Geschichtliches der Lebensmittelüberwachung und des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe

Dr. T. Kuballa

 

18.Jahrhundert


Im 18. Jahrhundert wurden regelmäßige polizeiliche Sinnenprüfungen der Viktualien durchgeführt, die am Rathaus und an der Kirche in Durlach angeboten wurden

1777 wurde an der Universität Heidelberg ein tierärztlicher Lehrstuhl errichtet und 1778 in Karlsruhe die Tierarzneischule gegründet.

 

19.Jahrhundert

 

Seit 1820 lässt das Großherzogliche Bezirksamt auf den Märkten die Milch mittels Senkspindeln auf Wässerung und Entrahmung überprüfen. Auch der Wassergehalt der feilgebotenen Butter wird mit einer einfachen Apparatur überprüft.

1851 erhielt das Großherzogliche Polytechnikum ein chemisches Unterrichtslaboratorium, in dem später unter der Leitung von Professor Birnbaum die wissenschaftlichen sachverständigen Prüfungen von Lebensmitteln erfolgten, die vor Gericht zu Beanstandungen führten.

Die Karlsruher Tierarzneischule wurde 1860 wieder geschlossen.

Im Jahr 1864 erfolgte eine Neuordnung des Veterinärwesens, indem die Veterinärverwaltung aus der Medizinalverwaltung herausgelöst und zu einer selbstständigen Veterinärabteilung im damaligen Obermedizinalrat wurde.

Der tierärztliche Lehrstuhl an der Universität Heidelberg wurde 1865 aufgegeben.

1876 beauftragte das Innenministerium von Baden den damaligen Vorstand des chemischen Laboratoriums des Polytechnikums in Karlsruhe, der ältesten Technischen Hochschule, Professor Birnbaum, Polizeibeamte durch Praktika zur Lebensmittelkontrolle vor Ort auszubilden.

1877 erfolgte auf Anweisung von Reichskanzler Fürst Bismarck die Einrichtung eines chemischen Laboratoriums im Reichsgesundheitsamt. Eine Abteilung des Polytechnikums in Karlsruhe wird „Station zur Prüfung von Lebensmitteln" genannt. Damit beginnt nach Erlass des ersten deutschen Nahrungsmittelgesetzes 1879 die chemische Lebensmittelüberwachung in Karlsruhe. Die Lebensmittelprüfungsstation war von nun an eine „öffentliche Anstalt zur Untersuchung von Nahrungs- und Genussmitteln" im Sinne dieses Gesetzes.

1888 wurde die Lebensmittelprüfungsstation zu einer selbständigen, dem Innenministerium unterstellten, „Großherzoglichen Lebensmittelprüfungsstation der Technischen Hochschule Karlsruhe" unter der späteren Leitung von Professor Rupp.

Im Mai 1896 wurde die tierhygienische Abteilung im Hygiene-Institut der Universität Freiburg gegründet und 1897 Prof. Schlegel als Assistent berufen.

 

Jahrhundertwende


Die Organisation der Lebensmittelüberwachung wurde derart gestaltet, dass von den gängigen Lebensmitteln nahezu täglich, von anderen und Bedarfsgegenständen von Zeit zu Zeit von den Polizeibeamten Proben erhoben und bei der Lebensmittelprüfungsstation zur Untersuchung eingeliefert wurden.

 

20.Jahrhundert

 

1901 zog die Lebensmittelprüfungsstation in das geräumigere Gartengebäude des botanischen Instituts um.

Nahezu zeitgleich wurde von 1903 bis 1905 der Neubau des Tierhygienischen Institutes in unmittelbarer Nachbarschaft des Hygiene-Instituts in Freiburg errichtet, welches dem Badischen Innenministerium unterstellt war. 1920 ernannte man Professor Schlegel zum Direktor des THI Freiburg.

Durch Bekanntmachung des Großherzoglich Badischen Ministeriums des Innern vom 9. März 1908 wurde das Institut zur selbstständigen Anstalt erhoben und der Aufsicht des Ministeriums des Innern unterstellt.

1924 trat Professor Rupp nach 36jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Professor Gronover trat dessen Nachfolge an und erneuerte von Grund auf die Ausstattung der Lebensmittelprüfungsstation der Technischen Hochschule Karlsruhe. Die 1925 aus dem Hochschulbereich ausgegliederte Einrichtung wird nun „Staatliche Lebensmitteluntersuchungsanstalt" genannt und dem damaligen Kultusministerium unterstellt.

1933 übernahm Professor Trautwein die Leitung des Tierhygienischen-Instituts in Freiburg, 1936 Professor Täufel die Leitung der Staatlichen Lebensmitteluntersuchungsanstalt in Karlsruhe.

1945 begann unter Dr. Bäurle der Wiederaufbau im durch den Krieg zerstörten Dienstgebäude der Staatlichen Lebensmitteluntersuchungsanstalt in Karlsruhe mit einem Personalstand von zwei Chemikern, vier Laboranten, einem Lehrling und einer Schreibkraft.

