Neue Probleme mit alkoholhaltigen Mischgetränken nach der Marktbereinigung durch das Alkopopsteuergesetz

Dr. D. Lachenmeier

 

Der in den letzten Jahren stark angestiegene Konsum von alkoholhaltigen Mischgetränken mit fruchtig-süßem Aroma, sog. Alkopops, hat offenbar zu einer Verharmlosung des Alkoholkonsums insbesondere bei jugendlichen Verbrauchern geführt.

Durch den süßen Geschmack der Getränke wird der Alkoholgeschmack und die natürliche Hemmschwelle von Kindern und Jugendlichen beseitigt, so dass ein Trinkverhalten wie bei Erfrischungsgetränken festgestellt wurde.
Zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkoholkonsums wurde daher am 23. Juli 2004 das sogenannte Alkopopsteuergesetz erlassen [1]. Darin wurde eine Sondersteuer festgelegt und der Warnhinweis „Abgabe an Personen unter 18 Jahre verboten" in der Etikettierung der Produkte vorgeschrieben. Das Gesetz beschränkt sich allerdings nur auf Mischgetränke mit Produkten im Sinne des Branntweinmonopolgesetzes (Spirituosen). In der Praxis der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurde seit Einführung des Gesetzes beobachtet, dass eine Vielzahl von Herstellern in ihren Produkten den Spirituosenanteil durch Weinalkohol ersetzt. Eine große Anzahl von bierhaltigen Mischgetränken und sogar pulverförmige Darreichungen sind ebenfalls erhältlich. Durch diese Fehlsteuerung des Alkopopsteuergesetzes wurde erreicht, dass solche bier- und weinhaltigen Getränke laut Jugendschutzgesetz bereits an Jugendliche ab 16 Jahren abgegeben werden dürfen, obwohl sie prinzipiell den gleichen Geschmack und Alkoholgehalt aufweisen, wie die Rezepturen mit Spirituosen. Aus Sicht der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist hier dringend eine Vereinheitlichung erforderlich. Das Abgabeverbot an Minderjährige und die Sondersteuer sollten gleichermaßen für alle alkoholhaltigen Mischgetränke gelten.
Neben dem Problem des Jugendschutzes liegt durch die Umstellung der Rezepturen oft auch eine Irreführung des Verbrauchers vor. Weinhaltige Getränke werden nach Umstellung der Rezeptur unter fast identischer Aufmachung mit Auslobungen wie z.B. Rum- oder Wodkageschmack in Verkehr gebracht, ohne dass Anteile dieser Spirituosen im Produkt enthalten sind.
Weiterhin werden nun auch weinhaltige Getränke mit weiteren Inhaltsstoffen (z.B. Taurin, Koffein) als sogenannte alkoholhaltige Energydrinks angeboten. Diese Produktgruppe sollte besonders kritisch überprüft werden, da die Unschädlichkeit solcher Inhaltsstoffe im Zusammenwirken mit Alkohol wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert ist. Werbeaussagen wie „Muntermacher" sind wissenschaftlich nicht haltbar, irreführend und können zu fatalen Fehleinschätzungen der Kosumenten führen, dass z.B. Koffein relevante Alkoholwirkungen (z.B. im Straßenverkehr) aufheben oder mildern könnte.

 

 

 

Bericht erschienen am 24.11.2008 13:52:16