Bestimmung von Anethol in Spirituosen mittels HS-SPME/GC-MS

Für bestimmte Spirituosen mit Anis wie Pastis, Sambuca oder Mistrà sind in VO (EWG) 1576/89 und VO (EWG) 1014/90 Höchst- und Mindestgehalte für Anethol festgelegt. Bei anderen anishaltigen Spirituosen wie Ouzo oder Raki wird der Anetholgehalt zur Feststellung der Verkehrsüblichkeit herangezogen.

In der in VO (EG) 2091/2002 mitgeteilten offiziellen Referenzmethode zur Bestimmung von Anethol in Spirituosen durch Gaschromatographie (GC) wird für zuckerhaltige Spirituosen (z.B. Sambuca) ein arbeitsintensives und zeitaufwändiges Extraktionsverfahren vorgeschrieben (Dauer 2,5 h), da bei direkter Injektion der Proben eine Kontamination des GC Injektors erfolgen würde. Ziel der vorliegenden Arbeit war daher, die Extraktion von Anethol aus Spirituosenproben zu verbessern. Dazu wurde eine gegenüber der Referenzmethode wesentlich beschleunigte Flüssig-Flüssig-Extraktion (FFE) entwickelt. 1 ml Probe wird nach Zugabe von 1-Undecanol als internem Standard jeweils dreimal mit n-Hexan extrahiert (Dauer ca. 20 min). Die vereinigten Extrakte werden mit n-Hexan auf 50 ml aufgefüllt und direkt mittels GC-FID bestimmt.
Daneben wurde als moderne Alternative die Headspace-Festphasenmikroextraktion (Solid-phase microextraction, SPME) evaluiert. Die Absorption erfolgt bei der SPME an einer von außen mit Polydimethylsiloxan beschichteten Faser, die zur Anreicherung der Analyten in den Headspace über der Probe gehalten wird. Alle Arbeitsschritte werden ohne manuelle Intervention auf einem Autosampler-Roboter ausgeführt. Probenvorbereitung (pH-Wert, Salzzusatz), Extraktions- und Desorptionsbedingungen (Temperatur, Zeit) der HS-SPME-Methode wurden optimiert. 1 ml pH7-Puffer, 10 µl Probe und Cyclodecanon als interner Standard werden im Autosampler 1 min bei 35 °C konditioniert, 6 min mit einer 100 µm PDMS-SPME Faser extrahiert und anschließend 2 min bei 250 °C im GC-Injektor desorbiert.
Die Anwendbarkeit beider Methoden wurde durch die Analyse von unterschiedlichen Spirituosen unter Beweis gestellt. Sowohl FFE als auch SPME zeigten sehr gute Linearitäten mit Korrelationskoeffizienten über 0,99 und sehr gute Präzisionen zwischen 0,8 und 4,7%. Die Nachweisgrenzen lagen unter Berücksichtigung des mittels Eichkurvenverfahrens nach DIN 32645 evaluierten Bereiches und der jeweiligen Probenverdünnung bei 0,3 mg/L (SPME) bzw. 10 mg/L (FFE). Beim Vergleich beider Verfahren zeigte sich eine signifikante lineare Korrelation der Ergebnisse (R=0,90, p=0,0003). Erstmals konnte gezeigt werden, daß HS-SPME/GC/MS eine schnelle, empfindliche und robuste Alternative für die Analyse von Anethol in alkoholischen Getränken darstellt.
Die Methodenvalidierung ergab, daß sowohl FFE als auch SPME geeignet sind, einen sicheren quantitativen Nachweis von Anethol in Spirituosen zu führen. Gegenüber der Referenzmethode wurde mit beiden Verfahren bei vergleichbarer Präzision eine wesentlich verkürzte und vereinfachte Probenvorbereitung erreicht, wobei HS-SPME durch die nur sechsminütige vollautomatische Extraktion die größten Vorzüge bietet.

 

 

 

Autor(en): Dr. D. Lachenmeier, E. Sohnius

 

Bericht erschienen am 24.11.2008 14:02:15