Gentechnik Erntemonitoring 2019 – weiterhin keine Auffälligkeiten

Hans-Ulrich Waiblinger (CVUA Freiburg), Brigitte Speck (LTZ Karlsruhe)

 

Das Land Baden-Württemberg hat auch 2019 Ernteproben bestimmter Kulturpflanzen auf gentechnische Veränderungen untersucht. Schwerpunkte des Stichprobenprogramms mit insgesamt 97 Proben waren Mais, Raps und Soja, aber auch Lein und Zuckerrüben wurden untersucht. Das Untersuchungsprogramm wird auch in diesem Jahr fortgeführt.

 

Insgesamt wurden 41 Mais-, 21 Raps-, 19 Soja-, 13 Leinsaatproben sowie 3 Zuckerrübenproben durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg sowie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg untersucht.

 

Ernetproben 2019 - Unteruchung auf GVO

Bei Mais weiterhin keine positiven Befunde

MaiskolbenEntsprechend seiner Bedeutung im Anbau nimmt Mais weiterhin den größten Umfang des Erntemonitorings ein. In keiner der insgesamt 41 Stichproben war gentechnisch veränderter (gv) Mais nachweisbar, die Nachweisgrenze liegt bei 0,03 %. Seit nunmehr 9 Jahren wurden in den Ernteproben von Mais keinerlei positive Befunde festgestellt.

 

Einen wichtigen Beitrag für diese Entwicklung leistet auch das in Baden-Württemberg sowie in anderen Bundesländern durchgeführte Saatgut-Monitoring, in dem jährlich vor der Aussaat Saatgut stichprobenartig auf gentechnische Veränderungen geprüft wird. Im Jahr 2019 wurden in Baden-Württemberg auch beim Saatgut-Monitoring keine Verunreinigungen mit gentechnisch verändertem Saatgut nachgewiesen.

 

Sojabohnen: keinerlei Spuren von gentechnisch veränderten Sojabohnen nachweisbar

SojabohnenIn keiner der insgesamt 14 untersuchten Sojaproben waren Verunreinigungen mit gv Sojabohnen nachweisbar. Die Nachweisgrenze liegt ebenfalls bei ca. 0,03 %. In den Jahren bis 2014 waren noch vereinzelt sehr geringe Spuren von gv Soja-Events nachweisbar gewesen. Damit ergaben sich in den letzten fünf Jahren keine positiven Befunde bei der Untersuchung auf gv Soja mehr.

 

Sojabohnen sind weltweit weiterhin die wichtigsten Kulturpflanzen mit gentechnischen Veränderungen: etwa die Hälfte aller 2018 ausgebrachten gv Pflanzen waren Sojabohnen. 2018 betrug der Anteil von gv Sorten an der Soja-Anbaufläche 78 Prozent (+1% gegenüber 2017). Ganz überwiegend handelt es sich dabei um gegen das Herbizid Roundup resistente Roundup Ready Sojasorten.

 

In der EU dürfen Lebensmittel und Futtermittel mit Verunreinigungen durch für Lebensmittel- und Futtermittelzwecke zugelassene gv Events bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent ohne entsprechende Kennzeichnung vermarktet werden, sofern diese Verunreinigung zufällig oder technisch unvermeidbar ist. Verunreinigungen unter 0,1 Prozent werden als zufällig oder technisch unvermeidbar beurteilt und sind nicht zu kennzeichnen.

Seit 2004 – mittlerweile 16 Jahre GVO-Erntemonitoring in Baden-Württemberg

Bereits seit 2004 wird das in Deutschland bislang einzigartige Stichprobenprogramm der amtlichen Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung Baden-Württemberg jährlich durchgeführt. Mehr als 1400 Ernteproben wurden seitdem untersucht.

 

Zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Lebensmittel- und Futtermittelkette sollen in heimischen Ernteprodukten mögliche Verunreinigungen durch gentechnisch veränderte Organismen erkannt und die Entwicklungen über die Jahre aufgezeigt werden. Daher sind landwirtschaftliche Erfassungsstellen sowie Mühlen Schwerpunkte der Beprobung. Mais, Raps und Soja sowie Zuckerrüben wurden ausgewählt, da sich hier bereits weltweit gv Sorten im Anbau befinden. In Deutschland gibt es keine Zulassung für den Anbau gentechnisch veränderten Varianten dieser Nutzpflanzen.

 

Auch Leinsamen wird in geringem Stichprobenumfang untersucht, da 2009 gv Verunreinigungen bei kanadischer Importware nachgewiesen worden waren.

 

Produkte aus den untersuchten Erntepflanzen sind wichtige Rohstoffe der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie. So werden aus Mais Stärken für Suppen und Soßen oder Zuckersirupe für Süßwaren und Getränke hergestellt; Raps dient als Rohstoff für Speiseöle. Leinsaat wird als Zutat in vielen Backwaren und Müslis eingesetzt. Nebenprodukte dieser Verarbeitung zu Lebensmitteln werden zur Herstellung von Futtermitteln verwendet.

 

Soja wird vermehrt auch hierzulande angebaut, um etwa für die Herstellung von Tofu und ähnlichen Sojaprodukten eine Alternative zu häufig gentechnisch veränderter Importsoja verfügbar zu haben. Für die Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft, welche den Anforderungen für eine Bewerbung „ohne Gentechnik“ oder des ökologischen Landbaus genügen sollen, werden Extraktionsschrot aus nicht gv Soja und der heimische Sojaanbau für Futterzwecke immer wichtiger.

 

Ergebnisse des GVO-Erntemonitorings seit 2004

Seit Beginn des Monitorings 2004 wurden insgesamt 1457 Ernteproben untersucht, davon waren in 29 Proben (= 2,0 %) gentechnische Veränderungen nachweisbar.

 

Positive Befunde gab es bei Mais mit 18 von insgesamt 666 Proben (= 2,7 %) sowie Soja mit 11 von 173 Proben (= 6,4 %). Seit 2007 wurden keine Verunreinigungen über der Bestimmungsgrenze von 0,1 % mehr festgestellt. In den Jahren 2004 und 2006 wurden allerdings noch bei jeweils einer Maisprobe Anteile knapp über diesem Wert gemessen.

 

GVO-Erntemonitoringprogramm Baden-Württemberg seit 2004

 

 

Bericht erschienen am 23.03.2020 07:31:20