Salmonellosen-Infektionen bei Tieren - Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Das CVUA Stuttgart wertete seinen Datenschatz an Salmonellenbefunden von 2004 - 2009 aus. Die Erkenntnis: in 40 000 Proben ließen sich 1 350 Salmonellenisolate nachweisen. Die positiven Samonellen-Befunde nahmen von 3,8 % (2004) auf 2,8 % (2009) ab, die Hauptnutztiere Geflügel, Schwein und Rind sind jedoch immer noch ein stabiles Reservoir für diese auf den Menschen übertragbare Krankheit Salmonellose. Besonders auffällig waren Reptilien (Schlangen, Echsen und Schildkröten), welche bis zu 30 % salmonellenpositiv waren. Nicht zu unrecht gibt es deshalb die Empfehlung, in Haushalten mit Kindern unter 5 Jahren keine Reptilien als Heimtiere zu halten.

Schmuckelement.

 

Inhalt

Einleitung

Salmonellen-Untersuchungen im CVUA Stuttgart von 2004 bis 2009

 

Ausblick

Hintergrundinformationen zu Salmonellen

Literatur und weitere Quellen

 

Einleitung

Infektionen mit Salmonellen sind seit langem bekannt und nach wie vor weltweit einer der häufigsten Ursachen bakterieller Darminfektionen beim Menschen. Zahlreiche Eintragsmöglichkeiten der Salmonellen in unsere Nutztierbestände führen über infizierte Tiere und die Produktion Lebensmittel tierischer Herkunft schließlich zu einer Übertragung auf den Menschen. Aufgrund immer noch recht hoher Infektionsraten bei zahlreichen Tierarten und der guten Überlebensfähigkeit von Salmonellen in der Umwelt zählen Salmonellosen zu einer der wichtigsten aktuellen Zoonosen. Aber nicht nur Salmonellen-Infektionen, deren Ursprung beim Geflügel, Schweinen oder Rindern liegt, sondern auch in jüngster Zeit aufgetretene teilweise schwere Salmonellen-Infektionen bei Kindern durch erregerausscheidende, im Haushalt gehaltene Reptilien stellen eine nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefährdung für den Menschen dar. Aus diesem Grunde werden alle Kotproben von Tieren und Tierkörpern, die unserer Pathologie untersucht werden, auch auf Salmonellen untersucht.

 

Die Ergebnisse der veterinärmedizinischen Diagnostik des Salmonellen-Labors des CVUA Stuttgart in der Zeit von 2004-2009 zeigen, dass der Anteil Salmonellen-positiver Proben, die von erkrankten Tieren stammen, nur langsam einen Abwärtstrend von 3,8% im Jahr 2004 auf 2,8% im Jahr 2009 erkennen lässt. Das Jahr 2008 zeigte mit 3,4% wieder einen erhöhten Anteil Salmonellen-positiver Proben, der auf Hühner zurück geführt werden kann. Insgesamt wird bei diesen Untersuchungen die Bedeutung der wichtigsten Nutztierarten Huhn und Pute sowie Schwein und Rind als Salmonellen-Reservoir deutlich. Bemerkenswert ist, dass der Anteil Salmonellen-positiver Proben bei Hühnern und Puten sowie Schweinen und Rindern mit 3% und 4% im Bereich der Jahresdurchschnitte lag, Wassergeflügel (Gänse und Enten) aber mit einem vergleichsweise hohen Anteil von 17,5% Salmonellen-positiver Tiere auffiel.
Noch höher lag der Anteil an Salmonellen-Trägern bei den untersuchten Reptilien (Schlangen, Echsen und Schildkröten), deren Anteil sogar beinahe 30% erreichte. Diese Tiergruppe stellte zudem eine Ausnahme dar, da von insgesamt 128 unterschiedlichen isolierten Salmonellen-Serotypen 77 bei Reptilien nachgewiesen werden konnten. Bei den untersuchten Säugetieren war diese Anzahl mit 47 und bei Vögeln mit 40 unterschiedlichen Serotypen deutlich geringer.

