Aspirationspneumonie und Pleuritis bei einem Hund

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Birgit Blazey

 

Ein Hütehund kollabierte nach scheinbar kurzer Erkrankung und wurde zur Feststellung der Todesursache an das CVUA Stuttgart verbracht. Das Tier zeigte kurzfristig respiratorische Symptome und fiel nach wenigen Stunden in Ohnmacht. Als Ursache wurde bei der Sektion in der Lunge eine aspirierte Getreideähre gefunden, die zu einer Aspirationspneumonie und Pleuritis führte.

Vorbericht

Der Hund (Hütehund, 5 Jahre alt, weiblich, ca. 30 kg) wurde mit dem Vorbericht starkes Hecheln, tachykarde Atmung, zyanotische Schleimhäute, Körperinnentemperatur von 39,5 °C und plötzlicher Ohnmacht nach etwa 5-6 Stunden angeliefert. Das Tier ist trotz Reanimationsversuchen mit Adrenalin verendet.

 

Pathologisch-anatomischer und histologischer Befund

Bei der Obduktion fanden sich in der Brusthöhle 5-7 Liter einer trüben, rot-braunen Flüssigkeit mit weiß-grauem griesartigem Material (Abb. 1). An den serösen Häuten der Brusthöhle waren massive lappenartige, dunkelrote, weichelastische Gewebezubildungen mit unregelmäßigen Rändern und rauer Oberfläche zu erkennen (Abb. 2). Die Lunge wies zudem rechts am Zwischenlappen eine herdförmige Vereiterung des Gewebes und eine fokale Verwachsung der Oberfläche mit der Pleura costalis auf. In den Bronchien war rechtsseitig weiterhin eine trübe, rötlich-braune Flüssigkeit zu erkennen und am Zwerchfelllappen war am Ende des Bronchus eine Weizenähre auffindbar (Abb. 3 und 4). An dieser Stelle besaß das flüssige Entzündungssekret eine grün-graue Farbe und die Bronchialschleimhaut war nekrotisch und ebenfalls grün-grau verfärbt. Auch hier lag eine Entzündung des umgebenden Gewebes vor.

 

4 Fotos von Hundelunge.

links: eröffneter Brustkorb mit Pleuritis und Erguss, Lunge blassrosa

mitte links: chronische Pleuritis mit dunkelroten Gewebezubildungen

mitte rechts: Lunge mit eröffnetem Bronchus und Ähre; Herz mit Herzbeutel im Vordergrund

rechts: aspirierte Getreideähre

 

Die Frage nach der Zeitdauer des Geschehens konnte mittels histologischer Untersuchung geklärt werden. Die Lunge zeigte deutliche Hinweise auf eine mindestens zehn Tage bestehende Entzündung, die Elemente einer akuten und chronischen Entzündung aufwies. Akute Veränderungen zeigten sich in herdförmigen Fibrinausschwitzungen, Nekrosezonen, Bakterienkolonien und z.T. perivaskulären Infiltraten im Parenchym. Hinzu kamen Anzeichen einer chronischen Entzündung wie herdförmige Fibrosierung, herdförmig zellreiches Granulationsgewebe mit massenhaft kanalisierten Kapillarsprossen, Fibrozytenproliferationen, gemästeten Makrophagen und Plasmazellansammlungen. Auch die Lymphfollikelproliferation und miliare Verknöcherungen zählen zu den chronischen Reaktionen. Die Luftwege wiesen eine nekrotisierende Bronchitis mit massivem Vorkommen von Bakterienkolonien und eine plasmazellulärer Peribronchitis auf.

