Mineralwasser aus dem Ausland!

– Sind online angebotene Produkte besonders wertvoll? –

R. Godelmann, T. Rajcic de Rezende, E. Dilger, J. Kajzar, M. Lexe

 

Mineralwasser muss nicht teuer sein. Im Internet gekauftes, „exklusives“ Mineralwasser entspricht häufig nicht den lebensmittelrechtlichen Vorschriften. Vor allem irreführende Werbeaussagen mit unzulässigen gesundheitsbezogenen Auslobungen waren der Grund für viele Beanstandungen im Jahr 2019.

 

Das Internet bietet heute die Möglichkeiten, zahlreiche Dinge des täglichen Lebens online zu beschaffen. Davon sind auch Lebensmittel bzw. Wasser nicht ausgenommen. Mineralwässer in exklusiv aufgemachten Verpackungen und Flaschenformen aus dem Internet halten oft nicht, was die Werbung verspricht. Kennzeichnungsmängel, nicht zulässige gesundheitsbezogene Angaben, mangelnde Reinheit und unzulässige Behandlungsverfahren prägten das Bild der untersuchten Proben.

 

Mineralwasser ist nicht nur ein hervorragende Durstlöscher, der überall und stets verfügbar ist, sondern auch ein sehr preisgünstiges Getränk. In Deutschland sind neben 834 Mineralwässern, zahlreichen Mineralwässern aus EU Staaten und auch 56 Mineralwässer aus Drittländern (nicht EU Staaten) anerkannt (Stand 04.02.2020). Nach Bohnenkaffee ist in Deutschland Mineral- Quell-  und Tafelwasser mit einem Jahreskonsum von 154 Litern das am meisten getrunkene alkoholfreie Getränk. Der Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland beträgt 230 Milliarden €, davon wurden 2018 1,4 Milliarden online bestellt und das mit einer zunehmenden Steigerungsrate (1).

 

 

Infokasten

Wodurch ist die Vielfalt von Mineralwasser geprägt?

Mineralwasser erhält seine Eigenschaften durch seine geologische Herkunft. Natürliches Mineralwasser darf nur in den Verkehr gebracht werden, wenn es amtlich anerkannt ist. Amtlich anerkannte Mineralwässer werden mit dem Namen der Quelle und dem Ort der Quellnutzung bekannt gegeben. Im Rahmen der Anerkennung von Mineralwasser werden geologische, hydrogeologische, physikalische, chemische, physikalische-chemische, mikrobiologische, hygienische und technische Gesichtspunkte überprüft. Natürliches Mineralwasser hat seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und wird aus einer oder mehreren natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen. Es muss von ursprünglicher Reinheit und frei von anthropogenen (durch Menschen hervorgerufene) Verunreinigungen (z.B. durch Mülldepots, Bergbau, Landwirtschaft) sein.  Die Zusammensetzung von natürlichen Mineralwässern bleibt im Rahmen natürlicher Schwankungen konstant; durch Schwankungen in der Schüttung wird sie nicht verändert.


Die Mineralisation aus dem umgebenden Gestein ist entscheidend für den Geschmack. Hauptbestandteile von Mineralwässern sind die gelösten Stoffe Natrium, Calcium, Magnesium, Chlorid, Sulfat, Hydrogencarbonat und andere. Daneben können auch wertgebende Spurenelemente vorhanden sein. Der Geschmack wird auch durch den Kohlensäuregehalt geprägt. Dieser kann natürlicher Herkunft aus der Quelle sein oder künstlich zugesetzt worden sein. Je nach Kohlensäuregehalt werden Mineralwässer in still, medium und classic eingeteilt.


Mineralwässer hatten früher oftmals einen höheren Mineralstoffgehalt. Bei Wässern mit weniger als 1000 mg/l gelösten Mineralstoffen oder weniger als 250 mg/l freier Kohlensäure sollten zusätzlich ernährungsphysiologische Gesichtspunkte mit wissenschaftlich anerkannten Verfahren geprüft worden sein. Es gibt heute zahlreiche Mineralwässer, die sehr niedrig mineralisiert sind mit einem Gesamt-Mineralstoffgehalt von 20 bis 50 mg/l.


Quellwasser hat seinen Ursprung auch in unterirdischen Wasservorkommen und wird aus natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen. Bei seiner Herstellung dürfen analog wie bei Mineralwasser nur Eisen-, Mangen- und Schwefelverbindungen sowie Arsen entfernt werden.


