EU-Referenzlabor für Dioxine und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln

Dr. Alexander Kotz

 

Die amtlichen Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung des Lebensmittel- und Futtermittelrechts sind in der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates geregelt. Darin werden Aufgaben und Anforderungen für die folgenden drei Ebenen festgelegt:

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  • Amtliche Laboratorien,
  • Nationale Referenzlaboratorien (NRL) und
  • Europäische Referenzlaboratorien (EU-RL).

 

Die amtlichen Laboratorien führen Routineuntersuchungen von Lebensmitteln und Futtermitteln in den Mitgliedsstaaten durch. Die Nationalen Referenzlaboratorien koordinieren die Tätigkeiten auf nationaler Ebene, die Europäischen Referenzlaboratorien auf EU-Ebene. Die Europäischen Referenzlaboratorien sollen dabei eine hohe Qualität der Analytik und Vergleichbarkeit der Ergebnisse innerhalb der Mitgliedsstaaten sicherstellen.

 

Die Aufgaben der EU-RL sind in Artikel 32 der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 aufgeführt. Danach sind diese zuständig für:

 

  • die Information nationaler Referenzlaboratorien über Analyseverfahren,
  • die Durchführung vergleichender Tests (z.B. Laborvergleichsuntersuchungen),
  • die Koordinierung der Anwendung neuer Analyseverfahren,
  • die Durchführung von Ausbildungs- und Weiterbildungskursen für das Personal nationaler Referenzlaboratorien sowie für Experten aus Entwicklungsländern,
  • die wissenschaftliche und technische Unterstützung der EU Kommission,
  • die Zusammenarbeit mit Laboratorien, die in Drittländern für die Analyse von Futtermitteln und Lebensmitteln zuständig sind.

 

Das CVUA Freiburg wurde 2006 als Europäisches Referenzlabor für den Bereich „Dioxine und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln" ausgewählt. Es ist unterteilt in zwei Arbeitsbereiche:

 

  • Bioanalytische Screeningverfahren
  • Physikalisch-chemische Screening- und Bestätigungsverfahren

 

Entwicklung und Einsatz von Analysenverfahren

AufarbeitungEine wichtige Aufgabe des Europäischen Referenzlabors ist die Entwicklung neuer Analysenmethoden bzw. die Überprüfung und Bewertung bestehender Methoden. In diesem Zusammenhang steht im physikalisch-chemischen Bereich die Entwicklung neuer Extraktions- und Aufreinigungsmethoden sowie die Überprüfung der Routinetauglichkeit verschiedener manueller und automatisierter Verfahren im Vordergrund.

 

Im Bereich der Messtechnik ist in den vergangenen Jahren insbesondere der Vergleich von bislang etablierten Bestätigungsverfahren (basierend auf hochauflösender Massenspektrometrie) mit den neu hinzugekommenen Bestätigungsverfahren (basierend auf Tandem-Massenspektrometerie) von Bedeutung.

 

Im Bereich „Bioanalytische Screeningverfahren" kommen insbesondere CALUX-Zelltests zur Untersuchung von Lebensmittel- und Futtermittelproben zum Einsatz. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung, Optimierung und Validierung von Methoden für verschiedenste Lebensmittel- und Futtermittelmatrizes vor dem Hintergrund der neu etablierten Kriterien für bioanalytische Screeningverfahren. Die Überprüfung der Einsetzbarkeit der von kommerziellen Anbietern vertriebenen Bioassay-Tests ist eine weitere wichtige Aufgabe des EU-RL.

 

Laborvergleichsuntersuchungen (LVU)

LVU-ProbenZur Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Nationalen Referenzlaboratorien und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse veranstaltet das EU-RL für Dioxine und PCB zweimal jährlich Laborvergleichsuntersuchungen für die Untersuchung von Lebensmitteln und Futtermitteln auf polychlorierten Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane (PCDD/F) und polychlorierte Biphenyle (PCB). Die Teilnahme ist für die NRL der EU-Mitgliedsstaaten verpflichtend, zusätzlich stehen diese Laborvergleichsuntersuchungen auch den amtlichen Laboratorien der EU-Mitgliedsstaaten und Nationalen Referenzlaboratorien oder amtlichen Laboratorien von Drittländern, sowie zum Teil auch private Handelslaboratorien, offen.

 

In den Jahren 2006 bis 2015 wurden insgesamt 18 Laborvergleichsuntersuchungen und Ringtests (in zwei Fällen auch in Kooperation mit anderen Organisationen) angeboten. Die Anzahl der Teilnehmer stieg dabei im Laufe der Jahre bis auf durchschnittlich 90 bis 100 an. Dabei berichteten 50-60 % der Teilnehmer Ergebnisse für PCDD/F und dioxin-ähnliche PCB, ca. 90 % Ergebnisse für nicht-dioxin-ähnliche PCB mittels physikalischer-chemischer Methoden und ca. 10 % der Teilnehmer Ergebnisse mittels bioanalytischer Screeningverfahren. Im Rahmen dieser Laborvergleichsuntersuchungen lagen ca. 80 % der Ergebnisse für die relevanten Summenparameter für PCDD/F und PCB in einem guten bis sehr guten Bereich.

 

Workshops

Die Ergebnisse der Laborvergleichsuntersuchungen sowie neue Entwicklungen im Bereich Analytik und rechtliche Vorgaben werden im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Workshops mit Vertretern der EU Kommission, dem EU Referenzlabor und Vertretern der Nationalen Referenzlaboratorien vorgestellt und diskutiert. Ferner dienen Arbeitsgruppensitzungen zur Entwicklung harmonisierter Vorgaben in unterschiedlichsten analytischen Bereichen (z.B. Harmonisierung der Ermittlung von Messunsicherheit oder Nachweis- und Bestimmungsgrenzen).

 

Workshop

 

Überarbeitung der Analysenkriterien für Dioxine und PCB

Eine wesentliche Aufgabe des Netzwerks aus Europäischem Referenzlabor und Nationalen Referenzlaboratorien ist die wissenschaftliche Unterstützung der EU Kommission, insbesondere im analytischen Bereich. In diesem Zusammenhang wurden auch die etablierten Analysenkriterien für die Untersuchung von Lebensmitteln und Futtermitteln auf PCDD/F und PCB mehrfach optimiert und angepasst. Die Anpassung der Kriterien für bioanalytische Screeningverfahren und für alternative physikalisch-chemische Bestätigungsverfahren (GC-MS/MS) hatte großen Einfluss auf die Gesetzgebung im Bereich Dioxine und PCB.

 

Weitere Informationen

Europäisches Referenzlabor „Dioxine und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln"

 

Bildnachweis

alle CVUA Freiburg

 

 

Bericht erschienen am 10.12.2008 11:35:54