Wann das Extra an Koffein gefährlich werden kann

L. Rinke, A. Kull, V. Bock, D. W. Lachenmeier, CVUA Karlsruhe

 

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel mit Koffein wächst seit Jahren – angetrieben durch Fitness-Trends, Leistungsversprechen und dem Wunsch vieler Verbraucherinnen und Verbraucher nach schneller Energie. Neben klassischen Produkten wie Energy-Drinks treten zunehmend hochdosierte Koffein-Pulver, Tabletten und Pre-Workout-Booster auf den Markt. Was als effiziente Unterstützung für Sport und Konzentration beworben wird, kann sich bei genauerer Betrachtung als gesundheitlich bedenklich erweisen. Untersuchungen am CVUA Karlsruhe zeigen, dass zahlreiche Produkte die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher bewerteten Mengen deutlich überschreiten. Im Zeitraum von 2010 bis 2025 bewerteten die Labore des CVUA Karlsruhe und Stuttgart insgesamt 23 koffeinhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Getränke im Rahmen der amtlichen Untersuchung als gesundheitsschädlich. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten insbesondere eigenständig zu dosierende Koffeinpulver meiden.

Koffein als Pulver oder in Nahrungsergänzungsmitteln, Abbildung der Strukturformel (Bildquelle: CVUA KA).

Hochdosierte Koffeinprodukte im Trend

Koffein ist eine in Kaffee, Tee, Kakao, Guarana und Mate natürlich vorkommende Verbindung. Es ist weltweit der am häufigsten konsumierte physiologisch wirksame Stoff. Beim Verzehr durch den Menschen stimuliert Koffein das zentrale Nervensystem, und in moderaten Dosen erhöht es die Wachsamkeit [1].

Inzwischen findet sich der Wirkstoff aber auch in zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln, etwa in Pre-Workout-Pulvern oder Energie-Shots. Während Koffein in moderaten Mengen gut vertragen wird, zeigen aktuelle Untersuchungen: Einige Koffeinpräparate enthalten so hohe Mengen, dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können.

Was gilt als „unbedenklich?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geht davon aus, dass für gesunde Erwachsene folgende Mengen in der Regel sicher sind [2]:

  • Bis zu 200 mg Koffein als Einzeldosis
  • Bis zu 400 mg pro Tag insgesamt

Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee enthält etwa 80–120 mg. Also können ungefähr bis zu 4 Tassen Kaffee am Tag unbedenklich konsumiert werden.

Viele Nahrungsergänzungsmittel liegen jedoch weit über diesen Werten. Hinzu können zusätzliche Koffeinaufnahmen aus Kaffee, Tee, Cola, Energydrinks oder Schokolade kommen. Somit kann die Tagesmenge schneller erreicht werden als gedacht!

Was Untersuchungen in Baden-Württemberg zeigen

Im Zeitraum 2010–2025 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 23 koffeinhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Getränke im Rahmen der amtlichen Untersuchung als gesundheitsschädlich bewertet [3]. Produkt 22 und 23 waren Koffein Shots, mit einem Gehalt von 150 mg Koffein pro 100 ml; deren Kennzeichnung enthielt keine Angaben zur Verzehrsmenge.

 

Einzel-/Tagesdosis von Koffein in als gesundheitsschädlich beanstandeten Produkten in Baden-Württemberg (2010-2025)

 

Die Ergebnisse:

  • Mit den Produkten 1 bis 21 sollten lt. Verzehrsangabe 400 bis 1000 mg Koffein pro Tag aufgenommen werden – also bis 2,5-mal mehr als die unbedenkliche Tageshöchstmenge.
  • Einzelportionen enthielten zwischen 225 bis 600 mg Koffein – also zum Teil deutlich über den unbedenklichen 200 mg als Einzeldosis.
  • Besonders betroffen waren Sportlerprodukte.
  • Mehrere Produkte kombinierten Koffein mit weiteren stoffwechselanregenden Stoffen, zum Beispiel Synephrin, was das gesundheitliche Risiko zusätzlich erhöht.

