Infektionserreger und Intoxikationserreger in Lebensmitteln

Jahresbilanz 2025 der Abteilungen für Lebensmittelmikrobiologie der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter

Dr. Ekkehard Hiller, CVUA Stuttgart (Next Generation Sequencing); Dr. Dagmar Otto-Kuhn, CVUA Stuttgart

 

Die Untersuchung von Lebensmitteln auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit ist eine wichtige Aufgabe der amtlichen Überwachung zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher. In Baden-Württemberg wird diese Aufgabe von den vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern in Freiburg, Karlsruhe, Sigmaringen und Stuttgart wahrgenommen.

 

Eine Labormitarbeiterin sitzt an einer sterilen Werkbank und pipettiert.

 

Die Laboratorien der Lebensmittelmikrobiologie der vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter untersuchten im Jahr 2025 insgesamt 14.840 Proben auf mikrobiologische Parameter, davon waren 11.708 Planproben, entnommen gemäß eines risikoorientierten Probenplans und 3.132 Anlassproben, die wegen eines Verdachtes auf Verderb, aufgrund einer Verbraucherbeschwerde oder im Zusammenhang mit mutmaßlich lebensmittelbedingten Erkrankungen erhoben worden waren (Tab. 1).

 

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse wurden 646 Planproben (5,5 %) und 571 Anlassproben (18,2 %) beanstandet. Bei 958 Proben (6,5 %) wurde darüber hinaus auf Mängel hingewiesen. 39 Proben (0,3 %) wurden als gesundheitsschädlich beurteilt. 338 Proben (2,3 %) waren aufgrund des mikrobiologischen Untersuchungsbefundes nicht zum menschlichen Verzehr geeignet. Die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen wiesen bei 655 Proben (4,4 %) auf erhebliche Hygienemängel hin.

 

Tabelle 1: Anzahl der im Jahr 2025 in den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern mikrobiologisch untersuchten und beanstandeten Lebensmittelproben
 
Proben, gesamt
Planproben
Anlassproben
Mikrobiologisch untersuchte Lebensmittel
14840
11708
3132
davon
beanstandet

1217 (8,2 %)

646 (5,5 %)

571 (18,2 %)
bemängelt
958 (6,5 %)
789 (6,7 %)
169 (5,4 %)
Beanstandungsgründe:
(ein bis mehrere Beanstandungsgründe pro Probe):
 
 
 
gesundheitsschädlich
39 (0,3 %)
12 (0,1 %)
27 (0,9 %)
nicht zum Verzehr geeignet
338 (2,3 %)
49 (0,4 %)
289 (9,2 %)
Hygienemängel
655 (4,4 %)
289 (2,5 %)
366 (11,7 %)
Sonstige
611 (4,1 %)
507 (4,3 %)
104 (3,3 %)

 

Lebensmittelbedingte Erkrankungen

Lebensmittelproben, die aufgrund einer Erkrankung erhoben wurden, werden für Baden-Württemberg zentral im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart mikrobiologisch untersucht. Im Jahr 2025 wurden in Zusammenhang mit mutmaßlich lebensmittelbedingten Erkrankungen 1176 Erkrankungsproben zu 369 Erkrankungsgeschehen bearbeitet. Dabei handelt es sich um Einzel- und Gruppenerkrankungen. Die Anzahl der mutmaßlich lebensmittelbedingten Erkrankungsfälle in Baden-Württemberg erhöhte sich gegenüber den zurückliegenden Jahren somit wieder (Tab. 2). Auch bundesweit stieg die Anzahl meldepflichtiger gastrointestinaler Infektionen laut Statistiken des Robert-Koch-Institutes (RKI) in den Jahren 2023 bis 2025 wieder an.

