Arsen in Reiswaffeln

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dorothee Doludda (CVUA Stuttgart), Barbara Ruf (CVUA Sigmaringen), Dr. Jörg Rau (CVUA Stuttgart)

 

Insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder sind Reiswaffeln eine einfache und vermeintlich gesunde Energiequelle. Produkte aus Reis können allerdings relativ hohe Gehalte an anorganischem Arsen aufweisen. Der Gesetzgeber hat nun reagiert: Seit Januar 2016 gilt für Reisprodukte eine Höchstmenge von 0,3 mg/kg, bei spezieller Eignung für Säuglinge und Kleinkindern sogar von 0,1 mg/kg. Diese Höchstmengen wurden von keiner der im Jahr 2015 untersuchten 11 Reiswaffeln erreicht.

 

Abbilddung: Drei Reiswaffeln (Probe) auf einem Porzellanteller.

 

Hintergründe der Untersuchungen

Arsen kommt sowohl natürlicherweise als auch durch menschliche Einflussnahme in der Umwelt vor und wird über Böden und Wasser von Pflanzen aufgenommen. Dabei kann Arsen in organischer Form (an Kohlenstoff gebunden) oder in anorganischen Arsenverbindungen („anorganisches Arsen“) vorliegen.

 

Anorganisches Arsen gilt als toxisch und wird mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang gebracht, darunter Hautläsionen, Herzerkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen. Das Vorkommen von anorganischem Arsen ist daher unerwünscht, lässt sich aber nicht vollständig vermeiden.1,2

 

Die Höhe des Arsengehalts in Reis hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Arsengehalt im Boden oder im Bewässerungswasser, der Reissorte oder auch der Lebensmittelzubereitung. Je nach Herkunft der Rohware können Reiswaffeln relativ hohe Gehalte an anorganischem Arsen aufweisen. Reiswaffeln werden auch von Säuglingen und Kleinkindern gerne verzehrt. Dabei ist die Aufnahme von anorganischem Arsen bei Säuglingen und Kleinkindern aufgrund des Verhältnisses des Körpergewichts zum verzehrtem Lebensmitteln erhöht.1

 

Aufgrund dieser Überlegungen wurden für Reis und Reisprodukte gesetzliche Höchstmengen festgelegt (VO (EG) 2015/1006)4. Für Reiswaffeln (sowie Reiskekse, -kräcker und -kuchen) gilt daher seit Januar 2016 ein Grenzwert von 0,3 mg anorganischem Arsen pro kg Lebensmittel. Reis zur Herstellung von Säuglings- und Kleinkindernahrung darf nur maximal 0,1 mg/kg anorganisches Arsen enthalten. Das bedeutet, normal angebotene Reiswaffeln dürfen nach gesetzlichen Vorgaben mehr anorganisches Arsen enthalten, als Reiswaffeln, die speziell für Säuglinge und Kleinkinder angeboten werden.

 

Infokasten

Bewertung der Höchstgehalte durch das BfR

Die bereits im Jahr 2014 diskutierten Höchstgehalte für anorganisches Arsen in Reis und Reisprodukten wurden durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, Berlin) bewertet (Stellungnahme Nr. 017/2015 vom 6. Februar 2014)1,2: Der Höchstgehalt für Reis zur Herstellung von Säuglings- und Kleinkindernahrung von 0,1 mg/kg anorganischem Arsen wurde als geeignete Maßnahme beurteilt. Die Exposition an anorganischem Arsen, durch den Verzehr von Reisprodukten bei Säuglingen und Kleinkindern, wurde dennoch als erhöht eingeschätzt. Das BfR rät daher zukünftig, zusätzlich zu den genannten Höchstgehalten, Verzehrsempfehlungen zu etablieren, die den Hinweis enthalten, dass Säuglinge und Kinder nicht ausschließlich mit reisbasierten Lebensmitteln ernährt werden sollten.

 

Analytik

In der Elementanalytik gilt die Untersuchung auf anorganisches Arsen bereits als sogenannte Speziation. Anders als bei der Untersuchung auf den Gesamtarsengehalt nach Druckaufschluss und folgender Messung per ICP-MS (induktiv gekoppeltes Plasma- Massenspektrometer), wird der Gehalt an anorganischem Arsen mit einem speziell festgelegten Verfahren ermittelt. Für diese aufwendigere Untersuchung wird eine spezielle Extraktion eingesetzt, der eine Analyse mit der Hydrid-AAS (Atomabsorptions-Spektroskopie) folgt. Nur durch den Einsatz solch spezieller, normierter Verfahren, kann eine Aussage über die toxikologisch bedeutenderen anorganischen Arsenverbindungen gemacht werden.

 

Untersuchungen am CVUA Stuttgart

Im Jahr 2015 wurden am CVUA Stuttgart 11 Reiswaffeln mit der Hydrid-AAS Methode auf ihren Gehalt an anorganischem Arsen untersucht. Der höchste ermittelte Wert lag bei 0,16 mg/kg anorganischem Arsen. 6 Proben wiesen Gehalte an anorganischem Arsen unter 0,1 mg/kg auf, bei 4 Proben lag der Gehalt um 0,1 mg/kg. Eine der Proben wurde speziell für Säuglinge und Kleinkinder angeboten. Hier lag der Gehalt an anorganischem Arsen unter 0,1 mg/kg und entspracht somit den Vorgaben. Alle untersuchten Reiswaffeln wiesen damit Gehalte an anorganischem Arsen unter den gesetzlichen Höchstmengen auf. Die Befunde des CVUAS bestätigen die Ergebnisse des bundesweiten Monitoringprojektes 2014.

 

Von einem Verzehr im Übermaß ist dennoch abzuraten: Nach Empfehlung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) sollten besonders Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit reisbasierten Lebensmittel ernährt werden (siehe Infokasten1,2).

 

Fazit

Anorganischem Arsen in Reis und Reisprodukten sollte aufgrund der möglichen toxischen Wirkungen besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden. Bei Reiswaffeln sind die Gehalte in der Regel sehr niedrig und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben. Der Gesetzgeber schreibt zudem für Reiswaffeln, die speziell für Säuglinge und Kleinkinder angeboten werden, strengere Höchstmengen vor. Reiswaffeln sind grundsätzlich auch für Säuglinge und Kleinkinder ein sicheres Lebensmittel. Trotzdem ist von einem Verzehr im Übermaß abzuraten.

 

Quellen

[1] Bundesinstitut für Risikobewertung, „Arsen in Reis und Reisprodukten“, Stellungnahme Nr. 018/2015 vom 24.06.2014

[2] Bundesinstitut für Risikobewertung, „ EU-Höchstgehalte für anorganisches Arsen in Reis und Reisprodukten durch Verzehrsempfehlungen zum Schutz von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern ergänzen “, Aktualisierte Stellungnahme Nr. 017/2015 vom 6. Februar 2014

[3] EFSA, „Dietary exposure to inorganic arsenic in the European population“, EFSA Journal 2014; 12(3):3597

[4] VERORDNUNG (EU) 2015/1006 DER KOMMISSION vom 25. Juni 2015 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte für anorganisches Arsen in Lebensmitteln

 

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Bericht erschienen am 03.03.2016 07:52:01