Tafelwasser wird aus Trinkwasser oder natürlichem Mineralwasser durch Zusatz von Mineralstoffen (salzreiches Wasser, Natursole, Meerwasser, Natriumchlorid, Magnesiumchlorid) hergestellt. Auch der alleinige Zusatz von Kohlensäure ist möglich.

 

Wasser als Luxusgut -  Exklusivität hat ihren Preis

Ein Liter Leitungswasser kostet in Deutschland durchschnittlich 0,2 Cent. Wer also seinen Jahresbedarf an Wasser über Leitungswasser deckt, kommt mit 1-2 Euro pro Jahr aus. Aber es geht auch anders. Neben der ganz normalen Mineralbrunnenflasche finden sich auch zunehmend Abfüllungen in exklusiven Verpackungen und Flaschenformen in der gehobenen Gastronomie. Auch im Internet gibt es speziell aufgemachte Wässer, oft aus entfernten geographischen Regionen mit äußerst exklusiven Verpackungen und wertverheißenden Angaben, sowie gesundheitlichen Versprechungen. Neben exklusiven Verpackungen und Werbeversprechen ist auch der Preis meist äußerst exklusiv.

 

Projektbeschreibung

Das CVUA Karlsruhe beschäftigt sich in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Tiergesundheit und Verbraucherschutz (STV) am Regierungspräsidium Tübingen bereits seit vielen Jahren mit gezielten Internetrecherchen, Internetkäufen und anschließenden Untersuchungen von verschiedenen Lebensmitteln, Kosmetika und Bedarfsgegenständen (2).


Im vorliegenden Projekt wurden per Internetsuche bei deutschen Anbietern ausländische Mineralwässer mit besonderen gesundheitsfördernden Auslobungen recherchiert. Stichprobenartig wurden 9 Proben Mineral-, Quell- und Tafelwasser online bestellt. Die Preise der Wässer aus dem Internet bewegten sich von 1,76 € bis 37,80 € pro Liter. Weiterhin wurden 15 ausländische Proben aus dem lokalen Handel amtlich erhoben und in das Projekt einbezogen. Ziel des Projekts war es, einen Überblick über die im Internet angebotenen Wässer und deren Werbung zu schaffen, sowie einen Vergleich mit Produkten aus dem stationären Handel zu erhalten.


Die untersuchten Mineral-, Quell- und Tafelwässer kamen aus folgenden Ländern: Belgien (1), Bulgarien (1), Deutschland (3), Frankreich (5), Griechenland (1), Italien (7), Norwegen (1), Österreich (1), Portugal (1), Rumänien (1), Schweiz (1), Vereinigtes Königreich (1).

 

Diese Foto zeigt eine Auswahl verschiedener Mineralwasser-Flaschen aus Kunststoff, gefärbtem und klarem Glas in unterschiedlichsten Formen.

Abb. 1: Vielfalt der Mineral-, Quell und Tafelwässer

 

Was wurde untersucht?

Die Kennzeichnung der Proben wurde hinsichtlich der Pflichtangaben (Verkehrsbezeichnung, Mindesthaltbarkeitsdatum, Quellenangabe, Analysenauszug, leicht verständliche Sprache etc.) überprüft. Weiterhin wurden Aufmachung und Werbung (wertgebende Angaben über Inhaltsstoffe, Herstellung, Herkunft, Behandlung etc.) sowie die Anbringung von gesundheitsbezogenen Angaben (sog. Health Claims) auf der Etikettierung und auf Internetseiten in die Untersuchungen einbezogen.


Eine Gruppe von geschulten Sensorikern testete die Wässer hinsichtlich Aussehen, Geruch und Geschmack, um mögliche Abweichungen erkennen zu können.


Die mikrobiologische Untersuchungen umfassten sowohl die Bestimmung der Gesamtkeimzahlen als auch die Untersuchung auf das Vorkommen von spezifischen Mikroorganismen (E. Coli, Coliforme Keime, Fäkalstreptokokken, Pseudomonas aeroginosa, sulfitreduzierende sporenbildende Anaerobier) in den Produkten. Bei den chemischen Untersuchungen wurde die klassische Mineralwasseranalytik durchgeführt, das heißt es wurden die Gehalte an Kationen wie z.B. Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und an Anionen wie z.B. Chlorid, Fluorid, Nitrat, Sulfat, Phosphat, sowie die Gesamthärte bestimmt. Weiterhin wurde auf 20 Elemente geprüft (Uran, Chrom, Blei, Kupfer, Nickel, Arsen, Cadmium, Selen u.a.).