 

Tabelle 2: Im Zusammenhang mit lebensmittelbedingten Erkrankungen eingesandte Proben
Jahr
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
Anzahl
Erkrankungsausbrüche
323
367
295
293
290
204
165
297
300
231
369
Anzahl
Erkrankungsproben
1261
1446
1437
1228
1288
693
567
765
997
970
1176

 

39 Lebensmittelproben (27 Erkrankungsproben und andere Anlassproben, 12 Planproben) wurden von den Untersuchungsämtern aufgrund mikrobieller Kontamination als gesundheitsschädlich beurteilt. Bezogen auf die Gesamtmenge mikrobiologisch untersuchter Proben betrug der Anteil gesundheitsschädlicher Lebensmittelproben 0,3 %. Dieser Anteil lag in den vergangenen 10 Jahren durchgehend zwischen 0,1 % und 0,3 %. In den betreffenden Proben waren im Berichtsjahr die Lebensmittelinfektionserreger Salmonella, Listeria monocytogenes, shigatoxinbildende Escherichia coli (STEC/VTEC) und Yersinia enterocolitica, über Lebensmittel übertragbare Noroviren oder die Lebensmittelintoxikationserreger Clostridium perfringens, Bacillus cereus und Staphylococcus aureus einschließlich derer gesundheitsschädlicher Gifte (Cereulid-Toxin, Staphylokokken-Enterotoxin) in einer gesundheitsschädigenden Keimmenge bzw. Konzentration im verzehrfertigen Lebensmittel nachgewiesen worden. In 8 Proben wurden im verzehrfertigen Lebensmittel durch mikrobiellen Verderb erzeugte toxische Eiweißabbauprodukte (Histamin) in einer gesundheitsschädigenden Konzentration nachgewiesen.

 

Rohe, nicht verzehrfertige Lebensmittel konnten hingegen formal nicht als gesundheitsschädlich beurteilt werden, auf den Nachweis der Krankheitserreger wurde jedoch hingewiesen. Diese Lebensmittel waren laut Kennzeichnung oder nach allgemeiner Verkehrsauffassung zum Verzehr in gegartem Zustand bestimmt. In der dargestellten Statistik erscheinen diese Lebensmittel daher nicht, die Fälle werden jedoch in den nachfolgenden Kapiteln aufgeführt. Alle als gesundheitsschädlich beurteilten Lebensmittel sind in Tabelle 3 aufgeführt, die Grafik zeigt das anteilmäßige Vorkommen der Erreger.

 

Tab. 3: Lebensmittel, die 2025 als gesundheitsschädlich beurteilt wurden
Gesundheitsschädliches Agens Betroffene Lebensmittel
Anzahl Proben
Salmonellen Cashewmus mit Himbeere
4
Salmonellen getrocknete Kräuter
3
Salmonellen Wildschwein-Rohwurst
2
Salmonellen Halva
1
VTEC/STEC Zwiebelmettwurst
6
VTEC/STEC Schnittkäse
1
VTEC/STEC Salami-Aufschnitt
1
VTEC/STEC Salatmischung, vorverpackt
1
L. monocytogenes Hering in Gelee
3
L. monocytogenes Zwiebelmettwurst
1
Staphylokokken-Enterotoxin Speiseeis Cheesecake
1
Staphylokokken-Enterotoxin Speisereste aus Gaststätte
1
Staphylokokken-Enterotoxin Wurst aus Konserve, offen
1
Bacillus cereus,
Clostridium perfringens
Entenfleisch mit Reis, gegart
2
Yersinia enterocolitica Zwiebelmettwurst
1
Clostridium perfringens Rinderbraten
1
Noroviren Peperoni vom Büfett
1
Histamin Thunfisch aus Konserve, offen
6
Histamin Thunfischpizza
2

 

Grafik: Anzahl gesundheitsschädlicher Lebensmittel mit mikrobieller Ursache, aufgeschlüsselt nach Krankheitserregern bzw. gesundheitsschädliche Agenzien.

Grafik: Anzahl gesundheitsschädlicher Lebensmittel mit mikrobieller Ursache, aufgeschlüsselt nach Krankheitserregern bzw. gesundheitsschädlichen Agenzien

 

Langfassung

Weitere Informationen sowie viele Fallbeispiele finden sich in der Langfassung der Jahresbilanz 2025.

Diese ist als PDF-Datei abrufbar.

 

Bildnachweis

CVUA Stuttgart

 

 

Artikel erstmals erschienen am 25.03.2026