Mykobakteriose / Tuberkulose bei einem Luchs

Eurasischer LuchsIm Herbst 2010 wurde ein Eurasischer Luchs (Lynx lynx) aus einer Gehegehaltung zur Abklärung der Todesursache an das CVUA Freiburg übersandt. Das Tier war den Tierpflegern durch erschwerte Atmung und leichtes Röcheln aufgefallen und verstarb wenige Tage nach Einsetzen der Symptome.

 

Bei der Sektion und anschließenden histopathologischen Untersuchung des 22 kg schweren, männlichen Luchs im CVUA Freiburg wurden eine granulomatöse Entzündung von Lunge (s. Abb. 1 und 2), Milz und Bauchfell diagnostiziert. Es wurde eine Ziehl-Neelsen-Färbung zum Nachweis säurefester Stäbchenbakterien durchgeführt, die mit negativem Ergebnis verlief.

 

Zusätzlich wurden Gewebeproben der Lunge bakteriologisch und molekularbiologisch untersucht. Die konventionelle bakteriologische Untersuchung (Anzüchtung) lieferte keine spezifischen Keime. Mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) gelang schließlich aber der Nachweis von MTC-spezifischer DNA. MTC steht für „Mycobacterium-tuberculosis-complex" und bezeichnet eine Gruppe von Bakterien, zu denen auch der Erreger der Tuberkulose gehört (s. Infokasten).

 

Zur weiteren Differenzierung der Bakterien wurde Probenmaterial an das Nationale Veterinärmedizinische Referenzlabor (NRL) für Tuberkulose (Friedrich-Loeffler-Institut, Jena) gesandt. Das NRL für Tuberkulose konnte den Keim mittels Restriktionsanalyse schließlich als Mycobacterium microti identifizieren.

Lungengewebe

Abbildung 1: Im Lungengewebe fallen zahlreiche weißliche Knötchen auf (granulomatöse Lungenentzündung).

Abbildung 2: Das Lungengewebe enthält massenhaft Entzündungszellen, insbesondere Makrophagen (granulomatöse Lungenentzündung); H.E.-Färbung.

 

Der Luchs war also an einer Lungenentzündung erkrankt, die durch eine Infektion mit M. microti verursacht war.

 

MTC - Mycobacterium-tuberculosis-Komplex

Mycobakterien sind säurefeste, grampositive, stäbchenförmige Bakterien. Es gibt zahlreiche Mycobacterien-Spezies, von denen einige schwere Erkrankungen bei Mensch und verschiedenen Tierarten hervorrufen. Als MTC (Mycobacterium-tuberculosis-Komplex) werden die Erreger der Tuberkulose zusammengefasst. Dazu zählen M. tuberculosis, M. bovis, M. caprae, M. africanum, M. pinnipedii und M. microti.

 

Die Tuberkulose kommt bei Mensch und Tier weltweit vor. In Deutschland tritt die Tuberkulose beim Menschen gelegentlich auf. Im Jahr 2003 erkrankten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 7184 Personen an Tuberkulose, 374 Menschen verstarben.

 

M. microti wird vor allem bei kleinen Wildtieren (Maus, Dachs, Fuchs, Marder) gefunden, verursacht aber auch Wildschweinen, Katzen und Zootieren sowie beim Menschen, vor allem bei Patienten im Status einer Immunsuppression, tuberkulöse Erkrankungen.

 

Weitere Informationen:

http://www.fli.bund.de/de/startseite/institute/institut-fuer-molekulare-pathogenese/referenzlabore/nrl-fuer-tuberkulose.html

 

http://www.rki.de/cln_151/nn_196658/DE/Content/InfAZ/T/Tuberkulose/Tuberkulose__node.html?__nnn=true

 

http://www.ag-luchs.de/

 

 

Bildnachweis:

Eurasischer Luchs: Bernard Landgraf, GNU-Lizenz

Abbildungen 1 und 2: CVUA Freiburg

 

 

Autor(en): Sarah Rodenbusch (CVUA Freiburg)

 

Bericht erschienen am 02.05.2011 14:20:27