MALDI-UP international – Ein Fachbesuch aus dem ANLIS-Malbrán Buenos Aires am CVUA Stuttgart zur Erreger-Identifizierung

Christina Deser, Florencia Rocca, Dr. Helene Oberreuter, Dr. Jörg Rau

 

Die Themen Gesundheit, Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind von globaler Bedeutung. Einen wichtigen Beitrag leistet hierzu die Untersuchung auf Krankheitserreger bei Menschen und Tieren, sowie in Lebensmitteln und Trinkwasser. Zur sicheren und schnellen Identifizierung von krankheitsauslösenden Bakterien kommen heute auch moderne spektrometrische Methoden zum Einsatz.

 

Am CVUA Stuttgart entwickeln wir die MALDI-TOF MS und die FT-IR – auch gemeinsam mit anderen Institutionen – für unsere Zwecke weiter. So konnten wir im April 2026 Bioq. Mag. Florencia Rocca vom renommierten argentinischen Malbrán-Institut zu einem mehrtägigen Fachaustausch bei uns begrüßen [Abb. 1].

 

Die genannten Personen im Büro der Dienststellenleitung.

Abb. 1: Begrüßung bei der Dienststellenleitung des CVUA Stuttgart (links Florencia Rocca, rechts Nadja Bauer)

 

Die auf Mustererkennung basierenden Techniken, MALDI-TOF MS (Matrix-unterstützte Laser-Desorption/Ionisation-Flugzeit-Massenspektrometrie ) und FT-IR (Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie ) haben den Arbeitsgang zur Identifizierung von Krankheitserregern weltweit beschleunigt und verbessert. Für den Fachaustausch rund um diese modernen Techniken der identifizierenden Spektroskopie betreibt das CVUA Stuttgart bereits seit zehn Jahren die offene Nutzerplattform MALDI-UP im Internet.

 

Diese Plattform war ein Anlass für den aktuellen wissenschaftlichen Besuch aus dem ANLIS Malbrán. Das ANLIS (Administracion Nacional de Laboratorios e Institutos de Salud „Dr. Carlos G. Malbrán”) ist die nationale Gesundheitseinrichtung Argentiniens und übernimmt viele zentrale Aufgaben des Gesundheitswesens. Im ANLIS werden zahlreiche Expertenlabore betrieben, die eine spezielle Diagnostik mit hochmoderner Technik anbieten. Dazu gehört das Servicio Bacteriologica Especial (Labor für spezielle Bakteriologie). Dieses argentinische Labor verfügt über eine Ausstattung für identifizierende Spektroskopie, die der unseren am CVUA Stuttgart gleicht.

 

Vergleichbar mit MALDI-UP haben die Spezialistinnen und Spezialisten am Malbrán-Institut mit dem Netzwerk für Massenspektrometrie RENAEM (Red Nacional de Espectrometría de Masas) unabhängig ein Format zum offenen Austausch zwischen den Nutzerinnen und Nutzern der MALDI-TOF MS in Südamerika initiiert. RENAEM wird im Rahmen des Instituto Nacional Enfermedades Infecciosas (INEI, Nationales Institut für Infektionskrankheiten) des ANLIS betrieben. Die beiden nicht-kommerziellen Netzwerke RENAEM und MALDI-UP unterstützen sich nun gegenseitig.

 

Auch bei der Infrarotspektroskopie mit dem IR-Biotyper (Bruker Daltonik, Bremen) war der gemeinsame Austausch sehr wertvoll. So konnte Florencia Rocca mit uns über neue Klassifizierungsmethoden und die von uns genutzten Wege der Auswertung zur Differenzierung relevanter Krankheitserreger, wie z. B. Salmonellen oder Listerien, diskutieren. Auch für diese Technik fanden sich, dank der baugleichen Ausstattung, sofort gemeinsame fachliche Interessen [Abb. 2].

 

Die genannten Personen stehend vor dem kastenförmigen IR-Spektrometer im Labor.

Abb. 2: Diskussionen am Infrarotspektrometer (Dr. Helene Oberreuter, Florencia Rocca)

 

Die am CVUA Stuttgart etablierte Tier- und Pflanzenartidentifizierung mit MALDI-TOF MS war für unseren Gast neu [Abb. 3]. Wir setzen diese Technik insbesondere zur Aufklärung von Falschdeklarationen bei Lebensmitteln ein.

 

Die genannten Personen stehend vor dem künstlerisch gestalteten Apfel-Vogel-Logo in dem Foyer des CVUA Stuttgart.

Abb. 3: Christina Deser, Florencia Rocca, Dr. Jörg Rau

 

Wir freuen uns, dass wir den erst im November 2025 in Argentinien begonnenen persönlichen Austausch nun mit dem vielfältigen Fachbesuch in Fellbach fortsetzen konnten [Abb. 4]. Dies wird uns die zukünftige Zusammenarbeit in kleinen und größeren gemeinsamen Projekten rund um die identifizierende Spektroskopie erleichtern – für eine verbesserte Gesundheit, für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

 

Person stehend bei der Probengewinnung aus gefrorenem Material im Labor.

Abb. 4: Florencia Rocca bei der Präparation von Fleischproben

 

 

Artikel erstmals erschienen am 19.05.2026