Uran in Trinkwasser - Was hat der neue Grenzwert bewirkt?

Dr. Carmen Breitling-Utzmann (CVUA Stuttgart)

 

Vor zwei Jahren ist erstmals ein Grenzwert für Uran in Trinkwasser in Kraft getreten. Hat sich seitdem etwas an den Urangehalten in baden-württembergischem Trinkwasser geändert?

Woher kommt das Uran?

Uran ist ein natürlich vorkommendes und weit verbreitetes Schwermetall. Spuren von Uran sind in vielen Lebensmitteln und auch im Trink- und Mineralwasser nachweisbar.

Der Urangehalt im Trinkwasser ist davon abhängig, welche geologische Formation das Wasser auf seinem Weg bis zur Quelle durchläuft. In Süddeutschland kommen Gesteinsformationen mit höheren Urangehalten vor allem in den folgenden Bezirken vor: Mittel- und Oberfranken bis nach Hohenlohe, sowie im Donaubereich und den Gebieten südlich davon [1].

 

Urangehalte in Trinkwasser

Uran ist gesundheitlich nicht ganz unbedenklich, so kann es in höheren Konzentrationen nierenschädigend wirken (siehe Infokasten). Der Urangehalt in Trinkwasser wird daher regelmäßig überwacht. Seit dem 01.11.2011 gibt es in der Trinkwasserverordnung einen Grenzwert von 0,01 mg/L für Uran [4].

 

Ergebnisse früherer Untersuchungen zeigen, dass auch vor Inkrafttreten des Grenzwertes der Anteil der Trinkwasserproben aus Baden-Württemberg mit Urangehalten über dem heutigen Grenzwert mit 1,1% aller Proben niedrig war [1]. Seitdem der Grenzwert gilt, ist der Anteil der Trinkwasserproben über dem Grenzwert gesunken (siehe Grafik). Im Jahr 2012 hatten nur noch 3 von 549 Proben (0,5%) einen Urangehalt von mehr als 0,01 mg/L. Zwei der drei Proben stammten zudem aus Eigenwasserversorgungen, d. h. das Wasser wird nur von einem kleinen Personenkreis verwendet.

 

Abb.1: Verteilung der Urangehalte in Trinkwasserproben aus Baden-Württemberg im Jahr 2012.

Abb.1: Verteilung der Urangehalte in Trinkwasserproben aus Baden-Württemberg im Jahr 2012

 

 

Insgesamt gesehen ist der Anteil der Proben über 0,01 mg/L in den drei letzten Jahren stetig gesunken (siehe unten).

 

Abb. 2: Urangehalte > 0,010 mg/L in Trinkwasserproben aus Baden-Württemberg.

Abb. 2: Urangehalte > 0,010 mg/L in Trinkwasserproben aus Baden-Württemberg

 

Der mittlere Urangehalt aller untersuchten Trinkwasser-Proben aus Baden-Württemberg war mit 0,001 mg/L (= 1/10 des Grenzwertes) gleichbleibend niedrig.

 

 

Wie kann Uran aus Trinkwasser entfernt werden?

Der Urangehalt in Trinkwasser kann durch verschiedene technische Verfahren gesenkt werden. Zum einen kann unbelastetes Fremdwasser aus der Fernwasserversorgung zugemischt werden. Hierbei wird der Urangehalt durch einfache Verdünnung gesenkt. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Uran durch bestimmte Aufbereitungsstoffe selektiv aus dem Trinkwasser zu entfernen.

 

Wie kam der Trinkwasser-Grenzwert zustande?

Uran wirkt sich analog zu anderen Schwermetallen schädlich auf die Nieren aus. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO werden 0,6 µg pro kg Körpergewicht als tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) angesehen. Diese Menge kann täglich ein Leben lang aufgenommen werden, ohne dass gesundheitliche Schäden zu befürchten sind.

Aus diesem TDI leitet sich der gesundheitliche Leitwert der WHO von maximal 15 µg/L Uran im Trinkwasser (= 0,015 mg/L). Hier würde bei einem täglichen Konsum von 2 L Trinkwasser der TDI bei einem Erwachsenen mit 60 kg Körpergewicht zu 80 % ausgeschöpft [2].

 

Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2005 einen "lebenslang duldbaren gesundheitlichen Leitwert" von 10 µg/L (= 0,01 mg/L) empfohlen. [3] Seit dem 01.11.2011 ist dieser Gehalt von 0,01 mg/L nun als offizieller Grenzwert in der deutschen Trinkwasser-Verordnung verankert[4].

 

Und wie sieht es bei Mineralwasser aus?

Bei Mineralwasser gibt es keinen Grenzwert für Uran. Aber auch hier lagen 2012 nur 3 von 645 (0,5 %) untersuchten Mineralwässern über dem Trinkwassergrenzwert von 0,01 mg/L. Die Auslobung "Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" darf im Übrigen verwendet werden, wenn der Urangehalt höchstens 0,002 mg/L beträgt.

 

Literatur

[1] Urangehalte in der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg

[2] BfR empfiehlt die Ableitung eines Europäischen Höchstwertes für Uran in Trink- und Mineralwasser, Gemeinsame Stellungnahme Nr. 020/2007 des Bundesamts für Risikobewertung und des Bundesamts für Strahlenschutz vom 05.04.2007

[3] R. Konietzka, H. H. Dieter, J.-U. Voss, Vorschlag für einen gesundheitlichen Leitwert für Uran in Trinkwasser, Umweltmed. Forsch. Prax. (2005), 10(2), 133-143

[4] Erste Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 (BGBl. I S. 748, ber. S. 2062)

 

 

Artikel erstmals erschienen am 29.08.2013