Nitrosamine in Kinderspielzeug und Luftballons – ein Update
Roland Perz, Diana Pfaffenroth
Aus buntem Gummi lassen sich so herrliche Dinge wie Luftballons, Beißringe und Knautschtiere herstellen, die unsere Kleinsten begeistern. Dumm nur, dass dieses Material gesundheitsschädliche Stoffe wie etwa die N-Nitrosamine enthalten kann, die mehrheitlich krebserregend sind. In den letzten Jahren hat sich in Sachen Qualität kaum etwas bewegt. Daher begegnet man auch heute nach wie vor Produkten, die die Grenzwerte überschreiten.

Gegenstände aus Elastomeren (Gummi) können N-Nitrosamine enthalten
Nitrosamine: Wo kommen sie her?
Damit N-Nitrosamine entstehen können, braucht es zunächst einmal (sekundäre) Amine, die nahezu in allen biologischen Materialien enthalten sind, sowie nitrosierende Reaktionspartner. Das ist häufig Nitrit, das z. B. bei Lebensmitteln aus Nitritpökelsalz stammt, Nitrat, das durch Bakterien im Speichel in Nitrit umgewandelt wird, oder es sind Stickoxide. Die saure Umgebung im Magen begünstigt die Bildung. Bei Produkten aus Gummi entstehen Nitrosamine schon während der Herstellung des Materials (s. Infokasten).
Wie werden Nitrosamine untersucht?
Gegenstand unserer Untersuchungen sind Produktgruppen, die dafür vorgesehen sind, mit dem Körper und insbesondere mit Schleimhäuten in Kontakt zu kommen, wie etwa Schnuller und Beißringe neben Luftballons. Die Proben werden im Labor mit einem sogenannten Speichelsimulanz getestet, also einer Flüssigkeit, welche die Beschaffenheit von Speichel imitiert. Dabei wird zunächst ein möglicher direkter Stoffübergang von Nitrosaminen in den Körper simuliert. In einem zweiten Schritt wird zu einem Teil der Probelösung Salzsäure zugegeben. Sogenannte nitrosierbare Substanzen sind Amine aus der Probe, die mit Nitrit aus dem Speichel und der sauren Umgebung im Magen zusätzliche Nitrosamine bilden können. Aus diesem Grund gibt es nicht nur für die Nitrosamine Grenzwerte, sondern auch für die nitrosierbaren Stoffe (s. Tabelle).
Die Lösungen für die Nitrosamine bzw. für die nitrosierbaren Stoffe werden mittels LC-MS/MS, also einer Kopplung aus Flüssigchromatographie und Tandem-Massenspektrometrie, analysiert.
| Produkttyp |
N-Nitrosamine in mg/kg
|
N-nitrosierbare Stoffe in mg/kg
|
|---|---|---|
| Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten, das bestimmungsgemäß oder vorhersehbar in den Mund genommen wird |
0,01
|
0,1
|
| Spielzeug, das auch für Kinder über 36 Monaten verwendet wird und in den Mund genommen werden soll |
0,05
|
1
|
| Luftballons |
0,05
|
1
|
Ergebnisse Luftballons
Luftballons gehören seit Jahren zu den regelmäßig untersuchten Produkten, auch weil es für diese Anwendung kaum alternative Materialien gibt und das Problem der Nitrosamine lange bekannt ist (s. Infokasten). Im Zeitraum von 2022 bis 2025 wurden insgesamt 42 Proben untersucht. Hiervon war der größte Teil mit 34 Proben (entspricht 81 %) unauffällig. Bei acht Proben aber stellten wir Grenzwertüberschreitungen fest. Gemittelt über den Untersuchungszeitraum entspricht also nach wie vor etwa jeder fünfte Luftballon nicht den gesetzlichen Vorgaben. Der gemessene Gehalt an Nitrosaminen in den Luftballons überschritt den Grenzwert durchschnittlich um das 3,5-fache; bei den nitrosierbaren Stoffen nur um das 1,2-fache.

Anzahl und Ergebnisse der zwischen 2022 und 2025 untersuchten Luftballon-Proben
Hier lassen sich aber Gesundheitsrisiken durch Nitrosamine ganz einfach vermeiden, indem man Luftballons mit einer Pumpe aufbläst und so den Kontakt verringert. Die Hersteller bzw. Inverkehrbringer sind dazu verpflichtet, einen entsprechenden Hinweis auf der Verpackung anzubringen.
Infokasten
Herstellung von Gummi
Das Ausgangsmaterial Naturlatex (Gewinnung aus dem Milchsaft des Kautschukbaumes) wird mit Schwefel und Hilfsstoffen (Beschleunigern) versetzt und erhitzt. In diesem Prozess, der als Vulkanisierung bezeichnet wird, entsteht durch Vernetzungsreaktionen mit Schwefel aus dem klebrig-flüssigen Latex ein dauerhaft elastisches und stabiles Produkt: Gummi.
Woher stammen die Nitrosamine?
Die unerwünschten N-Nitrosamine in Gummi entstehen als Nebenprodukte beim Vulkanisieren. Durch den Einsatz alternativer Vernetzungssysteme mit anderen Vulkanisationsbeschleunigern ist die Herstellung von Nitrosamin-freien Gummis möglich. Allerdings bedeutet dies einen höheren technologischen Aufwand mit höheren Kosten.
Ergebnisse Spieltiere und Beißringe
Zum Schutz der empfindlichsten Verbrauchergruppe sind Produkte für Babys und (Klein-)Kinder entsprechend strenger reglementiert (vgl. Tabelle oben).
Im Zeitraum 2022 bis 2025 wurden daher Proben getestet, zu denen neben Beruhigungssaugern und Beißringen auch weiche Gummitiere gehörten. Dies sind also alles Gegenstände, die von Babys und Kleinkindern bestimmungsgemäß oder vorhersehbar in den Mund genommen werden. Die Untersuchungen zeigen: Von insgesamt 18 Untersuchungen waren 14 Proben (entspricht 78 %) unauffällig. Im Umkehrschluss heißt das, wie auch bei den Luftballons, dass rund jede fünfte Probe wegen Grenzwertüberschreitungen zu beanstanden war. Im Gegensatz zu den Luftballons, bei denen bei sachgemäßer Verwendung die Aufnahme von Nitrosaminen vermeidbar ist, ist die Nitrosaminbelastung bei diesen Produkten prinzipiell als etwas problematischer zu bewerten. Aufgrund dieser Ergebnisse haben wir diese Produkte weiter auf dem Schirm.
Wer für sich und seine Kinder die Aufnahme dieser krebserregenden Nitrosamine vermeiden will, sollte auf alternative Produkte aus Silikon zurückgreifen und beim Aufpusten der Luftballons die Luftpumpe verwenden.
Bildnachweis
Diana Pfaffenroth, CVUA Stuttgart
Quellen
Bedarfsgegenständeverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. Dezember 1997 (BGBl. 1998 I S. 5), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 19. Dezember 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 379) geändert worden ist.