Mohn − Drogen aus dem Supermarkt?

C. Sproll

 

Mohnsaat oder auch Backmohn kann gewinnungsbedingt gewisse Mengen an Opiaten wie Morphin und Codein als natürliche Begleitstoffe enthalten. Obwohl Mohnsaat von Natur aus keine Opiate enthält, kann sie bei der Ernte durch Kontakt mit den anderen Teilen der Pflanze mit anderen Alkaloiden verunreinigt werden.

Mit Rauscheffekten nach Genuss von Mohngebäck ist jedoch nicht zu rechnen. Bei der Herstellung von Mohnkuchen wird durch die küchentechnische Aufbereitung etwa 80% des vorhandenen Morphins zerstört. Dies haben Backversuche am CVUA Karlsruhe gezeigt (mehr s.a. unter „ neue Untersuchungsmethoden und Projekte"). Hinzu kommt, dass Morphin bei Genuss von Mohn in Form von zubereiteten Lebensmitteln, also in Form von Mohnkuchen, nur in sehr geringen Mengen im Blut an den entsprechenden Rezeptoren anflutet.

 

Mohnkapseln

Abb.: Mohnkapseln


Überhöhte Mengen an Morphin in Mohn sind jedoch unerwünscht, da auch mit nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Mohnsaat zu rechnen ist. Ein Beispiel hierfür ist die Verabreichung von Mohnmilch als Schlafmittel an einen Säugling, was Anfang des Jahres 2005 zu einem Vergiftungsfall führte (siehe auch beim BfR).
Vom Verzehr unerhitzter, nicht abgewaschener Mohnsaat ist abzuraten. In Baden-Württemberg wurde in diesem Zusammenhang von einer Verbraucherbeschwerde berichtet: eine Verbraucherin hatte etwa 80 g Mohn gemahlen über ein Nudelgericht gestreut verzehrt und nachfolgend über Übelkeit und „rauschähnliche" Symptome geklagt. Untersuchungen ergaben, dass der verzehrte Mohn 230 mg Morphin je Kilogramm enthielt. In üblichen Handelsproben, wie sie im Einzelhandel erhältlich sind, wurden bei unseren Untersuchungen im Jahr 2005 deutlich niedrigere Gehalte gefunden. Nur in wenigen Einzelfällen wurden ähnlich hohe Morphingehalte vorgefunden. Es handelte sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um australische Mohnsaat, die aus der Rohopiumproduktion stammte und in den Handel gelangte. Ware mit derart überhöhten Morphingehalten wurde mittlerweile in Deutschland vom Markt genommen.
Vorsorglich wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein Richtwert für Morphin in Mohn von 4 mg/kg festgelegt. Dieser Wert erscheint vor dem Hintergrund, dass die Opiate von Mohnsaat sehr leicht abgewaschen werden können und auch bei der Kuchenherstellung zum Großteil zerstört werden, extrem niedrig. Solange aber keine entsprechenden Hinweise auf Mohnpackungen vorhanden sind, die dem Verbraucher davon abraten, Mohn in großen Mengen unbehandelt zu verzehren, muss sich die Lebensmittelüberwachung zum Schutz des Verbrauchers daran orientieren.

 

 

 

Bericht erschienen am 19.02.2009 13:22:43