Baden-Württemberg nun tollwutfrei!

Befreit von einer Gefahr für Mensch und Tier

Dr. Birgit Blazey

 

Erfolgreich konnte dank umfangreicher Impfaktionen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die Tollwut der Füchse getilgt werden.

 

Deutschland und somit auch Baden-Württemberg gilt demnach als tollwutfrei. Die Aufhebung des gesamten gefährdeten Bezirkes erfolgte zum 08. August 2008. Um die potentielle Gefahr einer Neueinschleppung sofort zu erkennen werden auch am CVUA Stuttgart weiterhin Kontrolluntersuchungen des Fuchsbestandes mittels Immunfluoreszenztest durchgeführt. Auch können weiterhin für Tollwut empfängliche, verdächtige Heim- und Haustiere sowie andere Wildtiere zum Ausschluss einer Tollwuterkrankung eingesandt werden. Verdächtig sind Verhaltensänderungen bzw. tot aufgefundene Tiere oder verunfallte Tiere, sogenannte Indikatortiere.

Zur Untersuchung wird ein möglichst unversehrter Schädel und somit ein untersuchungsfähiges Gehirn benötigt.

 

Foto eines untersuchungsfähigen Gehirns.

Abb. 1: Untersuchungsfähiges Gehirn

 

Foto: Abklatschpräparate vom Ammonshorn tollwütiger Tiere unter dem Fluoreszenzmikroskop.

Abb 2.: Abklatschpräparate vom Ammonshorn tollwütiger Tiere. Antigenaggregate des Tollwutvirus stellen sich als runde bis ovale im Fluoreszenzmikroskop hell leuchtende Partikel dar.

 

Nicht alle Länder der Erde gelten als tollwutfrei, so dass hier Wichtiges zur Klassischen Tollwut (Synonyme: Lyssa, Rabies) der Wildtiere, Haustiere und des Menschen erläutert wird:

Tollwut wird durch ein Rhabdovirus, das Rabiesvirus, hervorgerufen, das durch Biss übertragen wird. In Europa tritt sie als Wildtiererkrankung (silvatische Form) auf, in den Ländern mit verwilderten und streunenden Hunden dringt dieselbe Erkrankung auch in die Dörfer und Städte vor (urbane Form).

Bis heute ist die Tollwut eine tödlich verlaufende Krankheit, die von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch weiterverbreitet wird. Eine wirksame Therapie gibt es nach wie vor nicht. Aber wir können inzwischen sehr erfolgreich durch Impfung vorbeugen, beim Menschen sogar noch unmittelbar nach dem Biss durch ein tollwütiges Tier.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich 55 000 Menschen an Tollwut, überwiegend in Afrika und Asien. Die meisten Menschen, darunter 50% Kinder und Jugendliche, sterben nach Bissen durch streunende, nicht geimpfte Hunde. Reisende und Tiere aus den betroffenen Regionen können die Tollwut zu uns einschleppen. Unter seuchenhygienischen Aspekten sind jene Länder sehr nah an uns herangerückt.

Aber auch in Europa war und ist diese seit der Antike bekannte und gefürchtete Seuche verbreitet. Nach dem zweiten Weltkrieg trat bei uns in Deutschland eine Tollwutepidemie auf, die, aus den osteuropäischen Ländern kommend, sich von Jahr zu Jahr weiter nach Westen bis an den Rhein ausbreitete. Noch bis 1980 gab es im Südwesten Deutschlands 2000 Fälle von Tollwut. Allein am damaligen Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Stuttgart, das nur Tiere der Region Stuttgart untersuchte, wurden bis 1990 jährlich zwischen 100 und 400 Tollwutfälle bei Tieren festgestellt. Damals wurden erste Anstrengungen unternommen, Füchse in der freien Wildbahn mit einem Impfstoff zu immunisieren, der an der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen neu entwickelt worden war. Mit Erfolg! Ab 1991 ging die Anzahl tollwütiger Tiere immer mehr zurück. Seit 1997 wurde im Einzugsbereich des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes Stuttgart keine Tollwut mehr nachgewiesen. In Baden Württemberg waren erstmals wieder insgesamt 9 Tollwutfälle (8 Füchse, 1 Reh) von Dezember 2004 bis Ende Februar 2005 aufgetreten. Nach diesen neun Tollwutfällen wurden keine weiteren Erkrankungen nachgewiesen . Durch Impfmaßnahmen wurde der Seuchenherd getilgt. Noch immer ist die Fuchsimmunisierung mittels Köder, neben der Bejagung, das wichtigste Mittel zur Tilgung der Tollwut. Deutschland kann nun als Erfolg die Tollwutfreiheit verzeichnen.

 

Wer kann Tollwut bekommen und wie wird sie übertragen?

Gefährdet sind grundsätzlich alle warmblütigen Tiere, insbesondere jedoch größere Tiere wie Fuchs, Wolf, Marder, Hund, Katze, Rind, Schaf, Pferd, Reh etc., und der Mensch. Die Übertragung der Tollwut erfolgt im Allgemeinen durch Biss eines kranken Tieres. Wenn das Opfer den Angriff überlebt, erkrankt es selbst nach einer Inkubationszeit von bis zu 3 Monaten. Kleine Tiere wie z.B. eine Maus haben im Seuchenverlauf in der freien Wildbahn praktisch keine Bedeutung, da sie den Biss durch den Fuchs oder ein anderes Raubtier kaum überleben. In einzelnen Fällen wurden Infektionen beim Menschen durch Transplantation von Organen infizierter Spender, die sich in Ländern mit Haustiertollwut aufgehalten haben, bekannt. Dies sind dramatische Einzelfälle, spielen jedoch im Seuchengeschehen der Tollwut bei uns keine Rolle.

