Lücken in der Allergenkennzeichnung

Teigwaren, Fleischerzeugnise sowie Gewürzzubereitungen wurden schwerpunktmäßig auf ausgesuchte, in der Produktkennzeichnung jeweils nicht ausgewiesene Allergene untersucht.
Besonders die potentiellen Allergene Senf sowie Sellerie waren in Wurstwaren und Gewürzen relativ häufig nachweisbar.
Zur möglichst einheitlichen Bewertung von Allergenspuren wurden erstmals interne Aktionswerte herangezogen (siehe auch Infokasten).

 

Bewertung von Allergenspuren
Eine Kennzeichnungspflicht für Allergene in Lebensmitteln besteht derzeit nur, wenn diese als Zutat in das Lebensmittel gelangt sind. Verbindliche Regelungen für Allergene, deren Eintrag ins Lebensmittel aufgrund einer Kreuzkontamination erfolgt ist, fehlen dagegen weiterhin. Alle Beteiligten, auch die Allergikerverbände streben mittlerweile Regelungen für diesen Bereich an. Das in Australien/Neuseeland entwickelte sogenannte VITAL-Konzept (Voluntary Incidental Trace Allergen Labelling) (www.allergenbureau.net) wird allgemein als gute und praktikable Grundlage angesehen, auf deren Basis ein europäisches System entwickelt werden könnte.
Prinzipiell müsste derzeit noch bei jedem positiven Befund eines nicht deklarierten Allergens im Herstellungsbetrieb ermittelt werden, ob der Eintrag aufgrund einer nicht deklarierten Zutat oder einer Kreuzkontamination erfolgte. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre waren nahezu alle Allergenbefunde durch nicht deklarationspflichtige Kreuzkontaminationen verursacht. In einem pragmatischen Ansatz wurden die Kontrolleure nunmehr nicht bei jedem positiven Befund gebeten, diese aufwändigen Ermittlungen durchzuführen. In Anlehnung an das VITAL-Konzept wurden für die Untersuchungen in Baden-Württemberg vorläufige „Aktionswerte" vereinbart. Befunde im sehr geringen Spurenbereich, zumeist im Bereich der jeweiligen Nachweisgrenze der Untersuchungsmethode blieben unbeanstandet.

 

Bewertung von Allergenbefunden - vorläufige Aktionswerte:

nachgewiesenes Allergen
(in Milligramm pro Kilogramm)
keine Allergenkennzeichnung,
aber Allergen nachweisbar
Hinweis „frei von..“/„ohne...“,
aber Allergen nachweisbar
Maßnahme/ Bewertung Ermittlung, ob Verstoß gegen
Kennzeichnungspflicht
irreführende Werbung
Ei (berechnet als Eiklarprotein) > 5  > 2 
Milch (berechnet als Gesamt-Milchprotein) > 10  > 5 
Sellerie, Senf, Soja, Lupine > 10-50*  > 10-50* 

* Echte quantitative Untersuchungen sind hier noch nicht möglich. Der Befund wird mit einer Kontrollprobe verglichen, die das Allergen in einer Konzentration enthält, welche noch eindeutig nachgewiesen werden kann. Je nach Allergen und Matrix werden ca. 10-50 mg/kg als Spur angesehen und bleiben unbeanstandet.

 

Teigwaren - zumeist nur minimale Spuren

TeigwarenLediglich 4 Prozent der untersuchten 89 Proben von Nudel-Erzeugnissen enthielten Ei, ohne dass dies auf dem Etikett vermerkt war. Bei weiteren sieben Prozent waren sehr geringe Spuren nachweisbar, die unbeanstandet blieben (siehe oben). Hinweise wie „kann Spuren von Ei enthalten" oder „im Betrieb werden auch Eier verarbeitet" wurden immerhin bei 8 Proben vorgefunden, wohingegen diese Hinweise in den Vorjahren noch so gut wie nicht vorkamen.
Mit jeweils zwei Prozent noch geringer war der Anteil von Proben, die Soja oder Lupine in Anteilen über ca. 10-20 Milligramm pro Kilogramm enthielten.

„Eifreie" Teigwaren - wirklich ohne Ei?

Speziell unter die Lupe genommen wurden Teigwaren, in deren Etikettierung eigens darauf hin gewiesen wurde, dass Eier nicht enthalten sind, etwa mit dem Hinweis „ohne Ei".

