Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Ursachen zentralnervöser Störungen bei Tieren – Beispiele aus der Pathologie (5)

Dr. Ulrike Fischer

 

In das Labor für Veterinär-Pathologie des CVUA Freiburg werden täglich Tiere zur Obduktion eingesandt. Bei vielen dieser Tiere lautet der Vorbericht „neurologische Ausfallserscheinungen“. Diesen relativ unspezifischen klinisch feststellbaren Symptomen können zahlreiche unterschiedliche, infektiöse, aber auch nichtinfektiöse Ursachen zugrunde liegen. Das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) muss dabei nicht immer der eigentliche Sitz der Erkrankung sein. Auch Erkrankungen von Leber, Nieren, Magen-Darmtrakt, Atmungs- und Kreislauforganen können zu zentralnervösen Symptomen führen.

 

HundAufgrund dieser Vielfalt möchten wir Ihnen mit unserer Newsletter-Serie „Ursachen zentralnervöser Störungen – Beispiele aus der Pathologie“ einige solcher Krankheiten anhand von Fallberichten vorstellen. Weitere interessante Beiträge zum Thema finden Sie hier

 

Im Folgenden stellen wir Ihnen den Fall einer ca. 5 Jahre alten, kastrierten, mittelgroßen Hündin vor. Diese hatte seit 5 Wochen immer wieder Krämpfe gezeigt, während der sie nicht ansprechbar war. Kurz vor Eintritt des Todes konnte die Hündin zudem nicht mehr laufen.

Granulomatöse Meningoenzephalitis bei einer Hündin

Bei der pathologisch-anatomischen Untersuchung wurden Veränderungen festgestellt, die auf ein akutes Herzkreislaufversagen schließen ließen. In Gehirn und Rückenmark waren dezente dunkelgraue, schlecht abgegrenzte Areale erkennbar.

 

Mittels feingeweblicher Untersuchung erwiesen sich diese Areale als hochgradige chronische multifokale granulomatöse Entzündungen von Gehirn, Hirnhaut und Rückenmark (Abb. 1 bis 4). Mittels verschiedener Spezialfärbungen (PAS, Giemsa, Ziehl-Neelsen) wurden keine Erreger, wie z.B. Pilze, Parasiten und Mykobakterien, nachgewiesen.

 

Abbildungen 1-4

Abb. 1: Entzündungsherde im Parenchym und Entzündungszellinfiltrate um Gefäße des Großhirns (25x, HE)

Abb. 2: Detailbild aus Abb. 1 – zahlreiche granulomatöse Entzündungsherde (200x, HE)

Abb. 3: Entzündungsherde in der grauen Substanz des Rückenmarks (25x, HE)

Abb. 4: Detailbild aus Abb. 3 – granulomatöse Entzündungsherde und lymphoplasmazelluläre Entzündungszellinfiltrate um Gefäße (100x, HE)

Zusammenfassung:

Diese Entzündungsreaktionen entsprechen dem Bild der Granulomatösen Meningoenzephalitis.

Granulomatöse Meningoenzephalitis

Es handelt sich hierbei um eine sporadisch bei Hunden auftretende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Am häufigsten sind junge bis mittelalte Hunde kleiner Rassen betroffen.

Die Ursache ist bislang nicht geklärt (idiopathische Erkrankung), aufgrund der am Entzündungsgeschehen beteiligten Zellen wird jedoch ein immunvermittelter Mechanismus angenommen.

Je nach Verteilung und Ausdehnung der Läsionen im ZNS unterscheiden sich die klinischen Symptome, von Ataxien und Paresen über Gleichgewichtsstörungen bis zu Wesensänderungen und Krämpfen.

 

Literatur

Pathology of Domestic Animals, Jubb/Kennedy/Palmer (Hrsg.), 6th Edition, Elsevier Verlag, 2016

  

Bildnachweis

pixabay (Hund)

CVUA Freiburg, Labor Pathologie (Abb. 1-4)

 

Bericht erschienen am 16.01.2019 10:41:14

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