 

Unsere Untersuchungen zeigen deutlich die besondere Bedeutung von Reptilien als potentielle Infektionsquelle für Salmonellen, insbesondere wenn diese als Heimtiere in regelmäßigem direktem Kontakt mit Menschen gehalten werden. Salmonellen-Infektionen, die auf Reptilien zurück zu führen sind und zu schweren Verläufen bei Kindern führen können, haben deshalb zu der Empfehlung geführt, in Haushalten mit Kindern unter 5 Jahren keine Reptilien zu halten.
Obwohl insgesamt die Anzahl an Salmonellen erkrankter Menschen in den letzten Jahren gesunken ist, stellt die Bekämpfung dieser Zoonose bei Tieren nach wie vor eine Herausforderung dar. Ziel ist es, durch konsequente Untersuchungen von Tieren diese als Infektionsquellen für Salmonellen zu erkennen und somit die Salmonellosen bekämpfen zu können.

 

Bild Salmonella ser. Enteritidis.

Abbildung 1: Elektronenmikroskopische Aufnahme (Transmissionselektronen-mikroskop) von Salmonella ser. Enteritidis. Gut sichtbar sind die Flagellen (Fortbewegungsorganellen), die auch als sog. H-Antigen bei der Serotypisierung von Salmonellen von Bedeutung sind. (20.000-fache Vergrößerung)

Salmonellen-Untersuchungen im CVUA Stuttgart von 2004 bis 2009

Im Zeitraum von 2004 bis 2009 wurden insgesamt fast 40.000 Proben untersucht und hierbei über 1.350 Salmonellen-Isolate gewonnen. Es ist zu betonen, dass alle Proben von erkrankten Tieren stammten. Dies bedeutet, dass es sich um vorselektiertes Probenmaterial handelt und somit die angegebenen Werte nicht für die Gesamtzahl gehaltener Tiere gelten.
Nicht berücksichtigt wurden hierbei Wiederholungsuntersuchungen in Rinderbeständen im Rahmen der Salmonellen-Bekämpfung sowie von Schafaborten gewonnene S. ser. Abortusovis-Isolate (keine Bedeutung als Zoonose-Erreger).

Verteilung der Salmonellen-Isolate auf die Jahre 2004 bis 2009

  • Die Anteil Salmonellen-positiver Nutztiere (Schweine, Rinder, Hühner, Puten, Enten und Gänse) lag in den Jahren 2004 bis 2008 bei 3,3% bis 3,8% und unterschritt 2009 erstmals mit 2,75% die 3%-Marke.
  • Bei Reptilien schwankte der Anteil Salmonellen-positiver Proben innerhalb des betrachteten Zeitraums von 2004 bis 2009 von 21% bis 37%.

     

Balkendiagramm.

Grafik 1: Nachweis von Salmonellen bei Nutztieren (Schweine, Rinder, Hühner, Puten, Enten und Gänse) im Zeitraum von 2004 bis 2009.

Verteilung der Salmonellen-Isolate auf Tiergruppen

  • Der weitaus höchste Anteil Salmonellen-infizierter Tiere findet man mit fast 30% bei Reptilien (Schlangen, Echsen, Schildkröten).
  • Unter den Nutztieren spielt Wassergeflügel (Gänse und Enten) mit etwas mehr als 17% die größte Rolle als Salmonellenträger, gefolgt von Geflügel (Hühner und Puten) mit 4% sowie Schweinen und Rindern mit zusammen 3%.

 

Balkendiagramm.

Grafik 2: Nachweis von Salmonellen bei Reptilien (Schlangen, Echsen, Schildkröten), und Nutztieren im Zeitraum von 2004 bis 2009.

Verteilung der Salmonellen-Serotypen auf Tiergruppen

  • Während derSalmonellen-Serotyp Typhimurium überwiegend von Schweinen und Rindern isoliert werden konnte, lag die Hauptquelle für den Serotyp Enteritidis bei Hühnern.
  • Insgesamt konnten deutlich über hundert verschiedene Salmonellen-Serotypen isoliert werden. Deutlich an der Spitze stehen die Serotypen Typhimurium und Enteritidis, die 39% bzw. 15% der gewonnenen Salmonellen-Isolate ausmachten.
  • Reptilien wiesen unter den untersuchten Tieren die weitaus größte Vielfalt isolierter Salmonellen-Serotypen auf. Von insgesamt 128 verschiedenen isolierten Salmonellen-Serotypen kamen 77 bei Reptilien, 47 bei Säugetieren (Nutz- und Heimtiere u.a. Säugetiere) und 40 bei Vögeln (Nutzgeflügel u.a. Vögel) vor.

