Coxiella burnetii als Erreger der Zoonose Q-Fieber

In Deutschland treten jedes Jahr Q-Fieberausbrüche auf. Eine solche Infektion kann weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit der Betroffenen haben.

Dr. M. Lange

 

Coxiella burnetii (C. burnetii) ist ein obligat intrazelluläres Bakterium, d. h. die Vermehrung des Krankheitserregers erfolgt nur in infizierten Wirtszellen. Eine Kultivierung z. B. auf Nährböden ist nicht möglich. Es handelt sich bei diesem Bakterium um einen Zoonoseerreger, die Übertragung der Infektion erfolgt somit vom Tier auf den Menschen. Aufgrund der hohen Stabilität der Coxiellen in der Umwelt setzt dies keinen unmittelbaren Kontakt mit dem infizierten Tier voraus. Begünstigt wird die indirekte Übertragung durch eine sehr geringe minimale infektiöse Dosis (MID): Es wird angenommen, dass bei Aufnahme über die Atemwege bereits ein infektiöses Bakterium für die Infektion eines Menschen ausreichen kann. Allerdings verlaufen C. burnetii-Infektionen des Menschen zumeist ohne Erkrankungen. Kommt es zum Auftreten von Krankheitserscheinungen, werden diese als Q Fieber bezeichnet. Dabei wird zwischen akutem und chronischem Q Fieber unterschieden. Akutes Q Fieber äußert sich typischerweise durch hohes Fieber, Kopf- bzw. Gliederschmerzen, wird z. T. von Pneumonien oder Leberentzündungen begleitet und heilt meist binnen zwei bis vier Wochen aus. Gravierender ist dagegen das chronische Q-Fieber. Bei dieser Verlaufsform siedelt sich der Erreger zumeist in den Herzklappen an und bedingt dort eine fortschreitende Entzündung. Durch diese Endokarditis kann die Funktion des Herzens soweit beeinträchtigt werden, dass eine Transplantation erforderlich wird.
In Deutschland sind infizierte Schafherden die wichtigste Quelle für Q Fieberausbrüche. Neben diesen Ausbrüchen können auch Erkrankungen einzelner Personen auftreten, die allerdings aufgrund des unspezifischen Krankheitsbildes (s. o.) oftmals nicht korrekt diagnostiziert werden. Welche Rolle infizierte Rinder in der Entstehung dieser sporadischen Erkrankungen spielen ist derzeit unklar. Studien haben indes gezeigt, dass Personen mit Kontakt zu diesen Tierarten, wie z. B. Landwirte oder Tierärzte, ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.
C. burnetii-Infektionen bei Tieren verlaufen, ebenso wie beim Menschen, oftmals ohne Krankheitserscheinungen. Treten Erkrankungen auf, äußern sich diese durch Aborte oder das Auftreten anderer Fruchtbarkeitsstörungen. Der Erreger wird in diesen Fällen v. a. mit den Abort- oder Geburtsprodukten in großer Menge ausgeschieden. Daher stellen abortierte Früchte, aber auch Fruchtwasser, Lochien und sonstige Vaginalsekrete eine ernstzunehmende Infektionsquelle sowohl für den Menschen als auch andere Tier, insbesondere weitere Herdenmitglieder, dar. In betroffenen Tierhaltungen sind daher strikte Hygienemaßnahmen v. a. bei Geburten bzw. Aborten einzuhalten. Darüber hinaus können Coxiellen beispielsweise auch mit dem Harn oder der Milch infizierter Tiere ausgeschieden werden. Welche Rolle eine solche Ausscheidung für eine Weitergabe der Infektion spielt, ist derzeit allerdings offen.
Das zoonotische Potential von C. burnetii (und anderen Aborterregern, z. B. Chlamydien, Brucellen) ist neben der wirtschaftlichen Bedeutung eines solchen Geschehens für den betroffenen Bestand ein wichtiges Argument für Untersuchungen, die der Abklärung der Abortursache dienen. Aufgrund der Nicht-Kultivierbarkeit der Coxiellen (s. o.) erfolgt diese Diagnostik heute vorwiegend mittels Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR). Dabei wird nicht der Erreger selber, sondern lediglich sein Erbgut soweit vermehrt, dass es rasch und problemlos nachgewiesen werden kann. Ein solcher Nachweis unterliegt der Meldepflicht (Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten, 20. Dez. 2005). Als Probenmaterial eignet sich v. a. Plazentagewebe, aber auch andere Organe können untersucht werden. Allerdings wird diese Diagnostik nur von spezialisierten Laboren angeboten. Daher empfiehlt es sich, vor der Einsendung von Untersuchungsmaterial das vorgesehene Labor zu kontaktieren und das weitere Vorgehen mit diesem abzustimmen. Auch das CVUA Karlsruhe bietet entsprechende Untersuchungen an und die Mitarbeiter stehen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

 

 

Bericht erschienen am 05.11.2008 15:08:18

Zuletzt aktualisiert am 26.11.2008 15:29:50