder unter 7 °C gelagert werden, da sonst Kälteschäden wie der Verlust der Festigkeit auftreten. Zuckermelonen geben außerdem Ethylen ab und sollten daher separat gelagert werden, da sonst der Reifeprozess bei anderen Früchten oder Gemüse angestoßen werden kann [2].

Zuckermelonen weisen mit 85 % ebenfalls einen hohen Wassergehalt auf, der Gehalt an Kohlenhydraten liegt bei 12 % und damit etwas höher als bei Wassermelonen. Daher auch ist auch der Energiegehalt mit 56 kcal pro 100 g im Vergleich zur Wassermelone höher [7].

 

Was wird untersucht?

In VO (EG) Nr. 396/2005 sind die Rückstandshöchstgehalte an Pestiziden in Lebensmitteln festgelegt, diese gelten bei Melonen nach Anhang I der Verordnung für die gesamte Frucht mit Schale. Zur Untersuchung wird die Melone daher im Ganzen geviertelt und jeweils gegenüberliegende Sektoren werden entnommen und dann für die Analyse zerkleinert und homogenisiert.

 

Untersuchungsergebnisse

Im Zeitraum von 2016 bis 2020 wurden 135 Proben Melonen aus konventionellem Anbau auf Rückstände von über 750 Pestiziden untersucht. Die Rückstandssituation stellt sich dabei gleichbleibend gut dar, der Anteil an Proben mit Höchstmengenüberschreitungen liegt über den gesamten Zeitraum bei drei Prozent (siehe Tabelle 1).

 

Tabelle 1: Rückstände in Melonen aus konventionellem Anbau (CVUAS 2016 bis 2020)
Jahr
Anzahl der Proben
Proben mit Rückständen
Proben mit Mehrfachrückständen
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt
2016
37
37 (100 %)
37 (100 %)
2
Chlorfenapyr, Flonicamid (Summe)
2017
20
20 (100 %)
18 (90 %)
1
Pyrimethanil
2018
50
48 (96 %)
44 (88 %)
1
Propiconazol, Thiabendazol
2019
26
25 (96 %)
24 (92 %)
-
-
2020
2
2
1
-
-
Summe
135
132 (98 %)
124 (92 %)
4 (3 %)
 

 

Mehrfachrückstände

Abbildung 5 zeigt die Verteilung an Mehrfachrückständen in den untersuchten Proben. Insgesamt wiesen 92 % der Proben Mehrfachrückstände auf (siehe Tabelle 1), wobei bis zu 17 Rückstände in einer Probe festgestellt wurden. Dies ist allerdings die Ausnahme, mehr als 50 % der Proben wiesen 5 oder weniger Rückstände auf. Den geringsten Anteil an Proben mit Mehrfachrückständen weisen Wassermelonen auf, mit 80 % der Proben, bei Honigmelonen und Cantaluope-Melonen konnten bei 95 % der Proben Mehrfachrückständen festgestellt werden, und bei Netzmelonen sogar bei 100 % (siehe Tabelle 2).

 

Abbildung 5: grafische Darstellung der Verteilung von Mehrfachrückständen in Melonen aus konventionellem Anbau.

Abbildung 5: Mehrfachrückstände in Melonen aus konventionellem Anbau

 

Tabelle 2: Rückstände in Melonen aus konventionellem Anbau

 

Anzahl der Proben
Proben mit Rückständen
Proben mit Mehrfachrückständen
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt
Wassermelone
35
32 (91 %)
28 (80 %)
-
-
Honigmelone
58
58 (100 %)
55 (95 %)
1
Propiconazol, Thiabendazol
Cantaloupe-Melone
20
20 (100 %)
19 (95 %)
1
Chlorfenapyr
Netzmelone
22
22 (100 %)
22 (100 %)
2
Flonicamid Summe Pyrimethanil

 

Wassermelonen weisen den niedrigsten mittleren Rückstandsgehalt auf (0,031 mg/kg) und die geringste Anzahl an nachgewiesenen Stoffen pro Probe (3,9). Auch konnte bei Wassermelonen in den Jahren 2016 bis 2020 keine Höchstmengenüberschreitung festgestellt werden. Die größte Anzahl an Stoffen pro Probe wurde mit 7,4 bei den Netzmelonen nachgewiesen, allerdings weisen die Honigmelonen mit 0,37 mg/kg den höheren mittleren Rückstandsgehalt auf (siehe Tabelle 3).

 

Tabelle 3: Rückstände in Melonen aus konventionellem Anbau
 
Anzahl der Proben
Stoffe pro Probe
(mit allen Rückständen)
Mittlerer Gehalt ohne Fosetyl*
(mg/kg)
Wassermelone
35
3,9
0,031
Honigmelone
58
6,5
0,37
Cantaloupe-Melone
20
6,4
0,2
Netzmelone
22
7,4
0,11

*Aufgrund der vergleichsweise hohen Rückstandsgehalte des Wirkstoffes Fosetyl in pflanzlichen Lebensmitteln wird der mittlere Gehalt pro Probe ohne das Fungizid Fosetyl angegeben, um das Gesamtbild nicht zu verzerren

 

Insgesamt weisen Melonen aus Südamerika im Mittel eine etwas höhere Zahl an Rückständen pro Probe auf, die Höchstmengenüberschreitungen wurden allerdings bei Melonen aus der EU festgestellt.

 

Welche Rückstände wurden gefunden?

In 135 Proben, die in den Jahren 2016 bis 2020 untersucht wurden, konnten insgesamt 104 verschiedene Rückstände nachgewiesen werden, davon 30 in 10 und mehr Proben. Am häufigsten nachgewiesen wurde das Insektizid Imidacloprid (in 61 Proben), und die Fungizide Azoxystrobin (in 41 Proben) und Fosetyl (in 41 Proben). Höchstmengenüberschreitungen wurden bei Wirkstoffen festgestellt, die nur in wenigen Proben nachgewiesen werden konnten. So wurden Propiconazol und Chlorfenapyr nur in einer Probe festgestellt, dabei handelte es sich jeweils um die Höchstmengenüberschreitung.

 

Melonen aus ökologischer Erzeugung

Im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 wurden lediglich vier Melonen aus ökologischer Erzeugung untersucht. Davon konnten auf zwei Proben Pestizidrückstände nachgewiesen werden, diese lagen allerdings jeweils unter dem Orientierungswert von 0,01 mg/kg. Keine der Proben enthielt Mehrfachrückstände. In diesen Fällen war also auch Bio drin, wo Bio drauf stand.

 

Unser Fazit

Melonen sind eine beliebte und gesunde sommerliche Erfrischung. Die Ergebnisse der Untersuchungen der Jahre 2016 bis 2020 zeigen , dass der Genuss von Melonen aufgrund sehr geringer Rückstandsgehalte für den Verbraucher ungetrübt bleibt.

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart, Pestizidlabor

 

Quellen

[1] Dr. Hans-Christoph Behr, AMI Markt Bilanz Obst 2019, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH Bonn, ISSN 1869-8891

[2] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Produktinformation Melone

[3] Plants for a future: Citrullus lanatus

[4] Frankfurter Allgemeine Zeitung: Melonen gibt es auch aus Bayern

[5] Food and Agriculture Organization of the United Nation

[6] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Produktinformation Wassermelone

[7] Souci/Fachmann/Kraut, Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 2016, ISBN 978-3-8047-5072-2

 

 

Artikel erstmals erschienen am 15.10.2020