 

Balkendiagramm.

Grafik 3: Vorkommen von Salmonellen-Serotypen bei unterschiedlichen Tiergruppen.

Ausblick

  • Unsere Nutztiere stellen nach wie vor ein wichtiges Reservoir für Salmonellen dar. Aufgrund der sehr weiten Verbreitung von Salmonellen ist deren Bekämpfung allerdings schwierig und langwierig.
  • Obwohl innerhalb der letzten Jahrzehnte die Salmollen-Belastung gesunken ist, ist der Anteil von Salmonellen an infektiösen Darmerkrankung noch zu hoch.
  • Die Bekämpfungsmaßnahmen der Salmonellen in Tierbeständen und Hygiene in Schlachthöfen und bei der Lebensmittelherstellung spielt eine zentrale Rolle. Aber auch die Hygiene im eigenen Haushalt darf nicht außer Acht gelassen werden, die vor allem besondere Sorgfalt beim Umgang mit rohem Geflügel- und Schweinefleisch sowie Eiprodukten und die konsequente Vermeidung der Unterbrechung der Kühlkette gefährdeter Produkte (mit rohem Ei oder Fleisch hergestellte Lebensmittel) umfasst.
  • Zunehmend Sorge bereitet die in den letzten Jahren zugenommen Salmonellen-Infektionen bei Kindern durch erregerausscheidende Reptilien, die zu der Empfehlung geführt haben, in Haushalten mit Kindern unter 2 bis 5 Jahren Reptilien nicht als Hautiere zu halten.
  • Nur durch konsequente Untersuchungen auf Salmonellen können Infektionsquellen erkannt und beseitigt werden.

Hintergrundinformationen zu Salmonellen

Der Erreger

Salmonellen sind Bakterien, die zu der Familie der Enterobacteriaceae gehören. Diese Bakteriengruppe umfasst auch zahlreiche allgemein bekannte Bakterien-Gattungen und Arten wie Escherichia coli, Shigellen, Yersinien und andere Krankheitserreger, darunter aber auch harmlose Umweltkeime.
Die Salmonellen werden in die Art (Spezies) Salmonella (S.) enterica mit insgesamt sechs Unterarten (Subspezies; Abkz. subsp.) und die Art S. bongori. eingeteilt.

Subspezies von S. enterica

Subspezies I   Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. enterica
Subspezies II Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. salamae
Subspezies IIIa Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. arizonae
Subspezies IIIb  Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. diarizonae
Subspezies IV  Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. houtenae
Subspezies VI Serotyp (Serovar) von S. enterica subsp. indica

 

Eine weitere Einteilung der Salmonellen wird in Serogruppen und schließlich in Serotypen (Serovare) vorgenommen.
Die Differenzierung in Serogruppen basiert auf sog. O- (Oberflächen) Antigenen, die hitzestabile Lipopolysaccharide (LPS) darstellen. Alte und neue Bezeichnungen der Serogruppen sind in Tabelle 1 dargestellt.

 

Tabelle 1: Alte und neue Bezeichnungen der O-Gruppen von Salmonellen.

Alt
Neu

2

B

4

C1-C4

6,7

C2-C3

8

D1

9

D2

9,46

D3

9,46,27

E1-E2-E3

3,10

E4

1,3,19

F

11
Alt
Neu

G1-G2

13

H

6,14

I

16

J

17

K

18

L

1

M

28

N

30

O

35

P

38
Alt
Neu

Q

39

R

40

S

41

T

42

U

43

V

44

W

45

X

47

Y

48

Z

50

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich ermöglichen sog. H-Antigene (Phasen-Antigene), bei denen es sich um Geißeln (Flagellen), den Fortbewegungsorganellen der Salmonellen handelt, eine weitere Unterteilung in sog. Serotypen (Serovare). Bei ein- und demselben Salmonellen-Sertyp können zwei unterschiedliche H-Antigene vorkommen, die man in Phase 1 (H1) und Phase 2 (H2) unterscheiden kann. Welche der beiden Phasen (Flagellen) oder ob beide Phasen gleichzeitig ausbildet werden, hängt davon ab, welches der entspr. Verantwortlichen Gene aktiv ist.