Als Nachweis natürlicher Reinheit und Schutz vor anthropogenen Verunreinigungen wurden die Proben auch auf Süßstoffe geprüft. Süßstoffe wie Acesulfam, Cyclamat, Saccharin und Sucralose stellen aufgrund des eng begrenzten Spektrums ihrer Verwendung (Ernährung) einen empfindlichen Indikator für anthropogene Verunreinigungen dar. Süßstoffe werden mit einer Vielzahl von Lebensmitteln im Rahmen der täglichen Ernährung vom Menschen aufgenommen und größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Sie gelangen mit dem Abwasser über Kläranlagen, wo sie meist nur unvollständig abgebaut werden, in die Umwelt.

 

Ergebnisse:

Beschaffenheit der Proben

Bei den sensorischen Eigenschaften entsprachen alle Erzeugnisse den Anforderungen. Hinsichtlich der mikrobiologischen Beschaffenheit waren sämtliche Proben (Onlinebestellungen und amtliche erhobene Proben) von einwandfreier Beschaffenheit. Auch die mineralische Zusammensetzung der Wässer war nicht zu beanstanden. Ein Wasser war als Meerestiefwasser aus dem Nordatlantik bezeichnet und hatte dementsprechend einen Salzgehalt vom 40,3 g/l. Ein Verzehrshinweis stellte klar, dass nur wenige Milliliter von diesem Wasser täglich getrunken werden sollen.


Die Konzentrationen der Elemente bewegten sich ebenfalls bei allen Proben im Rahmen der zulässigen Gehalte mit Ausnahme  einer Probe aus dem Internet, die einen Gehalt an sechswertigem Chrom [Cr(VI)] von 0,96 µg/l enthielt. Das Umweltbundesamt empfiehlt hier einen Wert von weniger als 0,3 µg/l (3). Ein anderes Wasser aus dem Internet enthielt auch Spuren des Süßstoffs Acesulfam und entsprach daher nicht der Anforderung an natürliche Reinheit.

 

Kennzeichnung

Bei einem amtlichen erhobenen Tafelwasser waren die Pflichtangaben teilweise in fremdländischer Sprache und die mindestens festgelegte Schriftgröße für verpflichtende Angaben wurde auch nicht eingehalten. Bei sechs online bestellten Proben waren die Pflichtangaben auf dem Etikett in fremdländischen Sprachen, obwohl sie im Internet für deutsche Verbraucher angeboten wurden. Alle verpflichtenden Informationen über Lebensmittel mit Ausnahme der Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums müssen beim Internetkauf vor dem Abschluss des Kaufvertrags verfügbar sein und auf dem Trägermaterial des Fernabsatzgeschäfts erscheinen (vgl. Artikel 14 der Lebensmittelinformations-verordnung). Bei sechs Proben fehlten die Pflichtangaben im Internet teilweise oder vollständig. Eine Probe Quellwasser war mit unterschiedlichen Analysenangaben der wertgebenden Mineralien auf dem Etikett und auf der Internetseite des Anbieters versehen.

 

Internetwerbung

Einige der untersuchten Wässer aus dem Internet wurden mit unzulässigen irreführenden Werbeangaben ausgelobt. Bei einem Erzeugnis wurde auf einen hohen Mineralstoffgehalt hingewiesen. Von dem hierzu rechtlich erforderlichen Gehalt von 1500 mg/l waren lediglich 10 % vorhanden.


Weiterhin fanden sich zahlreiche gesundheitsbezogene Angaben im Internet, wie z.B.:

  • „Ein ausgewogener Anteil Kieselsäure in diesem Wasser wirkt sich nachweislich positiv auf die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln aus.“

 

Bei dieser Werbeaussage handelt es sich um gesundheitsbezogene Angaben gemäß der Health Claims Verordnung (VO (EU) 1924/2006). Derartige Angaben dürfen nur verwendet werden, wenn sie den Anforderungen entsprechen und rechtlich zugelassen und somit in die europäische Gemeinschaftsliste aufgenommen sind. Für Kieselsäure wurde bisher keine Angabe zugelassen.


