Von Apfel bis Zwiebelmettwurst, von Aloe vera-Gel bis Zahnbürste

Die Praktikantinnen und Praktikanten, die jährlich ihre Ausbildung im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart absolvieren, haben bereits ein Studium der Lebensmittelchemie von mindestens 9 Semestern an einer deutschen Universität als Diplom-Lebensmittelchemiker/innen erfolgreich abgeschlossen.

Das CVUA Stuttgart bietet den jungen Kolleginnen und Kollegen die Chance, während einer einjährigen Ausbildung die Praxis der Lebensmitteluntersuchung und -beurteilung kennen zu lernen und nach erfolgter Abschlussprüfung die Berufsbezeichnung "Staatlich geprüfte/r Lebensmittelchemiker/in" zu tragen.

Derzeit werden 2 x jährlich Ausbildungsplätze (Ausbildungsbeginn Mai und Dezember) im Rahmen jeweils vorgelagerter Bewerbungsverfahren vergeben. Zuständig für die Vergabe der Ausbildungsplätze ist das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Das CVUA Freiburg wurde vom Ministerium  beauftragt, die verwaltungsmäßige Abwicklung des Bewerbungsverfahrens durchzuführen.

Unser Ausbildungskonzept: rein in die Praxis, den Sachverständigen über die Schulter schauen, fragen, mitmachen, Kompetenz erlangen - und das Ganze soll Spaß machen.

 

Eine Lebensmittelchemikerin und zwei Kollegen sitzen bei der sensorischen Überprüfung von Trinkwasser am Verkostungstisch.Verbraucherschutz aktiv erleben: Kenntnisse in den unterschiedlichsten Produktbereichen erlangen
Im CVUA Stuttgart wird großer Wert darauf gelegt, die Ausbildung vielseitig zu gestalten. So besuchen die Praktikanten in Ausbildungszeiten von je 1 bis 3 Wochen sämtliche lebensmittelchemische Labors. Neben den zentralen Messlabors, die mit moderner Analysentechnik wie Gaschromatographie, Flüssigchromatographie, Massenspektrometrie, Polarographie etc. aufwarten, stehen sämtliche 12 Lebensmittel-Produktlabors auf dem Programm. Dazu gehört die Ausbildung im "Wurstlabor" ebenso wie im "Süßwarenlabor"; auch das "Diätlabor" und das "Wasserlabor" haben Interessantes zu bieten, das "Milchlabor" wird ebenso kennen gelernt wie das allseits beliebte "Weinlabor".

Zur Beurteilung der einzelnen Lebensmittel werden die sensorischen Fähigkeiten geschult: wie schmeckt ein natives Olivenöl im Vergleich zu einem raffinierten Olivenöl? Wie beurteilt der Laborleiter die aus verschiedenen Metzgereien entnommenen Leberwürste? Schmeckt man Unterschiede zwischen Apfelsaft von Streuobstwiesen und solchem aus Konzentrat? Und schließlich: welche Fehltöne können bei der Weinsensorik erkannt werden?

Auch Bedarfsgegenstände werden getestet: wie schmeckt eine Milch nach drei Tagen im Kunststoffschlauch?

 

Wir gehen der Sache auf den Grund - mit Hilfe modernster Analysentechnik
Hauptaufgabe ist natürlich die Lebensmitteluntersuchung. In den Labors gewinnen die Praktikanten einen Überblick über die aktuellen modernen Analysenverfahren. Die Untersuchungen werden weitgehend selbstständig durchgeführt. Die Labormitarbeiter(innen) stehen ihnen jederzeit mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Seite.

Praktika in den Kontaminanten-Labors "Rückstände/Pflanzenbehandlungsmittel" sowie "Mykotoxine" runden die Ausbildung im Bereich Lebensmitteluntersuchung ab.

Ein wichtiger Ausbildungsschwerpunkt stellen im CVUA Stuttgart auch die Bereiche Bedarfsgegenstände (mit und ohne Lebensmittelkontakt, Kunststoffe, Spielwaren) sowie Reinigungsmittel dar.

