Pharmakologisch wirksame Stoffe

Pharmakologisch wirksame Stoffe werden in der modernen landwirtschaftlichen Nutztierproduktion in Form von Tierarzneimittelpräparaten eingesetzt. Die Anwendung von Tierarzneimitteln ist unerlässlich, um erkrankte Tiere zu behandeln und die Ausbreitung von Krankheiten auf den ganzen Tierbestand zu verhindern. Tierarzneimittel leisten so einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Tiergesundheit und damit auch zur Produktion gesunder tierischer Lebensmittel. Nach einer Behandlung Lebensmittel liefernder Tiere muss jedoch zum Schutz des Verbrauchers sichergestellt werden, dass keine unzulässigen Rückstände der Arzneimittel in Produkten von diesen Tieren wie essbare Gewebe, Milch und Eier vorhanden sind. Rechtlich sind Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe definiert als Stoffe, bei denen es sich um wirksame Bestandteile, Arzneiträger oder Abbauprodukte sowie um ihre in Lebensmitteln tierischen Ursprungs verbleibenden Stoffwechselprodukte handelt.

Unsachgemäße und missbräuchliche Anwendung von Tierarzneimitteln

Zur Beurteilung der Rückstände zugelassener Tierarzneimittelwirkstoffe und deren Abbauprodukte in essbaren Geweben und Produkten wird zwischen akzeptablen und nicht akzeptablen Rückständen unterschieden. Für die einzelnen Wirkstoffe gelten sog. duldbare Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Limits, kurz MRL), die bei dem Zulassungsverfahren des Tierarzneimittelwirkstoffes unter Berücksichtigung umfangreicher toxikologischer Daten festgelegt werden. Bei Unterschreitung dieser Höchstmengen ist das Lebensmittel als gesundheitlich unbedenklich anzusehen. Um sicherzustellen, dass die zulässigen Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände nicht überschritten werden, sind für die Tierarzneimittel sog. Wartezeiten gesetzlich vorgeschrieben. Unter Wartezeit versteht man die Zeit zwischen der letzten Verabreichung eines Tierarzneimittels und der Gewinnung von Lebensmitteln vom jeweils behandelten Tier. Werden Arzneimittel allerdings unsachgemäß eingesetzt, z. B. durch Nichteinhaltung der erforderlichen Wartezeit, oder kommen gar Wirkstoffe wie Chloramphenicol oder Malachitgrün zum Einsatz, deren Anwendung verboten ist, kann dies zu Rückständen führen, die ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher darstellen.

 

Rechtliche Anforderungen

Die Einstufung pharmakologisch wirksamer Stoffe und Festlegung von Rückstandshöchstmengen (MRL) für Lebensmittel tierischen Ursprungs ist EU-weit in den Verordnungen VO (EG) Nr. 470/2009 und VO (EU) Nr. 37/2010 geregelt. Im Anhang in Tabelle 1 der Verordnung VO (EU) Nr. 37/2010 sind alle zulässigen pharmakologisch wirksamen Stoffe, d.h. solche mit und ohne MRL in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Die in Tabelle 2 aufgelisteten Stoffe sind hingegen bei Lebensmittel liefernden Tieren in der EU verboten. Die Verwendung einiger pharmakologisch wirksamer Stoffe als Futtermittelzusatzstoffe ist über das Gemeinschaftsregister der zugelassenen Futtermittel-Zusatzstoffe nach der VO (EG) Nr. 1831/2003 geregelt. Pharmakologisch wirksame Stoffe, die nicht in den Anhängen der VO (EU) Nr. 37/2010 aufgeführt sind, dürfen nicht an Tiere, die der Lebensmittelgewinnung dienen, verabreicht werden. (Ausnahmeregelungen gelten für Pferde, die der Lebensmittelgewinnung dienen.) Für diese Stoffe gilt somit Nulltoleranz, d.h. sie dürfen im Lebensmittel analytisch nicht nachweisbar sein.

 

Proben nach dem Nationalen Rückstandskontrollplan

Die Überwachung tierischer Lebensmittel auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe wird europaweit nach einheitlichen Maßstäben durchgeführt. Jeder Mitgliedstaat ist dazu verpflichtet, jährlich einen nationalen Kontrollplan zu erstellen und die Kontrollen entsprechend durchzuführen. Im nationalen Rückstandskontrollplan (NRKP) sind bundesweit Vorgaben zum Mindestprobenumfang, zum Stoffspektrum, für die anzuwendende Methodik und zur Probenahme festgelegt. Die Probenahme erfolgt zielorientiert. Das bedeutet, dass Kenntnisse über örtliche oder regionale Gegebenheiten berücksichtigt werden und dass Hinweisen auf unzulässige oder vorschriftswidrige Tierbehandlungen nachgegangen wird. Im Rahmen des NRKP werden alle der Lebensmittelgewinnung dienenden Tier¬arten sowie Primärerzeugnisse wie Eier, Milch und Honig überwacht. Der Hauptteil der untersuchten Proben stammt aus Schlachthöfen, ein bestimmter Anteil der Proben wird aber auch direkt in Erzeugerbetrieben vom lebenden Tier (Urin, Blutplasma) erhoben.

Probe zur Untersuchung

 

 


Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2010

 

Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2011

 

Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2012

 

 

Autor(en): C. Skiera

 

Bericht erschienen am 30.08.2012 11:31:03

Zuletzt aktualisiert am 18.06.2013 15:15:56