Spargel und Erdbeeren aus der Region - stimmt die Herkunftsangabe?

Dr. Eva Annweiler (CVUA Freiburg)

 

SpargelViele Verbraucher freuen sich besonders auf den ersten heimischen Spargel oder die ersten Erdbeeren aus der Region. Aber stimmt die Herkunftsangabe auch?
Das CVUA Freiburg überprüft jedes Jahr die Herkunftsangaben der beiden wichtigen regionalen Kulturen im Handel mit Hilfe der sogenannten Stabilisotopen-Analyse.

Untersucht werden sowohl Stichproben aus dem Handel als auch Proben, die von den Lebensmittelkontrolleuren mit Verdacht auf falsche Deklaration der Herkunft gezielt ausgewählt wurden.

 

Im Jahr 2014 fielen wieder einzelne Proben durch eine falsche Herkunftsangabe auf. Untersucht wurden insgesamt 38 Spargel- sowie 22 Erdbeerproben. Hiervon waren eine Spargel- und zwei Erdbeerproben auffällig.

 

Regionale Herkunft ist begehrt

Spargel ist, bedingt durch den pflege- und arbeitsintensiven Anbau, an sich bereits ein hochpreisiges Gemüse. Dennoch sind die meisten Verbraucher bereit, für Spargel aus heimischem Anbau noch etwas mehr auszugeben.
Auch bei Erdbeeren steht Ware aus der Region bei Verbrauchern hoch im Kurs.

Doch gerade die Möglichkeit, Produkte mit regionaler Herkunftsangabe besser oder zu höheren Preisen absetzen zu können, führt immer wieder dazu, dass billigere Ware anderer Herkunft durch Etikettenschwindel „regionalisiert" wird und so auf unredliche Weise ein höherer Gewinn erzielt werden kann.
Dabei wird zum einen der Verbraucher über die Herkunft der Ware getäuscht, aber auch die heimischen Erzeuger werden geschädigt.

 

ErdbeerenDie risikoorientierte Überprüfung der Herkunftsangabe bei Spargel und Erdbeeren durch das CVUA Freiburg erfolgt gezielt zu Beginn der Saison, da zu diesem Zeitpunkt das Angebot an heimischer Ware noch rar und der Preis hoch ist. So besteht ein besonders großer Wettbewerbsvorteil für Spargel oder Erdbeeren aus der Region.

 

Die Kontrolle der Herkunftsangaben bei Lebensmitteln erfolgt häufig durch die Überprüfung von Dokumenten wie Lieferscheinen oder Rechnungen, doch Papier kann anfällig für Manipulationen sein. Auch mit üblichen konventionellen Analysenmethoden lässt sich die Herkunft kaum überprüfen, da die Herkunft die stoffliche Zusammensetzung nicht nachweislich beeinflusst.

 

Herkunftsnachweis mit der Stabilisotopen-Analyse

Mit der Stabilisotopen-Analyse steht der Lebensmittelüberwachung eine Labormethode zur Verfügung, um die Herkunft von Lebensmitteln zu überprüfen. Das Verfahren beruht auf der Tatsache, dass die leichten Bioelemente wie Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel als Bausteine unserer Lebensmittel immer in Form mehrerer stabiler Isotope vorliegen. Das Verhältnis dieser stabilen Isotope wird durch lokale Isotopeneffekte beeinflusst, wodurch sich die isotope Zusammensetzung eines Produktes an verschiedenen Standorten unterscheidet. (weiterführende Informationen s. a. http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=3&Thema_ID=21&ID=1033

LaborZur Überprüfung der Herkunft erfolgt der Vergleich der Stabilisotopenwerte der unbekannten Probe mit den Isotopenverhältnissen authentischer Proben. Als authentische Proben werden Spargel- und Erdbeerproben bekannter Herkunft bezeichnet, die durch eine amtliche Probenahme durch die Qualitätskontrolleure der Regierungspräsidien direkt vom Feld entnommen werden. Auch der Vergleich mit den Daten aus der erweiterten laboreigenen Datenbank, die auch Handelsproben umfasst, sowie gegebenenfalls der Abgleich mit Daten aus weiteren Bundesländern lässt Falschdeklarationen erkennen.

Untersuchungsergebnisse aus 2014

Spargel

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 30 Spargelproben regionaler Herkunft aus dem Handel entnommen und mit Hilfe der Stabilisotopenanalyse untersucht. Ergänzend erfolgte die Untersuchung von Spargel ausländischer Herkunft sowie von Referenzproben, die durch die Unterstützung der Qualitätskontrolleure der Regierungspräsidien direkt vom Spargelfeld entnommen werden konnten. Eine der untersuchten Spargelproben fiel durch eine irreführende Herkunftsangabe auf.

 

Erdbeeren

Im Jahr 2014 wurden 15 Erdbeerproben aus dem Handel mittels Stabilisotopen-Analytik untersucht. Dabei wurden Erdbeeren mit regionaler Auslobung vor allem zu Saisonbeginn entnommen.

 

Grafik

Abb. Differenzierung von Erdbeerproben der Ernte 2014 nach ihrer Herkunft mittels Stabilisotopen-Methode; grüne Datenpunkte: regionale Vergleichsproben; rote Datenpunkte Erdbeerproben mit Verdacht auf falsche Herkunft; rosa Datenpunkte: Erdbeerproben spanischer Herkunft.

 

Wie die rot markierten Proben in der Abbildung verdeutlichen, zeigten zwei Proben, deren Herkunft als „heimisch" bzw. "deutsch" ausgelobt war, deutliche Abweichungen von den Isotopendaten der entsprechenden Vergleichsproben (grüne Symbole). Die ermittelten Isotopenwerte waren hingegen typisch für die Herkunft Spanien (rosa Rauten).
Eine dieser auffälligen Proben war als Verdachtsprobe aufgrund eines telefonischen Hinweises eines Bürgers von der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde entnommen worden. Die an einem Straßenverkaufsstand angebotenen und als heimisch ausgelobten Erdbeeren waren dem Hinweis zu Folge spanische Erdbeeren, die zuvor in einem naheliegenden Discounter erworben wurden. Mit Hilfe der Stabilisotopenanalytik konnte dieser Verdacht bestätigt werden.

 

 

Bericht erschienen am 01.04.2015 14:50:13