Besonders problematisch: reines Koffeinpulver

Unter den Proben fand sich auch ein Produkt mit „99% Koffein“, welches in loser Form angeboten wurde. Die empfohlene Tagesdosis betrug 900 mg. Genau hier liegt ein großes Risiko: Sehr kleine Mengen (z. B. 0,2 g) lassen sich mit Küchenwaagen oder Messlöffeln oft nicht zuverlässig abmessen. Ein Messfehler kann die Dosis stark erhöhen. Das Risiko von reinem Koffeinpulver im Vergleich zu entsprechenden Mengen Kaffeepulver kann zudem leicht unterschätzt werden, wodurch unbeabsichtigte Überdosierungen begünstigt werden. Auf dieses besondere Sicherheitsrisiko wies kürzlich ebenfalls das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin. Die potenziell tödliche Dosis von 5–10 g reinem Koffein entspricht lediglich 1–2 Teelöffeln Pulver, während etwa 10 L Kaffee erforderlich wären, um eine vergleichbare Koffeinexposition zu erreichen [4].

Warum zu viel Koffein gefährlich werden kann

Hohe Koffeindosen können zu deutlichen körperlichen Reaktionen führen:

  • Herzrasen, erhöhter Blutdruck
  • Unruhe, Zittern
  • Schlafstörungen, Nervosität
  • In sehr hohen Mengen: Herzrhythmusstörungen

Besonders empfindlich reagieren:

Jugendliche, Schwangere, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Personen, die Koffein langsamer abbauen.

Regulatorische Herausforderungen

Eine einheitliche Höchstmenge für Koffein gibt es in der EU bisher nicht. Dies erschwert die Überwachung der Produkte und eine klare Risikobewertung. Geregelt ist bislang nur die Kennzeichnung: Der Koffeingehalt und entsprechende Warnhinweise müssen für Risikogruppen aufgedruckt sein.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher beachten sollten:

✔ Von hochkonzentrierten, undosierten Koffeinpulvern Abstand nehmen

✔ Produkte ohne klare Dosierung meiden

✔ Vorsicht bei Pre-Workout-Pulvern oder „Energy-Boostern“ – sie enthalten oft sehr hohe Mengen Koffein

✔ Achten Sie auf die angegebene Koffeinmenge pro Portion und pro Tag und berücksichtigen Sie auch                          Koffeinaufnahmen aus Kaffee, Tee, Cola und Energy-Drinks

✔ Bei Herzproblemen, Schwangerschaft, Stillzeit oder hoher Empfindlichkeit: lieber verzichten

✔ Wenn mehrere stimulierende Inhaltsstoffe enthalten sind (z. B. Koffein + Synephrin): besonders vorsichtig sein

Fazit

Koffein ist in moderaten Mengen für die meisten Erwachsenen gut verträglich. Als hochkonzentrierter Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln und Sportlerprodukten können jedoch schnell Bereiche erreicht werden, in denen spürbare Nebenwirkungen und gesundheitliche Risiken wahrscheinlicher werden. Die Ergebnisse aus Baden-Württemberg zeigen: Es gibt Produkte auf dem Markt, die die von der EFSA als sicher bewerteten Koffeinmengen deutlich überschreiten. Besonders Kombinationen mit anderen stimulierenden Substanzen und hochkonzentrierte Pulver erhöhen das Risiko.

Deshalb lohnt es sich, beim Kauf solcher Präparate aufmerksam zu sein, Angaben genau zu lesen und im Zweifel kritisch zu hinterfragen. Wer zu solchen Produkten greift, sollte nicht nur auf Werbeversprechen schauen, sondern vor allem auf Mengenangaben, Portionsgrößen und weitere Wirkstoffe achten. Außerdem sollte man von „undosierten“ Koffeinpulvern grundsätzlich Abstand nehmen, weil hier das Risiko der Überdosierung zu hoch ist.

Literatur

[1] EFSA erklärt Risikobewertung: Koffein, https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/efsaexplainscaffeine150527de.pdf, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[2] EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA), “Scientific Opinion on the Safety of Caffeine,” EFSA Journal 13 (2015): 4102, https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.2903/j.efsa.2015.4102, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[3] L. Rinke, A.-K. Kull, V. Bock, and D. W. Lachenmeier, “Caffeine Content Assessment in Beverages and Food Supplements: Regulatory Challenges and Health Implications.” ChemFoodChem (2025): e00037, https://doi.org/10.1002/cfch.202500037, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

[4] BfR, “Hochkonzentriertes Koffein-Pulver kann bereits in geringen Mengen schwere Vergiftungen hervorrufen,“ BfR Mitteilung 46/2024 vom 15. Oktober 2024, abrufbar unter https://www.bfr.bund.de/mitteilung/hochkonzentriertes-koffein-pulver-kann-bereits-in-geringen-mengen-schwere-vergiftungen-hervorrufen-1, zuletzt aufgerufen am 17.02.2026

 

 

Artikel erstmals erschienen am 18.03.2026