In Europa tritt die Tollwut als Wildtiererkrankung (silvatische Form) auf, in den Ländern mit verwilderten und streunenden Hunden dringt dieselbe Erkrankung auch in die Dörfer und Städte vor (urbane Form).

Hauptträger und Reservoir der klassischen Tollwut ist in Mitteleuropa der Rotfuchs. Hier müssen die Maßnahmen zur Bekämpfung ansetzen.

 

Was wird in Baden-Württemberg zur Bekämpfung der Tollwut getan?

Die Impfaktionen der Füchse sind abgeschlossen. Die tollwutgefährdeten Gebiete sind aufgehoben.

 

Was wird am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart zur Bekämpfung der Tollwut getan?

Jedes einzelne Tier, das mit einem auf Tollwut hinweisenden Vorbericht zur Sektion in das CVUA eingeliefert wird und alle Kontrollfüchse aus den Revieren unseres Einzugsgebietes werden mit einer hoch spezifischen und hoch sensitiven Methode (Immunfluoreszenzfärbung) auf Tollwut untersucht. Hierbei wird ein Teil des Gehirnes, das Ammonshorn, präpariert. Viruseinschlusskörperchen können nach der Färbung unter dem Fluoreszenzmikroskop in 400-facher Vergrößerung betrachtet werden.

 

Besondere Beachtung finden sog. Indikatortiere. Dies sind laut Vorbericht Wildtiere, die verhaltensauffällig oder krank waren oder tot aufgefunden wurden. Sie werden je nach Lage des Falles zusätzlich seziert.

Alle Kontrollfüchse, jährlich werden je nach Region 4-16 Füchse/100km²untersucht, werden nach Herkunftsrevier, Alter und Krankheitsanzeichen registriert.

 

Alle Daten und Untersuchungsergebnisse zur Tollwut werden an das Landestollwut- und Epidemiologiezentrum Freiburg weitergeleitet und dort zentral für Baden-Württemberg ausgewertet.

 

Das CVUA Stuttgart untersucht auch auf Fledermaustollwut

Auch die europäische Fledermaustollwut hat die Aufmerksamkeit der Veterinäruntersuchungsämter. Bis 2007 war sie nur in Norddeutschland, Dänemark, den Niederlanden und England aufgetreten. In 2007 konnte EBLV-2 auch erstmals in Deutschland bei einer Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) aus dem baden-württembergischen Biberach nachgewiesen werden. Verdächtige Fledermäuse werden auch am CVUA Stuttgart auf Tollwut untersucht. Sollte sich die Fledermaus als infiziert herausstellen, wird die Probe zur Abklärung des Virusstammes an das nationale Referenzlabor für Tollwut am Friedrich-Löffler-Institut weitergeleitet. Der Erreger der Fledermaustollwut, das European Bat Lyssa Virus (EBL-Virus) unterscheidet sich von dem klassischen Tollwutvirus Virus (Rabies-Virus). Andere Tiere als Fledermäuse infizieren sich nur sehr selten. Menschen oder Tiere können sich dennoch durch Biss, Kratzer oder durch Einatmen virushaltiger Atemluft in Fledermaushöhlen bzw. Schleimhautkontakt anstecken. Ein epidemiologischer Zusammenhang zwischen der klassischen Tollwut und der Fledermaustollwut besteht nach derzeitigen Erkenntnissen nicht. Flugunfähige Fledermäuse dürfen auf keinen Fall mit der ungeschützten Hand angefasst werden, da sie beißen könnten. Besonders gefährdet sind Fledermausforscher und mit Fledermäusen arbeitende Tierschützer. Sie sollten gegen Tollwut geimpft sein. Die klassische Tollwutimpfung verleiht auch einen Schutz gegen das Virus der Fledermaustollwut.

 

Links ins Internet

Tollwutfälle beim Tier in Europa:

http://www.who-rabies-bulletin.org/q4_2004/downloads/mapq42004_web.pdf

Tollwut beim Tier weltweit http://www.who.int/GlobalAtlas/InteractiveMap/rmm/default.asp?cat1=010000000000&cat2=011500000000&cat3=011505000000&lev=3

Tollwut beim Menschen weltweit:

http://www.who.int/rabies/en/

Tollwutfälle beim Tier in europäischen und anderen Ländern sowie weitere Informationen:

http://www.who-rabies-bulletin.org/default.aspx

 

Fledermaustollwut:

http://www.bmelv-forschung.de/fileadmin/sites/FR-Texte/2008/fr-2008-1-12-Deutschland_ist_tollwutfrei.pdf

http://www.who.int/GlobalAtlas/InteractiveMap/rmm/default.asp?cat1=010000000000&cat2=011500000000&cat3=011504000000&lev=3

 

Information des NABU zum Umgang mit Fledermäusen

http://www.fledermausschutz.de/index.php?id=268

http://www.who-rabies-bulletin.org/About_Rabies/Bat/FAQ.aspx

 

Aktuelle Informationen des Ministeriums Ländlicher Raum Baden-Württemberg zum tollwutgefährdeten Bezirk, Impfvorschriften, Reisebestimmungen mit Heimtieren

http://www.mlr.baden-wuerttemberg.de/cgi/styleguide/content.pl?ARTIKEL_ID=30013

 

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Bericht erschienen am 12.09.2008 13:53:49