Für die Zukunft gerüstet: Neues Sicherheitslabor für die Tiergesundheitsdiagnostik eingeweiht

In dem Laborneubau haben technische Sicherheitsstandards der biologischen Schutzstufe 3 (biosafety level, BSL) Niederschlag gefunden. Dadurch werden, zum Wohle der Gesundheit von Mensch und Tier, die Untersuchungsmöglichkeiten des Chemischen und Veterinär-Untersuchungsamtes Freiburg entscheidend erweitert.

Feierstunde Laborübergabe

 

In einer Feierstunde wurde der Laborneubau am 18. April 2013 vom Bauherrn, dem Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Amt für Vermögen und Bau Freiburg, seinem künftigen Nutzer, dem CVUA Freiburg übergeben.

 

In dem BSL 3-Labor können nun gezielte diagnostische Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen (Viren, Bakterien, Parasiten) der Risikogruppe 3 durchgeführt werden. Darunter fallen zum einen Tierseuchenerreger, die auch beim Menschen eine schwere Krankheit hervorrufen oder eine ernste Gefahr darstellen können (z.B. Vogelgrippe-Virus, Tollwut-Virus, Brucellen, Fuchsbandwurm). Dazu gehören ferner die sogenannten klassischen Tierseuchenerreger, die zwar größtenteils nicht für den Menschen gefährlich sind, wo aber die Gefahr einer Verbreitung in den Tierbeständen sehr groß ist (z.B. Schweinepestvirus).

 

Feierstunde LaborübergabeDie erweiterten Untersuchungsmöglich- keiten zum Schutze der Gesundheit von Mensch und Tier wurden in der Ansprache der Leiterin des CVUA Freiburg sowie den Grußworten der Vertreter des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, des Regierungspräsidiums Freiburg sowie des Amtes für Öffentliche Ordnung der Stadt Freiburg unterstrichen.

 

Bei aktuellen diagnostischen Fragestellungen, wie z.B. der wieder aufkommenden Tuberkulose bei Rindern oder neuen, klimabedingt auftretenden Zoonosen (= von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten) wie dem Westnile-Fieber sind nun die sicherheitstechnischen Voraussetzungen für die Untersuchungen zum Nachweis der Erreger erfüllt. Zur Untersuchung auf klimabedingte Zoonosen muss gerade der Standort Freiburg in Baden-Württemberg gewappnet sein, bietet doch der Oberrheingraben vermehrt Lebensraum für Zoonosen-übertragende Insekten, die früher in Südeuropa oder Nordafrika beheimatet waren.

 

BSL 3-LaborNicht zuletzt ist auch die Diagnostik von Aborten bei Rindern und kleinen Wiederkäuern (z.B. Brucellose, Q-Fieber) nunmehr ohne Einschränkung möglich.
Das neue BSL 3-Labor bietet den dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des CVUA Freiburg maximalen persönlichen Schutz. So sind für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen entsprechend ihrer Gefährdung neben den technischen auch organisatorische und persönliche Sicherheitsmaßnahmen gesetzlich festgelegt bzw. empfohlen.

 

Das neue S3 Labor

Bei dem mit Baukosten von 2,1 Mio Euro errichteten Laborgebäude handelt es sich um ein Anbau an das in den Jahren 1962–1965 errichtete Verwaltungs- und Laborgebäude des ehemaligen Tierhygienischen Institutes Freiburg, das seit dem Jahre 2000 Teil des Chemischen- und Veterinär-Untersuchungsamtes ist.

 

Der Anbau ist an der Nord-West-Seite an den Bereich der bestehenden Sektion angegliedert. Die Anbindung an den Bestand erfolgt über den Laborbereich der Virologie. Dadurch konnte die bestehende technische Infrastruktur des Hauptgebäudes mitgenutzt werden. Die für den Betrieb des Labors in Sicherheitsstufe S3 zusätzlichen notwendigen Lüftungs- und Abwasser-Sterilisationsanlagen wurden in einem unter dem Labor angeordneten Kriechkeller und einem von außen zugänglichen Technikgeschoss im Obergeschoss untergebracht. Hier befindet sich auch die gesonderte Notstromanlage für das Labor.

 

Der formal vom Hauptgebäude abgesetzte Laborneubau ist eine Stahlbetonkonstruktion mit vorgehängter Ziegel-Plattenfassade. Die Gründung erfolgte wegen des mit Trümmer-Bauschutt aufgefüllten schlecht tragfähigen Geländes mit Stahlbeton-Schraubbohrpfählen.
In den Laborräumen herrscht aus Sicherheitsgründen ein permanenter Unterdruck. Der Zugang zu dem neuen Labor muss deshalb über eine Sicherheitsschleuse mit integrierter Dusche und Umkleidebereich erfolgen. Sämtliche Gegenstände und Proben werden durch Ein- und Ausgangsschleusen und Autoklaven in das Labor eingebracht bzw. ausgeschleust.

 

Flyer S-3-Labor (pdf 7,5 mByte)

 

Bildnachweis

Alle Fotos: Dr. Clemens Kleine-Albers (CVUA Freiburg)

 

 

Autor(en): Dr. Heike Goll, Dr. Klaus-Jürgen Danner, Hans-Ulrich Waiblinger

 

Bericht erschienen am 29.04.2013 11:31:11