Aufgrund der Proteinstruktur und der damit einhergehenden hohen Antigenvariation dieser H-Antigene ist eine Differenzierung in über 2.500 unterschiedliche Serotypen möglich. Fast 60% aller Serotypen gehören der Subspezies enterica an. Ein Großteil dieser Serotypen sind mit Eigennamen benannt worden, die überwiegend den Ort der ersten Isolierung tragen (z.B. S. ser. Stuttgart), oder aber auf Wirte oder Erkrankungen hinweisen (z.B. S. ser. Abortusovis). Durch die Bestimmung der Serogruppe und des Serotyps mit Hilfe spezifischer Antikörper (Antiseren) kann ein Salmonellen-Isolat bereits sehr differenziert charakterisiert werden. Die gesamte Vielfalt der Serogruppen und Serotypen wird in dem sog. White-Kauffmann-Le Minor-Schema (früher Kauffmann-White-Schema) übersichtlich erfasst (http://www.prise-pcp.org.

Einen Ausschnitt aus dem White-Kauffmann-Le Minor-Schema zeigt Tabelle 2.

 

Tabelle 2: Bezeichnung von Salmonellen-Serotypen (Serovare).
Serotyp (Serovar) Oberflächen- (O) Antigen Flagellen (H) Antigen Komplette
Antigen-Formel
Phase 1 Phase 2

Enteritidis

9,12

g,m

-

9,12:g,m:-

Typhimurium

1,4,[5],12

I

1,2

1,4,[5],12:I:1,2

Stuttgart

6,7,14

I

Z6

6,7,14:i:z6

Abortusovis

4,12

C

1,6

4,12:c:1,6

[ ] = kann ausgeprägt sein

Reservoire, Übertragungswege, Eigenschaften

Salmonellen kommen weltweit vor und zählen derzeit zusammen mit Campylobacter-Keimen zu den wichtigsten Infektionserregern des Darmtraktes des Menschen. Das Hauptreservoir für Salmonellen stellen Tiere dar, die direkt durch Erregerausscheidungen oder über Lebensmittel tierischer Herkunft den Erreger auf den Menschen übertragen können. Salmonellen stellen somit eine wichtige vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit, eine sog. Zoonose dar.
Das Spektrum infizierter Tierarten ist sehr groß und umfasst warmblütige Tiere (Säuge-/Beuteltiere, Vögel) wie auch wechselwarme Tiere (Reptilien, Amphibien), aber auch Insekten (passive Überträgerfunktion).
Hauptübertragungsweg von Salmonellen auf den Menschen stellt der Verzehr roher oder nicht ausreichend erhitzter Produkte tierischer Herkunft dar. An erster Stelle sind Eier, Geflügelfleisch, Schweine- und Rindfleischfleisch sowie daraus hergestellt Produkte wie Mett oder Rohwürste zu nennen. Auch mit Salmonellen kontaminierte Rohmilch kommt als Infektionsquelle in Frage. In bestimmten Fällen kann auch Trinkwasser eine Rolle als Infektionsquelle spielen. Tiere infizieren sich vor allem durch kontaminiertes Futter (Kraftfutter, Milchaustauscher, o.ä.), Wasser und über die kontaminierte Umwelt (Stall, etc.).
In den letzten Jahren sind Reptilien vermehrt in den Blickpunkt als Infektionsquelle für Salmonellosen bei Menschen geraten. Dies ist darauf zurück zu führen, dass die Anzahl in Haushalten gehaltener Reptilien stark zugenommen hat und diese Tiergruppe zu einem hohen Anteil Salmonellen beherbergt und ausscheidet. Insbesondere der Kontakt von Kindern zu Salmonellen ausscheidenden Reptilien kann zu Infektionen mit schweren Verläufen führen.

