LiDa-Kapseln – Diät mit Gesundheitsrisiko

Schlankheitsmittel LiDa jetzt mit Uralt-Wirkstoff Phenolphthalein

Das angeblich „rein pflanzliche“ Schlankheitsmittel „LiDa“ aus Fernost hat schon öfters von sich reden gemacht: In diesen Kapseln ist – wenn sie vom Zoll abgefangen wurden – wiederholt der wegen starker Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System nicht mehr zugelassene Arzneistoff Sibutramin nachgewiesen worden, u.a. auch im CVUA Karlsruhe.

 

Um es den deutschen und europäischen Behörden aber nicht allzu leicht zu machen, haben sich die Hersteller der problematischen Kapseln jetzt offenbar etwas Neues, dabei aber im Grunde Uraltes einfallen lassen: anstelle von Sibutramin den Zusatz des „Uralt-Abführmittels“ Phenolphthalein, das bereits im Jahre 1871 von A. von Baeyer synthetisiert wurde. Chemisch vorgebildeten Personen dürfte Phenolphthalein hauptsächlich als Indikator bekannt sein, da der in sauren und neutralen wässrigen Lösungen vorliegende farblose Stoff sich bei Anwesenheit von Alkalien tief karminrot färbt. Medizinisch wurde Phenolphthalein wegen seiner Reizungen der Dickdarmwand lange Zeit als Abführmittel verwendet, bis es wegen seiner erheblichen Nebenwirkungen (z.B. Überempfindlichkeitsreaktionen, Darmblutungen, Verdacht auf karzinogenes Potential) aus dem Verkehr gezogen wurde. Dies hindert die asiatischen Vertreiber (Herkunftsangabe auf der untersuchten Probe: Hongkong) allerdings offenbar nicht daran, den überholten Stoff u.a. in Europa anzubieten.

 

Abb.: LiDa-Kapseln.

Abb.: LiDa-Kapseln

 

„LiDa“ wird auch in der jetzigen Form in Deutschland als nicht zugelassenes, bedenkliches Arzneimittel eingestuft und ist somit nicht verkehrs- und einfuhrfähig. Der Handel oder Verkauf mit nicht zugelassenen Arzneimitteln ist außerdem auch ein Straftatbestand.

 

In diesem Zusammenhang wird zum wiederholten Mal vor den Gefahren beim Kauf von Arzneimitteln (oder auch ähnlichen, sog „Borderline-Produkten“) bei unseriösen Anbietern im Internet gewarnt! Die Gesundheit ist ein hohes Gut, deshalb sollte sie nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt werden. Beim Kauf von Arzneimitteln oder häufig auch als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Produkten bei dubiosen und unseriösen Anbietern über das Internet besteht die Gefahr Arzneimittel oder Erzeugnisse zu erwerben, die nicht die erforderliche Qualität aufweisen, bzw. gefälscht, gefährlich oder unwirksam sind. Sichere Arzneimittel sollten daher bei der „Apotheke um die Ecke“ oder bei zugelassenen Versandapotheken erworben werden.

 

 

Autor(en): Dr. M. Kohl-Himmelseher

 

Bericht erschienen am 12.06.2014 11:42:18