 

Zum Geschehen

Hunde, die intensiv am Boden schnüffeln, nehmen Fremdkörper wie Getreideähren nicht selten auf, wobei junge und stöbernde Hunde (Jagdhunde) meistens betroffen sind. Allerdings kann die Erkrankung bei Hunden jeden Alters und jeder Rasse auftreten. Meist handelt es sich um pflanzliche Fremdkörper, neben Ähren werden auch Gräser, Steine, Nüsse, Holzstückchen oder auch kleines Spielzeug aspiriert oder inhaliert. Es ist daher zu beachten, dass Spielzeug mit dem Warnhinweis, dass dieses für Kleinkinder nicht geeignet ist, auch kein Spielzeug für Hunde darstellt.


Je nachdem wo der Fremdkörper hängen bleibt, werden die verschiedensten Symptome beschrieben. So sind bei einer Fremdkörper bedingten Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung) Niesanfälle, Reiben der Nase wegen des auftretenden Juckreizes und einseitiger seröser, bisweilen aber auch leicht blutiger Nasenausfluss zu beobachten.

 

Bei Steckenbleiben in der Trachea (Luftröhre) bemerkt der Besitzer bei seinem Tier zunächst Husten, aber auch Würgereiz. In der Regel bleibt der Fremdkörper allerdings eher vor dem Larynx (Kehlkopf) hängen oder wird weiter in die Bronchien eingesogen. In den meisten Fällen erfolgt ein sofortiges Aushusten durch intensiven Hustenreiz. Allerdings kann sich der Fremdkörper, besonders wenn er wie Getreideähren eine raue Oberfläche oder Wiederhaken hat, in den Luftwegen verkeilen. Sodann wird der Fremdkörper bei vertiefter Atmung aufgrund von Hustenanfällen noch weiter eingesogen, wobei die inspiratorische Erweiterung der Bronchien dies begünstigt. Sowohl beim Aushusten als auch beim weiteren „Einsaugen“ des Fremdkörpers verschwinden die Symptome des Reizhustens häufig und der Hund beruhigt sich spontan. Ist der Fremdkörper allerdings sehr groß, tritt durch Verlegung der Bronchien (Bronchienobstruktion) akute Atemnot auf.


Kann der Fremdkörper nicht ausgehustet werden, ist ein symptomfreies Intervall von Tagen bis Wochen typisch. Hiernach tritt eine chronische, eitrige Bronchitis und evtl. auch eine Bronchopneumonie, ein Bronchialabszess oder ein Fremdkörpergranulom auf. Der Besitzer bemerkt produktiven (mit Schleimbildung einhergehender) Husten und bisweilen auch Fieberschübe, wechselnden Appetit, Abmagerung, verminderte Leistungsbereitschaft / -fähigkeit und auch übelriechenden Auswurf, in deren Anschluss wie in dem vorliegendem Fall schwere Krankheitserscheinungen bis zum Tode auftreten können!

 

Ausblick

Im vorliegenden Fall wurde auch die Frage gestellt, wie der Hund nach so kurzer Symptomatik so schnell verenden konnte und derart massiv Entzündungsgewebe nachweisbar war.  Das Eindringen der Getreideähre so tief in die Lunge versachte Gewebeschädigungen und schleppte massiv Bakterien in die Lunge, so dass es zu diesem unvorhersehbaren und fatalen Verlauf kam.


Hundebesitzer sollten bei Spaziergängen mit ihrem treuen Gefährten daran denken, dass für kurze und heftige Hustenanfällen auch ein in die Atemwege aufgenommener Fremdkörper die Ursache sein kann. Darüber hinaus sollte bedacht werden, dass eine spontane Symptomfreiheit nicht mit Sicherheit bedeutet, dass dieser Fremdkörper auch ausgehustet wurde. Bei Verdacht der Aspiration eines Fremdkörpers sollte deshalb der Tierbesitzer einen Tierarzt aufsuchen, um sein Tier mittels Endoskopie auf Fremdkörper in den Atemwegen untersuchen zu lassen.

 

Literatur:

Peter F. Suter, Barbara Kohn, begründet von Hans G. Niemand: Praktikum der Hundeklinik; Parey, 10. Auflage, 2006

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart

 

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Bericht erschienen am 28.12.2010 11:13:31