Zeitgleich wurde auf Anordnung des Badischen Ministeriums des Innern erstmalig eine Außenstelle des Freiburger Tierhygienischen-Instituts in Heidelberg auf dem Gelände des alten Schlachthofes in der Bergheimer Straße eingerichtet. Mit der Leitung wurde Frau Dr. Osolina beauftragt, der zunächst drei, später fünf Mitarbeiter zugeteilt wurden. Im Dezember 1954 wurde die Außenstelle aufgelöst und die Aufgaben vom Tierhygienischen Institut in Freiburg übernommen.

Mit der Bekanntmachung des Innenministeriums Baden-Württemberg vom 13. November 1962 wurde die Außenstelle des Tierhygienischen Instituts Freiburg mit Sitz in Heidelberg errichtet. Die Unterbringung erfolgte im Zuge des Neubaus des städtischen Schlachthofes am Czernyring. Die Leitung wurde Dr. Nassal übertragen. Der Dienststelle standen bis Ende 1964 insgesamt 28 Mitarbeiter, davon fünf Tierärzte, neun Medizinisch-Technische Angestellte sowie 14 technische Hilfskräfte zur Verfügung, die in den Abteilungen für Bakteriologie und Serologie, Pathologie und Histologie, Tollwut, Tuberkulose und Lebensmittel tierischer Herkunft tätig waren.

1963 wurde die Lebensmittelprüfungsanstalt in die Chemische Landesuntersuchungsanstalt Karlsruhe (CLUA) umbenannt, nachdem aufgrund einer Initiative von Geheimrat Juckenack eine Eingliederung mehrerer kleinerer chemischer Untersuchungsämter durch das Innenministerium stattfand.

1964 erfolgte der Umzug des CLUA Karlsruhe in das neue Dienstgebäude in der Hoffstraße unter der Leitung von Dr. Jägerhuber, der 1972 die Leitung an Herrn Dr. Berg übergab.

Am 1. Januar 1969 wurde die Außenstelle des Tierhygienischen Instituts Freiburg mit Sitz in Heidelberg mit der Bezeichnung „Staatlich Tierärztliches Untersuchungsamt" (STUA) selbstständig und mit 38 Bediensteten der Dienstaufsicht des Regierungspräsidiums Nordbaden unterstellt. Die Leitung übernahm Professor Nassal (Institutsleiter von 1962 bis 1988). Die Tuberkulosebekämpfung wurde als Zentralaufgabe für Baden-Württemberg im Untersuchungsamt etabliert. Weitere Schwerpunktaufgaben lagen in der Tierseuchenbekämpfung und der Überwachung von Lebensmitteln tierischer Herkunft sowie der Rückstandsanalytik, hier insbesondere der Nachweis pharmakologisch wirksamer Substanzen.

1971 erfolgte die Zusammenlegung der Städtischen Chemischen Untersuchungsämter Heidelberg und Mannheim. Die Mannheimer Einrichtung wurde zur Außenstelle der CLUA Karlsruhe.

1979 umfasst die CLUA Karlsruhe 100 Mitarbeiter, darunter 24 Lebensmittelchemiker und 50 technische Mitarbeiter und ist damit eine der größten Untersuchungseinrichtungen des Bundesgebietes. Durch die damit entstandene beträchtliche Raumnot im Gebäude in der Hoffstraße werden auch die bereits seit 1975 bestehenden Pläne für einen Neubau aufgegriffen.

1988 übernimmt Veterinärdirektor Dr. Geßler die Leitung des STUA Heidelberg.

Die Grundsteinlegung für den ersten Bauabschnitt des Neubaus der CLUA Karlsruhe in der Weißenburger Straße in Karlsruhe findet am 17. April 1997 unter dem Amtsleiter Dr. Berg statt.

Am 1. Januar 1999 wurde die lebensmittelchemische Abteilung des Chemischen Untersuchungsamtes der Stadt Pforzheim in die CLUA Karlsruhe eingegliedert.

Der Umzug eines Teils der Laborbereiche der CLUA Karlsruhe in den ersten Bauabschnitt in der Weißenburger Straße fand in den Monaten März und April 1999 statt. Im gleichen Zuge wurde die Außenstelle Mannheim aufgelöst und die dortigen Arbeitsgebiete auf die beiden Karlsruher Häuser verteilt.

 

21.Jahrhundert

 

Am 01. Januar 2000 wurde durch Zusammenlegung der ehemaligen Chemischen Landesuntersuchungsanstalt Karlsruhe und der Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsanstalt in Heidelberg das heutige integrierte Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe (CVUA) gebildet. Damit sind alle amtlichen Untersuchungen an Lebensmitteln im Regierungsbezirk Nordbaden unter einem Dach zusammengefasst. Gleichzeitig werden die mikrobiologischen Untersuchungen von Trinkwasser und pflanzlichen Lebensmitteln als Dienstaufgabe vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart übernommen.

Im Mai 2000 erfolgte der Umzug der Untersuchungslaboratorien für tierische Lebensmittel von Heidelberg in die Weißenburger Straße in Karlsruhe.

Am 12. April 2000 wurde Ltd. Veterinärdirektor Dr. Geßler zum Amtsleiter des CVUA Karlsruhe bestellt.

Vom 1. November 2001 bis 31.08.2016 leitete Ltd. Veterinärdirektorin Dr. S. Hartmann das CVUA Karlsruhe.

 

 

Bericht erschienen am 26.11.2008 09:00:11