 

Ausnahmen bilden unter den Salmonellen S. ser. Typhi und S. ser. Paratyphi, weil diese einerseits an den Menschen angepasst sind (typhöse Form) und andererseits deren Übertragung eng an Wasser gebunden ist. Ebenfalls Ausnahmen bilden auch bestimmte Serotypen, die an Tierarten angepasst sind und bei diesen schwere Infektionen hervorrufen können. Beispiele hierfür sind die Salmonellen-Serotypen Abortusovis (Schaf, Ziege), Abortusequi (Pferd), Gallinarum (Huhn, Pute), Dublin (Rind) oder Choleraesuis (Schwein).

 

Salmonellen können sich bei Temperaturen von 10 bis 45°C vermehren, die optimale Temperatur beträgt 37°C. Der Erreger vermehrt sich aber nicht nur im Wirtsorganismus, sondern auch in der Umwelt (vor allem Abwässer, Gülle, etc.) und in Lebensmitteln, wobei entscheidende Faktoren das Nährstoffangebot und die Temperaturbedingungen darstellen. 

Info

Sicher abgetötet werden Salmonellen bei Temperaturen über 70°C nach ca. 15 Minuten.

Gene, die für Virulenz, d.h. für sog. Virulenzfaktoren, von Salmonellen (Eindringen in Zellen, Überleben in Makrophagen, Hervorrufen von Darmenetzündungen, Anheftung an Zellen, u.a.) wichtig sind, liegen konzentriert im Chromosom auf sog. Salmonellen-Pathogenitätsinseln (SPI-1 bis SPI-5) sowie auf mobilen genetischen Elementen, den sog. Plasmiden (Übertragung von einer Salmonelle auf eine andere).

Bedeutung für die Gesundheit von Mensch und Tier

In Baden-Württemberg wurden von 2004 bis 2007 pro Jahr ca. 6.200 bis 6.700 (Inzidenzraten von 57 bis 62; Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) Salmonellen-Fälle beim Menschen dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. In den Jahren 2008 und 2009 konnte mit ca. 4.200 (Inzidenzrate 39) bzw. 2.900 (Inzidenzrate 27) eine deutliche Abnahme gemeldeter Fälle im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden. Dieser Trend war auch bundesweit erkennbar: 2004-2007 ca. 52.000 bis 57.000 Fälle pro Jahr (Inzidenzraten von 63 bis 69), 2008 und 2009 ca. 43.000 bzw. 21.400 Fälle (Inzidenzraten von 52 bzw. 38) (Robert-Koch-Institut).
Unter den Salmonellen-Serotypen haben S. ser. Enteritidis und S. ser. Typhimurium die größte Bedeutung, da diese für ca. 80% der Salmonellosen des Menschen verantwortlich sind. Der größte Anteil an Infektionen (80%) stellen Einzelfälle dar, wobei allerdings immer wieder auch Gruppenerkrankungen auftreten. Die Infektionsdosis liegt bei 104-106 Keimen, allerdings kann bei Personen mit verminderten Abwehrkräften (alte Menschen und Kinder) die Infektionsdosis mit 102-103 deutlich niedriger liegen. Eine Besonderheit stellen die Erreger des Typhus (S. ser. Typhi) und des Paratyphus (S. ser. Paratyphi) dar, die bereits bei Keimzahlen von 10-100 zu klinischen Infektionen führen können.
Bei den Salmonellosen des Menschen unterscheidet man die sog. typhöse und enteritische Form. Die typhöse Form wird durch S. ser. Typhi und S. ser. Paratyphi A, B und C hervorgerufen, von Mensch zu Mensch übertagen und verursacht schwere Infektionsverläufe mit hochfieberhaften Allgemeinerkrankungen und Befall von inneren Organen. Im Gegensatz hierzu bleibt die durch die anderen Serotypen hervorgerufene enterische Form auf den Darm beschränkt und verursacht durch eine Darmentzündung plötzlichen Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen begleitet von nur leichtem Fieber. Aber auch diese Infektionen können aufgrund starker Flüssigkeitsverluste und in seltenen Fällen durch eine Erregerausbreitung im Körper zu Komplikationen führen, die eine ärztliche Behandlung notwendig machen.
Gefährdet durch Salmonellen-Infektionen sind vor allem ältere Menschen (>60 Jahre) sowie Kinder (<5 Jahre) oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Bei diesen Personengruppen kommen Salmonellen-Infektionen mit schweren Verläufen häufiger vor.
Eine Behandlung mit Antibiotika ist nur bei der typhösen Form und bei schweren Verläufen einer enterischen Form von Nutzen. Bei Antibiotika-Behandlungen besteht die Gefahr der Bildung mehrfach Antibiotika-resistenter Salmonellen (multidrug-resistant Salmonella), sowie bei nicht ausreichender Wirkung eine erheblich verlängerte Erregerausscheidung. Eine Übertragung von Antibiotika-Resistenzen über mobile genetische Elemente (Plasmide) zwischen den Salmonellen ist möglich und führt zu deren raschen Weiterverbreitung.
Bei Tieren verlaufen Infektionen mit enteritischen Salmonellen i.d.R. symptomlos. Erkrankungserscheinungen stellt man vor allem bei Jungtieren und bei Infektion mit überwiegend tieradaptierten Salmonellen fest (S. ser. Abortusovis beim Pferd, S. ser. Abortusovis beim Schaf, S. ser. Choleraesuis beim Schwein, S. ser. Dublin beim Rind, S. ser. Gallinarum beim Geflügel).

