Aufflammen der Staupe bei freilebenden Rotfüchsen

Zwischen Mitte März und Ende Mai diesen Jahres wurde bereits bei sieben Füchsen (Vulpes vulpes) aus dem Landkreis Konstanz eine Staupevirusinfektion festgestellt. Alle untersuchten Fuchskadaver, die über das zuständige Veterinäramt eingeliefert wurden, waren stark abgemagert sowie infolge einer mit wässrigem Durchfall einhergehenden Darmentzündung stark ausgetrocknet. Neben diesen Darmentzündungen wiesen sie zusätzlich in unterschiedlichem Ausmaß auch noch Lungenentzündungen auf, die durch Sekundärinfektionen mit Bakterien und Lungenwürmern verkompliziert wurden.

 

Abb. 1: Verendeter Fuchs

 

Bei einem Fuchs konnte darüber hinaus eine mit Zerstörung der weißen Gehirnsubstanz einhergehende Gehirnentzündung (Enzephalitis) bei der feingeweblichen (histologischen) Untersuchung diagnostiziert werden. Charakteristisch für die Staupeinfektion sind dabei sogenannte Einschlusskörperchen in Zellen des Zentralen Nervensystems.

 

Abb. 2 + 3: Histologische Untersuchung

 

Die durch pathologisch-anatomische und histologische Untersuchungen erhobene Diagnose „Staupe" wurde bei allen sieben Füchsen zusätzlich im Labor durch Nachweis spezifischer Erbinformationen des Erregers mittels molekularbiologischer Untersuchungsverfahren (PCR) bestätigt.

 

Abb. 4: Auswertung der PCR mittels Gelelektrophorese mit zwei Staupe-positiven Fuchsproben

 

Hinweis!
Da die Staupe sehr leicht vom Fuchs auf den Hund überspringen kann, wird an die Hundehalter appelliert, den Impfschutz ihrer Tiere zu überprüfen und bei Bedarf diesen durch Impfung aufzufrischen bzw. neu aufzubauen.

 

Infokasten

Bei der Staupe handelt es sich um eine meist tödlich verlaufende Allgemeinerkrankung, die je nach Verlaufsform mit unterschiedlicher Krankheitssymptomatik einhergeht.
Das Staupevirus, engl. canine distemper virus, CDV (Familie Paramyxoviridae, Genus Morbillivirus) ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen. Neben Füchsen sind v.a. Hunde aber auch andere Fleischfresser (Marder, Waschbären, u.a.) für diesen Erreger empfänglich. Für Menschen ist das Staupevirus jedoch ungefährlich.
Die Ausscheidung des Erregers erfolgt über sämtliche Sekrete.
Neben den häufigsten Symptomen Durchfall und Husten kann die Staupe auch mit Verhaltensänderungen, Krämpfen oder Lähmungserscheinungen einhergehen. In solchen Fällen muss differentialdiagnostisch auch immer eine Tollwuterkrankung abgeklärt werden. Seltener werden auch Hautveränderungen beobachtet.
Für Haushunde existieren seit vielen Jahren wirksame Impfstoffe.

 

 

Autor(en): M. Suntz, Fachtierarzt für Pathologie; K.-J. Danner, Fachtierarzt für Mikrobiologie (CVUA Freiburg)

 

Bericht erschienen am 14.05.2010 13:41:16