Immerhin 4 von 28 Proben (=14 Prozent) enthielten mehr als 10 Milligramm Ei pro Kilogramm (berechnet als Volleipulver). Weitere 5 Proben mit noch geringeren Spurenanteilen blieben unbeanstandet.

Gerade kleinere, mittelständische Hersteller verwenden diesen hervorhebenden Hinweis in der Kennzeichnung häufig, um auf eine Rezeptur hinzuweisen, die keine Zugabe von Eiern vorsieht. Dieser Hinweis kann aber durchaus von Ei-Allergikern so verstanden werden, dass selbst geringe - ggf. noch allergen wirksame - Verunreinigungen durch Ei nicht enthalten sind.

 

Tabelle Teigwaren

 

Gewürze und Gewürzzubereitungen - Probleme bei Sellerie und Senf

Salatgewürz35 Prozent, also mehr als jede dritte Probe enthielt bei Gewürzen und Gewürzzubereitungen Senf ohne einen entsprechenden Hinweis in der Kennzeichnung. Auch Sellerie war in 10 von 42 Proben nachweisbar. Die Untersuchungen auf das Allergen Soja ergaben hingegen in keiner Probe positive Resultate.

 

Wie in den vergangenen Jahren zeigte sich, dass Verunreinigungen durch Senf und Sellerie, die oft auch Zutat von Gewürzpräparaten sind, häufig anzutreffen sind.

 

 

 

Tabelle Gewürze

 

 

Wurst mit Senf - für Allergiker ein Problem

WurstauslageNicht deklarierte Verunreinigungen durch Senf waren auch bei Wurstwaren am häufigsten. 31 von 100 Proben enthielten dieses Allergen. Auch Hinweise auf Sellerie fehlten bei 14 von 87 Proben. Wahrscheinlichste Ursache hierfür ist die Verwendung „kontaminierter" Gewürzpräparate (s.o.).

 

Aber auch Soja und Milch waren in jeweils 6 Prozent der Proben nachweisbar. Gerade bei Milch fällt der hohe Anteil an Befunden im sehr geringen Spurenbereich auf. 28 Prozent enthielten weniger als 10 Milligramm Milchprotein pro Kilogramm. Zurückzuführen ist diese hohe Rate an Spurenbefunden bei Milch sehr wahrscheinlich auf Kreuzkontaminationen im Betrieb, da Milcheiweißpräparate häufig auch als Zutat in Fleischerzeugnissen eingesetzt werden.

 

Erfreulicherweise waren bis auf 4 Spurenbefunde bei Ei keine nicht deklarierten Verunreinigungen durch Ei nachweisbar.

 

Wurstwaren

 

Fazit:

Seit im Jahr 2005 die Allergenkennzeichnung in Kraft trat, hat sich lebensmittelrechtlich kaum etwas bewegt, obwohl schon damals deutlich wurde, dass die Kennzeichnungspflicht für allergene Zutaten nur die eine Seite der Medaille ist. Allergene Anteile, die unbeabsichtigt durch verschiedene Kontaminationswege in ein Lebensmittel gelangen, sind nach wie vor von einer Pflicht zur Kennzeichnung ausgenommen.

 

Der Allergiker hat den berechtigten Anspruch, über allergene Bestandteile in Lebensmitteln informiert zu werden. Die Lösung kann nicht sein, dass dies über nicht reglementierte Spurenhinweise geschieht. Eine pragmatische gesetzliche Regelung über Schwellenwerte mit dem Fokus auf Lösungen anstatt auf Probleme wäre nun an der Zeit.

 

(Quelle: Dr. Ingrid Kaufmann-Horlacher (CVUA Stuttgart), DLR | Januar 2010, Seite 16-17)

 

Links:

Infos zu Allergenen in Lebensmitteln

 

Das VITAL-Konzept

 

Bildnachweis

Wurstauslage, Michael Leps, Pixelio.de, Bild-ID: 235442

 

 

Autor(en): Hans-Ulrich Waiblinger (CVUA Freiburg), Elisabeth Burgmaier-Thielert, Gabriele Engler-Blum (CVUA Sigmaringen), Dr. Stefan Stier (CVUA Karlsruhe)

 

Bericht erschienen am 29.01.2010 14:03:50

Zuletzt aktualisiert am 13.02.2014 15:33:05