Bei der Ausbildung wird Teamwork gefördert, andererseits auch großer Wert auf selbständiges Arbeiten und Entscheiden gelegt. Jeder Praktikant bearbeitet daher ein etwa dreiwöchiges Projekt. Dabei handelt es sich um eine überschaubare Aufgabe, wie beispielsweise das "Einfahren" einer neuen Methode oder der Vergleich unterschiedlicher Aufarbeitungsarten. Die dabei gewonnenen Ergebnisse präsentiert jeder Praktikant in einem der regelmäßig durchgeführten Fachkolloquien des Hauses.

 

Auch Fachkenntnisse sind gefragt: Orientierung im Dschungel der Rechtsvorschriften
Wer sich im Gewirr von EU-Verordnungen, nationalen Gesetzen und Verordnungen sowie rechtlichen Bestimmungen der Bundesländer auskennen soll, muss fundiertes Fachwissen erlangen. Dies geschieht in Seminaren, welche die Laborleiter durchführen. Seminarinhalte sind dabei u.a.

  • Produktinformation, Lebensmittelkunde
  • Herstellung, Technologie
  • Untersuchung der Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und Kosmetischen Mittel
  • Beurteilung der Produkte auf Grund von Untersuchungsergebnissen
  • Rechtliche Bestimmungen, Gutachtenerstellung

Dadurch erwerben die jungen Kolleginnen und Kollegen das für ihre spätere Tätigkeit notwendige Rüstzeug für die fachliche und lebensmittelrechtliche Beurteilung von Lebensmitteln, Wein, Trinkwasser und Bedarfsgegenständen.

 

8 frisch gebackene Lebensmittelchemikerinnen und -chemiker auf der Dachterrasse des CVUA Stuttgart.Qualifikation erwerben - fit für Führungsaufgaben
Umfassende Information blendet keinen Bereich aus. So wird das Seminar zum Thema "Erfolgreich führen - Mitarbeitermotivation, Zielvereinbarung, Kommunikationstraining" zur Chefsache erklärt und von der Amtsleiterin persönlich durchgeführt.

Dahinter steht das Bestreben, die jungen Kolleginnen und Kollegen auf Führungsaufgaben vorzubereiten. Aus diesen Gründen nimmt auch stets eine Praktikantin bzw. ein Praktikant an den regelmäßigen Dienstbesprechungen der Amtsleiterin mit den Abteilungsleitern teil und erstellt das Besprechungsprotokoll. Durch die Teilnahme im Führungskreis des Amtes soll der Blick für die inneren Abläufe und Prozesse der Entscheidungsfindung geschult werden.

"Praxis pur" erleben die Praktikanten bei ihrer vierwöchigen Hospitation an einer unteren Lebensmittelüberwachungsbehörde (i.A. im Landratsamt). Dort erhalten sie Einblick in die verwaltungsrechtlichen Abläufe und können die Lebensmittelkontrolleure bei Betriebskontrollen in Herstellerbetrieben, beim Groß- und Einzelhandel, in Gaststätten und Kantinen begleiten.

 

Die Abschlussprüfung - erworbene Kenntnisse sind nachweisbar
Nach den Vorschriften der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Lebensmittelchemiker setzt sich die Abschlussprüfung aus einem praktischen, einem gutachterlichen und einem mündlichen Teil zusammen.

Die Praktikantenausbildung im CVUA Stuttgart erfolgt nicht nach einem starren Konzept, sondern flexibel und wird ständig weiterentwickelt - auch unter Beteiligung der Praktikanten. Sie werden u.a. in einem Fragebogen um ihre Meinung gebeten - zu allen relevanten Bereichen der Ausbildung. Dabei geäußerte Kritik, Anregungen sowie Zustimmung dienen der Optimierung der Praktikantenausbildung im CVUA Stuttgart.

Nach Ablauf ihrer Ausbildung und Prüfung im CVUA Stuttgart sind die Staatlich geprüften Lebensmittechemikerinnen und Lebensmittelchemiker qualifiziert für ihre berufliche Tätigkeit - sei es in der Amtlichen Überwachung, in privaten Untersuchungslabors oder bei Lebensmittelherstellern.

 

Weitere Informationen

Berufspraktische Ausbildung für Lebensmittelchemiker an einem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Baden-Württemberg

 

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Bericht erschienen am 28.07.2005 10:58:07

Zuletzt aktualisiert am 10.01.2013 08:30:06