Diagnostik (Nachweis von Salmonellen)

Salmonellen können im Kot infizierter Tiere aufgrund einer unregelmäßigen Erregerausscheidung und starker Verdünnung in nur geringen Keimzahlen begleitet von einer starken Flora anderer Darmbakterien vorkommen, so dass für dessen Nachweis eine Anreicherung und gleichzeitig eine Unterdrückung von Begleitkeimen notwendig ist. Im ersten Schritt kultureller Nachweismethoden für Salmonellen wird deshalb mit Hilfe einer sog. Voranreicherung in einem nährstoffreichem Medium (gepuffertes Peptonwasser) das Bakterienwachstum allgemein gefördert, um anschließend vitale und vermehrungsfähige Salmonellen in einem sog. Anreicherungsmedium (Tetrathionat-, Rappaport-Vassiliadis-, Selenit-Medium, u.a.) selektiv anreichern zu können. Abschließend werden die Salmonellen auf Selektiv-/Differenzierungs-Agarmedien ausgestrichen, die ein selektives Wachstum der Salmonellen in Form sichtbarer charakteristischer Bakterienkolonien ermöglichen.

 

Salmonellen auf Nährboden.

Abbildung 2: Salmonellen Mischkultur auf Selektivagarplatten.

Links: Salmonellen (durchsichtige Kolonien) auf Phenolrot-Agar.

Rechts: Salmonellen (orangefarbene/rötliche Kolonien) auf Rambach-Agar.

 

Eine weitere Säule der Identifizierung von Salmonellen stellen klassische biochemische Reaktionsmuster („bunte Reihe“, kommerzielle miniaturisierte Identifizierungssysteme) sowie PCR-Methoden dar, die allerdings nur die Gattung Salmonella zu bestimmen in der Lage sind.
Weitere Feintypisierung von Salmonellen werden mit Hilfe der sog. Phagentypisierung, Bestimmungen von Antibiotika-Resistenzmustern oder spezieller molekularbiologischer Verfahren (Pulsfeldgeleltrophorese [PFGE], Random Amplified Polymorphic DNA Analysis [RAPD], u.a.) durchgeführt, die allerdings spezialisierten Laboren wie Referenzlaboren vorbehalten bleiben.