Ein als Edelsteinwasser bezeichnetes Produkt wird mit „Achaten energetisiert“ beworben und soll dadurch die Kraft des Steines erhalten. Außerdem wurden die Wässer auch mit weiteren unspezifischen Aussagen online angeboten wie z.B.:

  •  „für inneres Wohlbefinden“
  •  „für ein vitales Leben“
  •  „Achate …erden den Menschen“
  •  „mildert Aggressionen und Hass“
  •  „erleichtert Versöhnung und das Loslassen“
  •  „heilt schwelende Konflikte“
  •  „Wasser fördert das allgemeine Wohlbefinden, sowie die Gesundheit deines Körpers.“

 

Solche Aussagen sind Verweise auf allgemeine, nicht spezifische Vorteile des Lebensmittels für die Gesundheit und sind ebenfalls nicht zugelassen und irreführend. Für Wasser sind bisher nur zwei gesundheitsbezogene Angaben zugelassen (Liste zugelassener „Claims“, VO (EU) 432/2012):

  •  Wasser trägt zur Erhaltung normaler körperlicher und kognitiver Funktionen bei.
  •  Wasser trägt zur Erhaltung einer normalen Regulierung der Körpertemperatur bei.

 

Des Weiteren dürfen gesundheitsbezogene Angaben nur gemacht werden, wenn die Aufmachung der Lebensmittel und die Lebensmittelwerbung folgende Informationen tragen:

  •  einen Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise,
  •  Informationen zur Menge des Lebensmittels und zum Verzehrmuster, die erforderlich sind, um die behauptete positive Wirkung zu erzielen.

 

Ein Produkt aus dem Internethandel wurde als „hoch basisches Aktivwasser-Konzentrat“ beworben. Derartige Wässer werden mit einem speziellen Elektrolyseverfahren (Elektrolyse salzhaltigen Wassers) hergestellt und sind als unzulässige neuartige Lebensmittel (sog. Novel Food) einzustufen (4). Für derartige „Elektrolytwässer“ gibt es keine Verwendungsgeschichte als sicheres Lebensmittel in der Europäischen Union und deswegen müssen sie vor ihrer Verwendung einem Zulassungsverfahren unterzogen werden, bei dem die Sicherheit geprüft wird. Hierzu gibt es entsprechende Gerichtsbeschlüsse, die diese Einstufung bestätigen (5).

 

Fazit:

Erfreulicherweise war  keines der Produkte gesundheitlich bedenklich. Hinsichtlich der Qualität, der sensorischen Eigenschaften und mikrobiologischen Beschaffenheit wiesen die untersuchten online Stichproben im Vergleich zu den „typischen Einzelhandelsproben“ keine Unterschiede auf. Allerdings ist beim Kauf von „besonders wertvollen“ Wässern im Internet in Bezug auf die Kennzeichnung und Bewerbung Vorsicht geboten. Die Pflichtkennzeichnungen sind oft teilweise oder gar nicht vorhanden und die Auslobungen gehen auch oft über das lebensmittelrechtlich zulässige Maß hinaus. Außerdem sind hohe Preise kein Indikator für besondere Qualität.

 

 

Literatur

(1) Umsatz mit Lebensmitteln im Online-Handel in Deutschland von 2014 bis 2018: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/894997/umfrage/umsatz-mit-lebensmitteln-im-deutschen-online-handel/
(2) Natürliches Mineralwasser aus dem Internet (2015): https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=2&Thema_ID=2&ID=2088&Pdf=No&lang=DE
(3) Die Bedeutung von Chrom im Trinkwasser (2014): https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/die_bedeutung_von_chrom_im_trinkwasser.pdf
(4) Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger (ALS), Stellungnahme Nr. 2017 38 Basen- und Chlorwasser
Novel Food oder nicht Novel Food – immer wieder heiß diskutiert (2019): https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=0&Thema_ID=2&ID=2979&Pdf=No&lang=DE
(5) OVG Saarlouis, Beschl. v. 27. 2. 2019 – 2 B 294/18: Untersagung des Inverkehrbringens eines neuartigen Lebensmittels (Basen-Chlorwasser)

 

Bildnachweis: CVUA Karlsruhe

 

 

Artikel erstmals erschienen am 29.10.2020