Bekämpfungsstrategien

Strategien zur Bekämpfung der Zoonose Salmonellose sind auf Geflügel-, Schweine- und Rinderhaltungen fokussiert (Hühner-Salmonellen-Verordnung, Schweine-Salmonellen-Verordnung, Rinder-Salmonellose-Verordnung), da diese Nutztierarten - überwiegend über Fleisch und Eier - in über 50% der Salmonellen-Infektion des Menschen involviert sind. Angestrebt wird ein deutliche Verminderung der Salmonellenbelastung über die gesamte Lebensmittelkette, d.h. von der Tierhaltung bis zum verzehrsfertigen Produkt („farm to fork“-Konzept; Richtlinie 2003/99/EG). Als effektivste Maßnahme wird die Vermeidung der Einschleppung von Salmonellen aus der Aufzucht (Brütereien, Ferkelproduktion) und über das Futter angesehen. In der Lebensmittelproduktion und im Lebensmittelhandel spielen Maßnahmen guter Herstellungspraxis (Good Manufactoring Practices [GMP]), guter Hygienepraxis (Good Hygiene Practices [GHP]) und das Erkennen und Vermeiden kritischer Gefahrenpunkte (Hazard Analysis and Critical Control Point [HAACP]) eine entscheidende Rolle.
Neben Monitoring-Programmen, die den aktuellen Stand der Salmonellen-Verbreitung bei Tieren und deren Produkten festhalten, sind Überwachungsmaßnahmen in Geflügel- und Schweinhaltungen durch EU-Richtlinien und Verordnungen sowie durch nationale Rechtsvorschriften geregelt (s.u.).

Literatur und weitere Quellen

Rechtvorschriften, national

  • Verordnung zum Schutz gegen bestimmte Salmonellen-Infektionen beim Haushuhn (Hühner-Salmonellen-Verordnung) vom 6. April 2009. BGBl. 2009 Teil 1 Nr. 19, 15. April 2009, S. 752.
    Zweite Verordnung zur Änderung tierseuchenrechtlicher Verordnungen. Artikel 7, Änderung der Hühner-Salmonellen-Verordnung vom 18. Dezember 2009. BGBl. 2009 Teil 1 Nr. 80, 23. Dezember 2009, S. 3942.
    http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl
  • Verordnung zur Verminderung der Salmonellenverbreitung durch Schlachtschweine (Schweine-Salmonellen-Verordnung) vom 13. März 2007. BGBl. 2007 Teil 1 Nr. 10, 23. März 2007, S. 322.
    http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl
  • Verordnung zum Schutz gegen die Salmonellose der Rinder (Rinder-Salmonellose-Verordnung) vom 18. November 1991. BGBl. Teil 1, Nr. 63 vom 29. November 1991, S. 1175.
    Zweite Verordnung zur Änderung tierseuchenrechtlicher Verordnungen. Artikel 2, Änderung der Rinder-Salmonellose-Verordnung vom 18. Dezember 2009. BGBl. 2009 Teil 1 Nr. 80, 23. Dezember 2009, S. 3939.
    http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl.
  • Verordnung über meldepflichtige Krankheiten und Verordnung zur Änderung tierseuchen- und lebensmittelrechtlicher Vorschriften zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern vom 9. November 2004. BGBl Teil 1 Nr. 58 vom 12. Dezemebr 2004, S. 2791.
    (http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl).

Rechtvorschriften, EU

  • Richtlinie 2003/99/EG des Europäischen Rats und des Rates vom 17. November 2003 zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern und zur Änderung der Entscheidung 90/424/EG des Rates sowie zur Aufhebung der Richtlinie 92/117/EWG des Rates.
    www.eur-lex.europa.eu/de/index.htm (Suchbegriff: 2003/99/EG)

 

White-Kauffmann-Le Minor-Schema

  • Grimont, P.A.D, Weill F.X.: Antigenic formulae of the Salmonella serovars, 2007, 9th edition. WHO Collaborating Center for Reference and Research on Salmonella, Institut Pasteur, Paris, France. 2. Bader RE, Ringwald. http://www.prise-pcp.org

Internetadressen

 

Bildernachweis

Abbildung 1: Labor Virologie, CVUA Stuttgart

Entenherz , Ute Pelz, Pixelio.de, Image-ID= 427901.

Almkuh mit Glocke, Rainer Sturm, Pixelio.de, Image-ID= 404344.

AUGE IN AUGE MIT MEINER "MORLA", Rike, Pixelio.de, Image-ID= 419042.

hey...ich bin der boss..., Angelina Ströbel, Pixelio.de, Image-ID= 455686.

 

Autor(en): Dr. Reinhard Sting

 

Bericht erschienen am 29.07.2010 17:48:33

Zuletzt aktualisiert am 02.08.2010 15:49:06